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Blog
von Matthias Rohs - 15. Mai 2008
Informelles Lernen wird in den meisten Definitionen als ein Lernen außerhalb von Bildungsinstitutionen beschrieben. Dabei stellt sich die Frage ob dies eine definitorische Setzung oder eine Folge der Rahmenbedingungen in Bildungsinstitutionen ist. In dieser Hinsicht würde ich eher den Ansatz der informal education vertreten, d. h. dass auch in Bildungsinstitutionen Rahmenbedingungen für informelles Lernen geschaffen werden können.
In diesem Zusammenhang bin ich (via flux) auf zwei spannende Beiträge gestoßen, die den Zusammenhang von neuen Lernanforderungen und Lernumgebungen thematisieren. Dazu heißt es in einem Beitrag der American Architectural Foundation:
“Unlike the designs for schools and classrooms, which have changed little since the 1950s, advances in digital technologies have revolutionized the way we communicate and access information, solve problems, live, and learn. Today’s mobile digital devices, powerful computers, and the Internet have become indispensable tools in business, medicine, government, higher education, and research. These same technologies are also coming into our nation’s schools and classrooms, and in a select—but growing number of instances—technology is changing the way students learn and teachers teach.”
Wie stark die Einflüsse wirklich sind, mag ich an dieser Stelle nicht thematisieren und auch nicht allein auf die Medien fokussieren. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich der Blickwinkel auf Lernprozesse seit dem Bau vieler (wohl der meisten) Bildungseinrichtungen radikal verändert hat.
Lernen in Gruppen oder informelles Lernen erfordern aber eine andere räumliche Gestaltung, als dies viele Bildungseinrichtungen bieten. Dies ist nun wahrhaftig keine neue Erkenntnis, schaut man sich jedoch die Realität in Bildungseinrichtungen an, so wird in vielen schon durch die Architektur die Methodenvielfalt und auch das informelle Lernen limitiert.
Vorschläge zur Verbesserung verschiedener Lernsettings bietet Fisher (2005) (siehe Bild). Ich sehe diese Vorschläge noch nicht als Lösung an, aber als wichtige Anregung für die Diskussion, die im Kontext des informellen Lernens oft vernachlässigt wird.

Quellen:
American Architectural Foundation (2007). School Design and Student - Learning in the 21st Century. Im Internet:
http://www.archfoundation.org/aaf/documents/report.designforlearning.pdf
Fisher, K. (2005). Linking pedagogy and Space. Im Internet: http://www.sofweb.vic.edu.au/knowledgebank/pdfs//linking_pedagogy_and_space.pdf
Veröffentlicht unter Hochschule, Schule
von Matthias Rohs - 8. Mai 2008
Das “Department for Innovation, Universities and Skills” der britischen Regierung hat das informelle Lernen zu einem Interessenschwerpunkt gemacht und eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema angestoßen, “that will lead to a new vision for informal adult learning for the 21st century.” Grundlage für die Diskussion, die Forschung und Wirtschaft zusammenbringen soll, ist das Dokument “Informal Adult Learning - Shaping The Way Ahead“.
Darin werden folgende Themen behandelt:
Chapter 1 – gives a taste of the rich mix of informal adult learning: during the consultation we will commission a mapping of informal adult learning activity in order to identify gaps in what is available and/or accessible to different learner groups
Chapter 2 – sets out some of the exciting informal adult learning opportunities funded through a range of Government departments
Chapter 3 – describes our current adult education service in England: during the consultation we will open up the debate about its role for the future
Chapter 4 – reviews the issues about ensuring equality of access to learning
Chapter 5 - looks at the role of technology in informal adult learning: the consultation will ask what more can be done to ensure that learners can access cutting edge developments in technology and broadcasting
Chapter 6 – discussion points
Im Gegensatz zu anderen Consultations werden nicht nur Fragebögen eingesetzt - die nach eigener Aussage ohnehin nur die involvierten Organisationen und Personen erreichen - sondern Ziel ist es, die Diskussion in “specific groups” anzuregen. Der Aufruf zur Beteiligung geht somit an alle “who have an interest in informal adult learning, in whatever capacity or setting (…) so that we can pave the way towards a new offer for the 21st century and continue the tradition of improving adult lives through both formal and informal learning.”
Eine interessante Initiative, auf deren Ergebnisse ich sehr gespannt bin.
Weitere Informationen unter www.adultlearningconsultation.org.uk sowie Ergebnisse laufender Consultations hier.
Veröffentlicht unter Erwachsenenbildung
von Matthias Rohs - 30. April 2008
Durch den Beitrag von Tim Schlotfeldt habe ich erst mitbekommen, dass unser Blog in den Top Ten der Weiterbildungsblogs der Zeitschrift “Wirtschaft und Weiterbildung” gelandet sind. Vielen Dank dafür! Es hat mich aber auch ein wenig überrascht. Zwar ist die Weiterbildung ein Bereich ist, in dem informellen Lernen eine große Rolle spielt, aber unser Ziel ist es, möglichst breit über die verschiedenen Facetten informellen Lernens zu berichten.
Die Lorbeeren gebühren dabei nicht mir allein, sondern auch allen die Gastbeiträge verfasst haben und mich im Hintergrund mit Informationen versorgen! Viele Dank!
Nicht ganz richtig ist in der “Urteilsbegründung”, dass wir keine Kommentarfunktion haben. Die ist sehr wohl vorhanden, doch wohl schwer zu finden. Wir arbeiten dran und freuen uns über jeden Kommentar.
Unser Glückwunsch gilt natürlich allen anderen aufgeführten Blogs:
- Jochen Robes: Weiterbildungsblog
- Fritz B. Simon: Simons Systemische Kehrwoche
- Johannes Tönneßen: MWonlineblog
- Tim Schlotfeldt: E-Learning-Blog
- Christian Reiß: Personaler Online
- Robert Freund: robertfreund
- Florian Rustler: Creaffective
- Gabi Reinmann: E-Denkarium
- Ulrike Reinhard, Lutz Berger: The Future of Learning
- Matthias Rohs: Informelles Lernen
Wir hoffen, dass dieses Ranking auch alle anderen motiviert, die nicht erwähnt wurden.
Veröffentlicht unter Presse
von Matthias Rohs - 24. April 2008
Gerne möche ich auf die Initiative von researchblogging.org hinweisen, von der ich hier gelesen habe. Ziel ist es ein Gütesiegel für Beiträge zu verbreiten, die sich mit wissenschaftlich gereviewten Papers beschäftigen. Wir machen gerne mit. Registierung und alles weiter unter german.researchblogging.org
Veröffentlicht unter Initiativen
von Matthias Rohs - 23. April 2008
Wenn es um das informelle Lernen geht, dann ist oft auch die Frage, wie es “genutzt” werden kann. Diese Frage ist sehr heikel, nicht nur weil die Steuerungsmöglichkeiten informellen Lernens sehr begrenzt sind, sondern auch weil die “Formalisierung des Informellen” ein Eingreifen in die Privatsphäre ist, oder wie Habermas es nannte, eine “Kolonialisierung der Lebenswelt”.
Ziel pädagogischer bzw. didaktischer Bemühungen kann es daher nur sein, das informelle Lernen generell zu fördern, oder eine Verbindung beider “Lernwelten” (des formellen und des informellen Lernens) herzustellen. Dazu sind die Schnittstellen, Übergänge und Graubereiche zwischen formellem und informellen Lernen zu analysieren, zu beschreiben und zu gestalten.
Genau dies war das Ziel, das ich mit meiner Dissertation verfolgt habe, die nun auch als Buch- und Online-Publikation erschienen ist. Im Klappentext heißt es zu dem Buch:
“Wie können das formelle und das informelle Lernen miteinander verbunden werden? Diese Frage stellt sich angesichts der zunehmenden Bedeutung informellen Lernens mehr denn je. In dem vorliegenden Buch wird diese Frage anhand einer explorativen Fallstudie in der IT-Weiterbildung untersucht. Aufbauend auf einer umfassenden Darstellung der aktuellen Debatte zum informellen Lernen entwickelt der Autor auf den Ebenen der Lernprozesse, der Rahmenbedingungen sowie theoretischer und praxisorientierter Konzepte Grundlagen für eine Theorie der Verbindung formellen und informellen Lernens, die für die Weiterbildungsforschung ebenso interessant ist, wie für die betriebliche Bildungsarbeit.”
Hier ist vielleicht auch die richtige Stelle mich bei meinen Betreuern, Prof. Peter Dehnbostel und Prof. Bernd Overwien zu bedanken, die mich sowohl fachlich als auch menschlich “summa cum laude” durch dieses Projekt begleitet haben.
Quellen:
Rohs, M. (2008). Connected Learning: Zur Verbindung formellen und informellen Lernens in der IT-Weiterbildung. Saarbrücken: VDM-Verlag. (Bezugsmöglichkeit hier)
Rohs, M. (2007). Zur Theorie formellen und informellen Lernens in der IT-Weiterbildung. Online: http://opus.unibw-hamburg.de/opus/frontdoor.php?source_opus=1230
Veröffentlicht unter Weiterbildung, Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 22. April 2008
An dieser Stelle bin ich schon mal auf das 80%-Problem eingegangen und eine differenzierte Sichtweise auf das immer wiederkehrende Argument gefordert, dass 80% des Lernens informell sind. In ähnlicher Weise ist es wohl zu einfach gedacht, dass sich durch informelles Lernen Kosten einsparen lassen - was vielleicht wünschenswert wäre, aber wohl nicht der Realität entspricht. Wie hier und hier berichtet wird, sind die Kosten für informelles Lernen sogar höher. Danach müsste die bekannte Grafik von Jay Cross umgekehrt werden.
Auch aus meiner Erfahrung würde ich nicht davon ausgehen, dass informelles Lernen zur Kostenreduktion beiträgt, sondern vielmehr zu einer Verlagerung der Kosten, wobei Kosten nicht immer Geld, sondern beispielsweise auch Zeit bedeutet. Diese Zusammenhänge lassen sich nur schwieriger darstellen als das Bildungsbudget eines Unternehmens. Ganz so drastisch wie in der Abbildung würde ich es aber auch nicht sehen. Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

(von http://www.knowledgejump.com/learning/informal.html)
Veröffentlicht unter Untersuchungen
von Matthias Rohs - 21. April 2008
Wie hier schon berichtet, gab es am wle der London University eine Veranstaltung zu Forschungsmethoden für informelles und mobiles Lernen. Nun hat mich Norbert Pachler darauf aufmerksam gemacht, dass die Ergebnisse nun hier zur Verfügung stehen. Besonders interessant sind sicherlich die Proceedings, die hier zu finden sind. (Ich hatte das Problem, dass mit dem PDF-Viewer die Seiten leer waren. Wie sich jetzt herausstellt, war es nicht nur bei mir so. Wenn ich es mit dem Acrobat -Reader geöffnet habe, ging es aber.)
Veröffentlicht unter E-Learning, Veranstaltungen
von Matthias Rohs - 12. April 2008
Auf den Seiten des Institute for Research and Innovation in Social Service bin ich auf die Aufzeichnug eines Workshops zum Thema “Web 2.0 and informal learning” gestoßen. Dabei ging es um die Frage: “How can blogs, wikis, podcasting and other web 2.0 methods be harnessed to support learning for practice?” In der Beschreibung heißt es weiterhin:
“This workshop will enable participants to learn more about the “Web 2.0″ phenomenon, demonstrate some emerging educational applications, and consider the pros and cons of applying these methods in the context of learning for the social service workforce.”
Viel Spaß beim hören.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veranstaltungen
von Matthias Rohs - 11. April 2008
Auch im E-Learning spielt das informelle Lernen eine Rolle, wie schon an verschiedenen Stellen in diesem Blog angesprochen. Der Beitrag von Stefanie Hauske und Oliver Bendel auf unseren Seiten (hier) ist aber eine der wenigen Definitionsversuche informellen E-Learnings. So bleibt das Phänomen weitgehend schammig in der Diskussion. Dabei steht es wohl außer Frage, dass vor allem im bzw. mit dem Internet informell gelernt wird.
Dieses Lerne spielt auch im Hochschulkontext eine Rolle. Wie hier schon erwähnt, hat sich das E-Learning Center in einem Podcast diesem Thema angenommen. Parallel dazu wird es nun auch eine Topic-Veranstaltung zum Thema “Informelles E-Learning an Hochschulen” geben.
Veröffentlicht unter Hochschule, Veranstaltungen
von Matthias Rohs - 10. April 2008
Jay Cross ist wirklich ein “Hans Dampf in allen Gassen”. Zumindest was das Thema informelles Lernen betrifft, kann man ihn nicht mehr ignorieren. Manchmal geht es mir ein wenig weit, wenn er schon als “Erfinder” des informellen Lernens beschrieben wird, aber an der aktuellen Diskussion hat er einen ziemlich grossen Anteil.
Aktuell habe ich ein Interview von Adobe mit ihm gefunden (hier), in dem er sehr grundlegend zum informellen Lernen Stellung nimmt und zu den Möglichkeiten der Unterstützung informellen Lernens eingeht.
Wer ihn mal life sehen will, hat dazu auf der EduMedia 2008 in Salzburg Gelegenheit.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Presse
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