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Rezension: Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement

von Matthias Rohs - 25. July 2008

Die Autoren sind keine Unbekannten im Bereich des informellen Lernens. Vor allem Claus Tully gehört zu den Pionieren des informellen Lernens im deutschsprachigen Bereich. Seit 2003 war er nun gemeinsam mit Wiebken Düx, Erich Sass und Gerald Prein im Projekt “Informelle Lernprozesse im Jugendalter in Settings des freiwilligen Engagements” des Deutschen Jugendinstituts (Projektseite) tätig. Gegenstand des Forschungsvorhabens waren die Bildungsprozesse Jugendlicher und junger Erwachsener im Rahmen von „freiwilligem Engagement“.

Mit dem Buch “Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement” ist nun die Abschlußpublikation dieses Projekts beim VS-Verlag erschienen. Es stellt nicht nur angesichts der wenigen (empirischen) Forschungsergebnisse in diesem Feld einen enormen Gewinn dar, sondern kann Aufgrund der Breite und Tiefe der Auseinandersetzung wohl heute schon zu einem Standardwerk im Bereich des informellen Kompetenzerwerbs im freiwilligen Engagement gezählt werden.

Die dargestellten Ergebnisse des Projekts basieren auf zwei Untersuchungen:

  • qualitativen Befragung  durch 74 leitfadengestützte Face-To-Face-Interviews bei 74 engagierten Jugendlichen im Alter von 15-22 Jahren sowie  13 ehemals Engagierten
  • standardisierte Telefoninterviews bei 1500 ehemals engagierten Erwachsenen sowie als Vergleichsgruppe 552 Erwachsene der gleichen Alterskohorte, die in ihrer Jugend nicht engagiert waren

Die Ergebnisse werden in fünf Bereichen vorgestellt:

  1. Voraussetzungen und Motive für freiwilliges Engagement (Welche Motive gibt es zur Aufnahme eines Engagements?)
  2. Strukturelle und  organisatorische Rahmenbedingungen freiwilligen Engagements (Gibt es in Settings des freiwilligen Engagements andere Lernmöglichkeiten als in anderen Lernfeldern?)
  3.  Lern- und Entwicklungsprozesse (Wie und was lernen Jugendliche im freiwilligen Engagement?)
  4. Nachhaltigkeit von Lernerfahrungen und Kompetenzgewinn (Werden die Lernerfahrungen und Kompetenzen aus dem freiwilligen Engagement in zeitlich nachfolgenden Lebensphasen eingebracht?)
  5. Identitätsarbeit (Können die Jugendlichen, indem sie sich in Settings des freiwilligen Engagement bewegen, wesentliche Schritte zur Ausbildung einer eigenen Persönlichkeit realisieren?)

Die Ergebnisse lassen sich hier allenfalls ausgewählt und blitzlichtartig darstellen. So hat sich gezeigt, dass durch das freiwillige Engagement vor allem soziale und personale Kompetenzen, insbesondere im Bereich von Management- und Leitungsaufgaben entwickelt und gefördert werden. Ganz allgemein zeigte sich aber auch, “dass in ihrer Jugend engagierte Erwachsene bei allen erfragten Tätigkeiten über  ein breiteres Spektrum von Erfahrungen und damit auch mehr Kompetenzen als früher Nicht-Engagierte verfügen.” (S. 263). Dies kann auch darauf zurückgeführt werden, dass in Organisationen des freiwilligen Engagements von Jugendlichen Aufgaben übernommen werden können (Leitung, Schulung, Organisation u. a.), die besondere Lernmöglichkeiten eröffnen und für die es in diesem Alter kaum Alternativen gibt. Gelernt wird im freiwilligen Engagement - trotz formaler Weiterbildungsangebote - in non-formalen und informellen Settings. Diese Lernchancen werden aber überwiegend von sozial gut integrierten deutschen Jugendlichen mit höherer Schulbildung genutzt.

Düx et al. bilanzieren selbst, ” dass sich die Settings des freiwilligen Engagements für junge Menschen als eine Lernwelt beschreiben (lassen), die durch die Verknüpfung gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme und individueller Lernprozesse besondere Chancen und Freiräume für die Entwicklung vielfältiger Kenntnisse und Fähigkeiten eröffnet, die für eine eigenständige  und sozial verantwortliche Lebensführung sowie die Beteiligung an demokratischen Verfahren, aber auch für die Übernahme von Leitungs- und Managementaufgaben wichtig sind, in schulischen Settings jedoch kaum vorkommen. Informelle Lernprozesse im Engagement erfüllen demnach eine ergänzende Funktion zum Kompetenzerwerb Heranwachsender in der Schule.” (S. 273).

Es schließen sich Empfehlungen für Praxis, Politik und Wissenschaft an, die eine Brücke für den den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis schlagen. Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle aber nur die Desiderate für die Wissenschaft, in denen darauf verwiesen wird, dass im Unterschied zur schulischen Lernforschung kaum auf bewährte Instrumente und Verfahren zurückgegriffen werden kann. So ist es auch nur konsequent und wichtig, dass der methodischen Auseinandersetzung ein gesondertes Kapitel gewidmet wurde.

Wenn Düx et al. resümieren, dass sie “einen Schritt über bisherige Forschungsarbeiten zum informellen Lernen” hinausgehen, so kann ich hier nur Bescheidenheit feststellen. Das Buch ist mit Sicherheit ein Meilenstein für die Diskussion zum informellen Lernen im freiwiligen Engagement und  so muss davon ausgegangen werden, dass “7-Meilen-Stiefel” getragen wurden. Die Autoren bewaren sich zudem bei aller wissenschaftlichen Tiefe und methodischen Präzision einen leicht verständlichen Ausdruck, der auch durch die unterschiedlichen Autorenschaft der Kapitel  nicht beeinträchtigt wird. Gerne würde ich an dieser Stelle noch auf Defizite hinweisen, um meine positive Einschätzung zu unterstreichen. Doch leider kann ich nichts finden.

Quelle

Düx, Wiebken et al (2008). Kompetenzerwerb im freiwilligen Engagement - Eine empirische Studie zum informellen Lernen im Jugendalter. Wiesbaden:  VS-Verlag.

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Informelles Lernen im Museum - Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift “Unterrichtswissenschaft”

von Matthias Rohs - 25. July 2008

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Unterrichtswissenschaft beschäftigt sich mit dem “Lernen im Museum”. Zwei der Beiträge thematisieren dabei verstärkt das informelle Lernen:

Schrader, J., Stadler, M. & Körber, K. (2008). Die Bedeutung informeller Lernumgebungen für die naturwissenschaftliche Grundbildung Erwachsener, in Unterrichtswissenschaft - Zeitschrift für Lernforschung, 36 (2), S.98-116.

Abstract:
Der Beitrag geht aus von der Beobachtung, dass das informelle Lernen einerseits, die naturwissenschaftliche Bildung andererseits wachsende Beachtung finden. Am Beispiel er Erwachsenenbildung wird vor diesem Hintergrund gefragt, welchen Beitrag informelle Lernumgebungen zu einer naturwissenschaftlichen Grundbildung Erwachsener leisten (können). Vorgestellt werden die Ergebnisse zweier explorativer Projekte, die auf der Grundlage von Experteninterviews, Inhalts- und Dokumentenanalysen und teilnehmenden Beobachtungen die Vermittlung von Naturwissenschaft und Technik in Medien, Museen und Science Centern analysieren. In einer typisierenden Darstellung werden die impliziten und expliziten didaktisch-methodischen Konzepte ausgewählter informeller Lernumgebungen analysiert und auf Komponenten- und Stufenmodelle einer Scientific Literacy bezogen. Dabei zeigt sich eine Vielfalt an informellen Lernumgebungen, die eher auf Akzeptanz- und Legitimations- als Wissens- oder Kompetenzdefizite in Feld der Naturwissenschaften und Technik reagiert.  

Schwan, S. et al  (2008). Lernen in Museen und Ausstellungen - die Rolle digitaler Medien, in Unterrichtswissenschaft - Zeitschrift für Lernforschung, 36 (2), S.117-135.

Abstract:
Museen und Ausstellungen sind informelle Lernsettings, die eine Vielzahl unterschiedlicher Lernformen ermöglichen. Besonders häufig vorkommende und wichtige Lernformen sind das freie Explorieren sowie das selbst gesteuerte Lernen. Für Kuratoren und Ausstellungsgestalter ergibt sich daraus die anspruchsvolle Aufgabe, “selbst erklärende” Ausstellungseinheiten zu gestalten und bei den Besuchern Lernprozesse anzuregen, zu fördern und zu optimieren. Hierfür werden zunehmend digitale Medien eingesetzt, etwa Kiosk-Systeme, Public-Displays, digitale Exponate, Meinungsterminals, Electronic Guidebooks und Museums-Websites, die komplexe Informationen darstellen, Themen verknüpfen und als Orientierungshilfe dienen können. Aus der Perspektive der Lehr-Lernforschung ist die empirische Untersuchung solcher digialen Medienangebote hinsichtlich ihres Zusammenspiels mit den Wissens- und Lernprozessen der Ausstellungsbesucher/-innen ein wichtiges Forschungsfeld, welches das Spektrum der bisher gewonnenen Erkenntnisse zu computergestützten Lernprozessen deutlich erweitert. In unserem Artikel beschreiben wir Wissenserwerbsprozesse im Museum auf der Basis eines Lernepisoden-Modells und präsentieren konkrete Beispiele für die empirische Erforschung der Rolle digitaler Medien im Kontext der Unterstützung nachhaltigen Lernens.

Aber auch in den anderen beiden Beiträgen werde Bezüge zum informellen Lernen hergestellt:

Lewalter, D. & Geyer, C. (2008). Die Nutzung schulischer Museumsbesuche aus der Sicht von Lehrkräften, in Unterrichtswissenschaft - Zeitschrift für Lernforschung, 36 (2), S.136-149.

Harms, U. & Krombaß, A.  (2008). Lernen im Museum - das Contextual Model of Learning, in Unterrichtswissenschaft - Zeitschrift für Lernforschung, 36 (2), S.150-166.

Insgesamt eine sehr spannende  Lektüre aus einem sehr spannenden Bereich informellen Lernens - für das wir auch immer noch einen Einführungsartikel für unsere Website suchen. Bei Interesse bitte melden.

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Aktualisierung Conference Call “Popular Education”

von Matthias Rohs - 23. July 2008

An dieser Stelle habe ich schon auf den Call für die Konferenz “Popular Education” hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt stand das Datum noch nicht definitiv fest. Nun habe ich mit den aktualisierten Calls (deutsch, englisch) auch das definitive Datum bekommen.

Deadline für die Calls: 30.1o.2008

Konferenz: 26./27.01.2009, Universität Duisburg/Essen

Bei Fragen können Sie sich an Rick Flowers (Rick.Flowers@uni-due.de), Gastprofessur für Erwachsenenbildung, Weiterbildung und Lernen am Institut für Berufs- und Weiterbildung der Universtität Duisburg-Essen (11/08-02/09)

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Futurelab: Informal learning ideas

von Matthias Rohs - 23. July 2008

Wie hier angekündigt hat Futurelab eine Ideensammlung zur technischen Unterstützung informellen Lernens von Kindern ausgerufen. Von den 108 eingereichten Ideen sind drei ausgewählt worden:

  • Dreamcatcher 
  • ShoutBox
  • i-Mind

Diese Ideen sollen umgesetzt und weiterentwickelt werden. Auf den verlinkten Seiten finden sich mehr Informationen. Eine Kurzzusammenfassung der Initiative gibt es hier und hier.

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Call for Papers: Training and Work

von Matthias Rohs - 22. July 2008

Die Online-Zeitschrift eLearning Papers nimmt noch bis zum 18. August Beiträge zum Thema “Training & Work” an.

Papers can be more specifically directed at the following themes:

  1. Online Validation and Qualification
  2. Computer and Internet Certificates
  3. Informal and Non-formal Learning
  4. Competence-based learning and e-Learning
  5. Virtual World in Training
  6. Training Communities
  7. Collaborative working
  8. New partnership for Learning
  9. Transforming organizations (Distance learning, In-company training, blended system…)

Zum Call: http://www.elearningpapers.eu/index.php?page=fix&id=11

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Stand der Anerkennung informellen Lernens in Australien und Europa

von Matthias Rohs - 7. July 2008

Die Anerkennung informellen Lernens ist ein zentrales Thema der europäischen Bildungsdiskussion. An dieser Stelle bin ich schon auf eine Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eingegangen, in der der aktuelle Stand der Diskussion und Entwicklung in Deutschland wiedergegeben wird.

Nun möchte ich noch auf zwei weitere Dokumente hinweisen, die sich dieser Thematik gewidmet haben. Zum einen ein Bericht des European Center for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) die in ihrem 50-Seiten-Report “Validation of non-formal and informal learning in Europe” einen kurzen Überblick über den Status der Anerkennung in Europa geben. In ihrer Zusammenfassung kommen sie zu dem Schluß:

“Whatever stage countries have reached in developing and implementing validation, the overall picture presented by this report, and the 2007 version of the European inventory, is that countries increasingly take lifelong learning seriously. Hardly any country argues against the importance and necessity of valuing as broad a scope of learning outcomes as possible.
In most cases, validation is linked to opening up national qualifications systems and frameworks to learning outside the formal education and training institutions. In this sense validation is seen as a bridge between different forms of learning outcomes and setting, a tool to strengthen the permeability of qualifications systems and coherent individual learning pathways. What differs between the various countries is their practical response to these challenges and the speed at which they are carrying out reforms. It is worth noting that very few – if any –countries explicitly argue against the relevance of validation of non-formal and informal learning.

A successful lifelong learning strategy implies that individuals have increased access to learning, be able to transfer and combine the outcomes of learning and to progress vertically as well as horizontally within systems. It is for these (individual) purposes validation of non-formal and informal learning is important.”

Der in der Zusammenfassung angesprochene “European inventory on validation of  informal an non-formal learning” bietet einen vertiefenden Blick zum Stand der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in eine Vielzahl europäischer Länder an.

Auch auf der anderen Seite der Erde beschäftigt man sich mit der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Dies ist nicht erstaunlich, sind doch das informelle Lernen und das Lernen im Arbeitsprozess Themen die durch die Diskussion in Australien immer wieder gewinnbringend angestossen, jedoch in Europa noch viel zu wenig rezipiert werden.

Im Report “The recognition of non-formal and informal learning in Australia“  bietet nicht nur einen Einblick in die Anerkennung informellen Lernens, sondern einleitend auch in das australische Bildungssystem.

“The specific purposes of the report are to:

  1. synthesise Australian research and analyse current policies and practices relating to the recognition of non-formal and informal learning;
  2. examine the impact of contextual factors on recognition systems;
  3. identify and describe existing institutional and technical arrangements for the recognition of non-formal and informal learning in Australia;
  4. collect evidence of the benefits, barriers, strengths and weaknesses with the current systems and data relating to recognition; and
  5. identify innovative and successful policy initiatives and practices.” (S. 1)

In der Zusammenfassung heißt es u. a.:

“Some of the current challenges in Australia are the need for more effective recording and data
storage and retrieval systems, greater acknowledgement of the costs associated with RPL (recogniton of prior learning), and for more rigorous and focused research to guide policy development and cost-effective implementation.”
(S. 2)

Quellen:

Center for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) (2008). Validation of non-formal and informal learning in Europe. Luxembourg. Im Internet: http://www.elearningeuropa.info/out/?doc_id=15141&rsr_id=16060

Misko, J., Beddie, F. & Smith, L. (2007). The recognition on non-formal and informal learning in Australia. Australian Government Department of Education. Im Internet: http://www.voced.edu.au/docs/dest/TD_TNC_91_301.pdf

Otero, M. S., Hawley, J. & Nevala, A.-M. (2008): European Inventory on Validation of Informal and Non-formal Learning: A final report. Im Internet: http://www.ecotec.com/europeaninventory/publications/inventory/EuropeanInventory.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Veröffentlichungen

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Tools für das informelle Lernen gewinnen weiter an Bedeutung …

von Matthias Rohs - 3. July 2008

… so lautet die Überschrift der Pressemitteilung zum “MMB Learning Delphi 2008″. 53 Experten (”etwa die Hälfte von ihnen gehört zur Gruppe der Produzenten von Lernangeboten und Dienstleistungen, ein weiteres Drittel stammt aus Wissenschaft und Beratung. Die übrigen Experten sind Entscheider auf der Anwenderseite, Fachjournalisten sowie Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen und Regierungsorganisationen.”) wurden zu den zukünftigen Trends im E-Learning befragt. Dabei zeigte sich:

“Branchenkenner [geben] in diesem Jahr vor allem solchen Innovationen in den deutschen Unternehmen eine Zukunft, die das informelle Lernen „on demand“ unterstützen. Hierzu gehören in erster Linie „Lerner Communities“ (87 %),  Wikis (80 %) und semantische Suchmaschinen (69 %). Gegenüber den Vorjahren haben Communities und Wikis damit noch einmal deutlich zugelegt. (…) Fast alle Befragten sind der Meinung, dass E-Learning- Angebote in naher Zukunft mit Web 2.0-Diensten verbunden werden und betonen die immer stärkere Rolle von Social Networking für das informelle Lernen am Arbeitsplatz.”

Die ausführlichen Ergebnisse werden auf der Website des MMB-Instituts für Medien und Kompetenzforschung veröffentlicht.

Quellen:

Pressemitteilung des MMB-Instituts für Medien und Kompetenzforschun: Im Internet: http://www.mmb-institut.de/2004/pages/presse/PR-Downloads/MMB_PM_Learning-Delphi_2008.pdf

Wissensmanagement: Das Magazin für Führungskräfte: Tools für das informelle Lernen: Nachfrage steigt. Im Internet: http://www.wissensmanagement.net/online/news/2008/6/484.shtml

Veröffentlicht unter E-Learning

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Informelles E-Learning an Hochschulen

von Matthias Rohs - 30. Juni 2008

Nicht jeder und jedem ist es möglich, berufliche und private Interessen miteinander zu verbinden. Zu einem gewissen Teil ist mir dies vergönnt, und so möchte ich an dieser Stelle auf den aktuellen Schwerpunkt des E-Learning-Podcast der Universtität Zürich hinweisen, in dem für das laufende Semester das informelle E-Learning an Hochschulen im Mittelpunkt steht.

Neben einigen Interviews (mit Gerd Schwabe, Gabi Reinmann, Jay Cross u. a.) sind dort auch die Ergebnisse einer Expertenbefragung zu finden, mit der wir uns dem Phänomen des informellen E-Learnings im Hochschulkontext genähert haben.

Veröffentlicht unter Hochschule, E-Learning

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Kommunikation von (Nicht-)Wissen

von Matthias Rohs - 23. Juni 2008

DINKELAKER untersucht in seiner Dissertation “Kommunikation von (Nicht-)Wissen” hybride Lernsettings, worunter er Interaktionsarrangements versteht, in denen sich Lernen mit anderen sozialen Praktiken (die keiner Lernlogik folgen) verbindet (vgl. S. 15). Damit wendet sich DINKELAKER Strukturen des Lernens zu, die nicht von der Anwendung des Gelernten getrennt sind, also außerhalb formaler Lernkontexte stattfinden und damit dem informellen Lernen zuzurechnen sind. Doch wie ist das Lernen in diesen Strukturen von anderen sozialen Praktiken zu unterscheiden?
DINKELAKER untersucht anhand von zwei Fallbeispielen aus einem Unternehmen und einer Hilfeeinrichtung die „Kommunikation von (Nicht-)Wissen“, d. h. die Strukturen der Zuschreibung von Wissen oder Nicht-Wissen.
Diese zunächst fremd wirkende Sichtweise auf das informelle Lernen bedarf einer gewissen Ausdauer bei der Lektüre des Buches, bis sich nach und nach die Gedankenwelt des Autors offenbart. Erschwert wird dies durch eine Sprache, die zwar wissenschaftlich präzise, jedoch nicht leicht verständlich ist.
Die Arbeit teilt sich in acht Kapitel. Ausgehend von der Darstellung der methodischen und theoretischen Prämissen werden im zweiten Kapitel die vier untersuchten Settings portraitiert: in der Hilfeeinrichtung das Betreuungsgespräch und die Redaktionssitzung, im Unternehmen die Abteilungssitzung und das Mitarbeitergespräch. In den Kapiteln drei bis sieben werden dann die Formen thematisiert, unter denen sich Kommunikationen realisieren. Im fünften Kapitel wird das Lernen als bestimmter Typus dieser Kommunikation behandelt. Im sechsten Kapitel stehen hybride Settings im Mittelpunkt, in denen bestimmte Zuschreibungssequenzen Verbindungen miteinander eingehen. Vor dem Hintergrund der so erarbeiteten “Grammatik” werden im siebenten Kapitel „die unterschiedlichen Settings von Lernen als jeweils spezifische Formen der Verschränkung von Lernen mit anderen Formen des Umgangs mit (Nicht-)Wissen rekonstruieren, aufeinander bezogen und miteinander verglichen“ (S. 17).
Lernen als soziales Phänomen lässt sich nach DINKELAKER definieren als Markierung des Übergangs einer Person von Nicht-Wissen zum Wissen (vgl. S. 29). Die damit verbundenen kommunikativen Prozesse werden in diesem Buch unter die Lupe genommen und nachgezeichnet. DINKELAKER spürt in den Mitschnitten von Gesprächen Sequenzen heraus, die Personen Wissen bzw. Nicht-Wissen zuschreiben. Ob es nun der Sozialarbeiter ist, der dem Klienten das Wissen um „richtiges“ gewaltfreies Verhalten abspricht, oder die Führungskraft, die dem Mitarbeiter einer Sitzung Wissen über einen Sachverhalt zuspricht. DINKELAKER strukturiert diese unterschiedlichen Formen der Kommunikation von (Nicht-)Wissen über die gewählten kontrastierten Fälle. Er unterscheidet Diagnosen von Korrekturen und Evaluationen und vergleicht zeitliche Abfolgen der Kommunikation über (Nicht-)Wissenszuschreibungen.
Die Arbeit von DINKELAKER und seine Perspektive der Zuschreibung von (Nicht-)Wissen öffnet eine spannende Perspektive zur Erschließung von Lernprozessen. Für die Analyse und das Verständnis der Kommunikation von (Nicht-)Wissen hat er eine fundierte theoretische Grundlage mit großem Potenzial für weitere Forschungsarbeiten gelegt. Um mehr über das informelle Lernen zu erfahren wäre es nun wichtig, die Analyseinstrumente verstärkt auf den Prozess des Lernens an sich zu richten. Für Wissenschaftler/innen die sich für das informelle Lernen interessieren verbleibt die Arbeit sonst unter Umständen zu stark auf der Metaebene des Lernens.
Neben vielen Ausrufezeichen hinterlässt die Arbeit so für mich auch einige Fragezeichen, die sich aber vielleicht in Bezug zum Forschungsprojekt „Wissensgesellschaft. Umgang mit Wissen im Kontext zweier sozialer Welten vor dem Hintergrund der universellen Institutionalisierung des Pädagogischen“, in dem die Arbeit verankert ist, klären lassen.

Quelle:

Dinkelaker, Jörg (2008). Kommunikation von (Nicht-)Wissen: Eine Fallstudie zum Lernen Erwachsener in hybriden Settings. VS-Verlag. Wiesbaden.

Veröffentlicht unter Veröffentlichungen

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Qualitätssicherung für informelles Lernen

von Matthias Rohs - 16. Juni 2008

Qualitätssicherung und informelles Lernen schließen sich für mich auf den ersten Blick aus. Qualitätssicherung bedeutet Messung und Formalisierung und steht dem informellen Lernen entgegen. Auf den ersten Blick. Und dazu muss ich sagen, dass ich mich allenfalls oberflächlich mit Konzepten zur Qualitätssicherung auseinandergesetzt habe. Nun ist mir aber ein Papier in die Hände gefallen, das den Titel “Quality Guide to the Non-Formal and Informal Learning Processes” trägt und vom SEEQUEL-Projekt (Sustainable Environment for the Evaluation of Quality in E-Learning) herausgegeben wurde.

Am Anfang der Broschüre steht die Feststellung:

“Certainly much of what is learnt in community centres, in the workplace or by individual study is very far from formalised and documented processes that are found in Total Quality Management approaches. However these processes are generating and providing learning that should not be excluded by the recognition and certification schemes or considered less important than the learning, that takes place in formal settings.”

Daher stellt sich die Frage; ob und wie Total-Quality-Management (TQM) und informelles Lernen zusammenpasst und was Qualitätsmanagement für das informelle Lernen bringt? Auch wenn sich für mich dieser Zusammenhang noch nicht aufgedrängt hat, ist er doch nicht neu. Schon WATKINS & MARSICK haben 1992 (S. 288) geschrieben:

“A key component of a new way of working with employees is continuous learning for continuous improvement , which is part of a constellation of new practices associated with Total Quality Management (TQM).”

Das Ziel der SEEQUEL-Broschüre ist es, für Anbieter (!) von informellem Lernen und E-Learning einen Ansatz für Qualitätsmanagement an die Hand zu geben. Dazu wird zunächst in TQM eingeführt und das Verständnis informellen Lernens dargelegt. Schließlich werden eine Reihe von Checklisten angeboten, deren Qualität ich nicht beurteilen kann. Sie beruhen auf drei wesentliche Bereiche, die sich auf die Qualität von Lernen auswirken:

a) Lernresourcen
b) Lernprozesse
c) Lernkontexte

Sowohl diese Aufteilung leuchtet mir ein und gibt mir eine Idee, wie auch die Qualität informeller Lernprozesse “gesichert” werden kann, als auch der folgende Satz, der für mich den Kern eines Verständnisses von Qualitätsmanagement informellen Lernens sein könnte, wenn nicht sein sollte:

“The key issue is not to measure oneself against a best performer but to start to reflect on which action can be taken in order to introduce quality elements in the informal and non-formal supply.”

In diesem Sinne vielleicht eine Anregung für eine weitere Reflexion über dieses Thema.

Quellen:

SEEQUEL (2004). Quality Guide to the Non-Formal and Informal Learning Processes. Im Internet: http://www.education-observatories.net/seequel/SEEQUEL-TQM_Guide_for_informal_learning.pdf

Watkins, K. E. & Marsick, V. J. (1992). Towards a Theory of Informal and Incidental Learning in Organizations. International Journal of Lifelong Education, 11 (4). S. 287-300.

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