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Blog-Archiv für die Kategorie ‘Berufssbildung’
von Matthias Rohs - 14. January 2010
Die Motivation für ein Buch, dass sich mit der Weiterbildung älterer Arbeitnehmer beschäftigt, braucht man nicht näher auszuführen. Angesichts der demographischen Entwicklung nimmt der Umgang mit Alter und älteren Menschen einen zunehmenden Stellenwert in der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion ein. Die Habilitationsschrift von Bernhard Schmidt, die sich mit der Weiterbildung älterer Arbeitnehmer unter dem besonderen Fokus des informellen Lernens beschäftigt, ist dabei aber keine unter vielen. Sie bietet eine breit wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem (informellen) Lernen älterer Arbeitnehmer und liefert neue Erkenntnisse in diesem spannenden Forschungsfeld.
Die Forschungsarbeit, die in der Publikation dargestellt wird, entstand im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts EdAge, dessen Ergebnisse in Tippelt et al. (2009) veröffentlicht sind. Während das Projekt jedoch die 45-80-jährigen Bundesbürger in den Blick nimmt, fokussiert sich die Forschungsarbeit von Schmidt auf die “noch im Erwerbsleben stehenden bzw. dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Erwachsenen ab einem Alter von 45 Jahren.” (S.5). Die Arbeit fokussiert dabei auf zwei Schwerpunkte. Zum einen richtet sich das Erkenntnisinteresse auf das Bildungsverhalten älterer Erwerbstätiger, wobei nicht nur informelle, sondern auch organisierte Bildungsangebote betrachtet werden. Die Entscheidung für diese umfassende Betrachtung der Bildungsaktivitäten, die zwar dem informellen Lernen besondere Beachtung schenkt, das organisierte Lernen aber ebenfalls berücksichtig, trägt einem neuen, erweiterten Verständnis (beruflicher) Weiterbildung Rechnung. Zum anderen wird die Erfassung von Ziele und Motive, die ältere Erwerbstätige mit ihren Bildungsaktivitäten verbinden, als zentraler Gegenstand der Arbeit genannt (ebd.). Für die Analyse der Ziele bedient sich der Autor eines für die Untersuchung von Bildungsoutcome entwickelten Kapital-Modells, das zwischen Humankapital, sozialem Kapital und Identitätskapital unterscheidet.
Die knapp 400 Seiten umfassende Arbeit gliedert sich in 10 Kapitel. Die ersten vier Kapitel sind dabei als Grundlagenkapitel zu verstehen. In ihnen beschäftigt sich der Autor mit der Stellung und den Entwicklungsaufgaben älterer Menschen in Gesellschaft und Unternehmen (Kap. 1), trägt Forschungsergebnisse zum Lernen älterer Menschen zusammen (Kap. 2), setzt sich mit dem Begriff, der Bedeutung und den Möglichkeiten zur Förderung informellen Lernens auseinander (Kap. 3) und stellt das erwähnte Kapital-Modell vor (Kap.4). Die Kapitel 5-8 widmet der Autor dem empirischen Teil der Arbeit. Diese gliedern sich analog zum Forschungsdesign, das in Kapitel fünf vorgestellt wird, in “Standardisierte Repräsentativbefragung” (Kap. 6), “Gruppendiskussion” (Kap. 7) und “Qualitative Interviews” (Kap. 8). Die abschliessenden Kapitel dienen schliesslich der Diskussion der Ergebnisse (Kap. 9) und dem Ausblick (Kap. 10).
Die Grundlagenkapitel sind zeichnen sich durch eine sorgfältige und umfassende Recherche aus und sind durch die reflektierte Bewertung der vorliegenden Forschung mehr als eine blosse Darstellung des Status Quo. Dies trifft insbesondere auf die Auseinandersetzung mit dem informellen Lernen zu. Schmidt beschränkt sich dabei nicht allein auf quantitative Betrachtungen, sondern rückt die “Frage nach einer qualitativen Veränderung (des Lernens, A.d.V.) durch die Bewusstmachung der Bedeutung informellen Lernens und der damit verbundenen Möglichkeiten.” (S. 116) in den Mittelpunkt. Besonders ergiebig für die weitere Diskussion erscheint mir die Betrachtung unabhängiger Variablen für das informelle Lernen, die, wo empirische Ergebnisse vorliegen, für die Gruppe Älterer/ älterer Arbeitnehmer vorgenommen wird. Wie schon anfangs angedeutet, ist die Betrachtung des informellen Lernens dabei nicht als Gegenüberstellung zum organisierten Lernen zu verstehen. “Organisiertes Lernen schafft durch die Vermittlung von Lernkompetenz erst die Voraussetzung für informelle Lernaktivitäten und kann die Begrenztheit informellen Lernens durch verfügbare Lern- und Erfahrungsräume sowie fehlende Distanz zum Lerngegenstand aufbrechen.” (S.138).
Die Betrachtung der Grundlagen verweist auf zahlreiche offene oder bislang nur teilweise beantwortete Forschungsfragen, aus denen Schmidt, ausgehend von den Zielen der Arbeit, ein knappes Dutzend für die empirische Untersuchung auswählt. Sie richten sich auf Weiterbildungsverhalten und -interessen, das informelle Lernen sowie Bildungsziele älterer Erwerbstätiger. Zur Beantwortung dieser Fragen wählt der Autor ein Forschungsdesign mit den schon erwähnten drei Elementen; Repräsentativbefragung, Gruppen- und Tiefeninterviews. Im Gegensatz zu zahlreichen Forschungsdesign, die eine Sequenzialität qualitativer und quantitativer Methoden ausweisen, hat sich Schmidt für eine teilweise Parallelität entschieden, um “eine effektive Nutzung des erkenntnistheoretischen Potentials beider Forschungstraditionen” (S. 192) zu nutzen. Konkret wurden auf Basis leitfadengestützter Experteninterviews und vorliegender Forschungsergebnisse die Fragebatterien für die Repräsentativbefragung abgeleitet. Für die tiefergehende Beschreibung besonderer Untergruppen (”für die spezielle Bildungsinteressen und -motive zu erwarten waren” S. 193), wurden qualitative Gruppendiskussionen (16) durchgeführt. Die Ergebnisse der Gruppendiskussionen und der Repräsentativbefragung dienten als Basis für die Tiefeninterviews (74, wovon 21 nach dokumentarischer Methode ausgewertet wurden). Für die Repräsentativbefragung wurden Daten einer Untersuchung der 45 bis 65-jährigen Erwerbsbevölkerung (n=3086) bzw. Erwerbstätigen (n=2012) ausgewertet.
Das Ergebnis der Untersuchung ist eine differenzierte Typenbildung, die Pauschalisierungen über Lerngewohnheiten älterer Erwerbstätiger entgegensteht. Auch wenn es angesichts des Umfangs der Ergebnisse nur willkürlich sein kann einzelne Aspekte herauszugreifen, so möchte ich doch auf einige Erkenntnisse hinweisen. So kommt Schmidt zu dem Schluss, dass insgesamt davon auszugehen ist, dass eher von Personen mit generell hohem bzw. geringem Aktivitätsgrad auszugehen ist, wobei Personen mit hohem Aktivitätsgrad sowohl formelle als auch informelle Lernmöglichkeiten eher nutzen als Personen mit niedrigem Aktivitätsgrad (vgl. S. 315). Das Alter, und dies ist wohl am erstaunlichsten, sagt dabei wenig über die Bildungsziele und -interessen aus, was die Betrachtung des Lernens Älterer ad absurdum führt.
Vielmehr sind Variablen wie Erwerbsstatus, berufliche Position, die schulische und berufliche Erstausbildung geeignet, auch wenn sie keine hinreichende Differenzierungskriterien sind (vgl. S. 355). Zudem zeigte sich, dass “zwar auch außerhalb des Betriebs informell gelernt wird, dass aber Arbeitslosigkeit oder Frühverrentung den Ausschluss von dem wichtigen Feld beruflicher Kompetenzentwicklung bedeutet” (S. 316 mit Verweis auf Boud & Garrick 1999). “Als wesentliches außerberufliches informelles Lernfeld erweisen sich über alle Bildungs- und Sozialgruppen hinweg Reisen.” (S.325). (Siehe in diesem Zusammenhang auch Rezension von Buck 2005).
Dieses Buch ist ab sofort zu den Grundlagenwerken in der Beschäftigung mit dem (informellen) Lernen älterer Erwerbstätiger zu rechnen. Insbesondere durch die Einbeziehung informellen Lernens wird eine wesentliche Erweiterung der vorliegenden Forschungsarbeiten vorgenommen. “Weiterbildung und informelles Lernen älterer Arbeitnehmer” gehört zu dem Besten, was in diesem Bereich im deutschsprachigen Gebiet publiziert wurde. Der einzige Makel der Publikation liegt darin, dass sie nur in deutsch vorliegt, und somit die Rezeption und Wahrnehmung eingeschränkt bleiben wird. Dabei bieten gerade solche Publikationen die Möglichkeit, auch international das Renomee der deutschen Bildungsforschung zu steigern.
Fussnote:
Unklar ist der genaue Name des Autors. Während das Buch den Autor Bernhard Schmidt auszeichnet, steht in der Buchinformation wie auf der persönlichen Website der Universität München Schmidt-Hertha.
Quelle
Buck, D. (2005). Touristische Gastfreundschaft in “good old Germany” – Wahrnehmungen touristischer Dienstleistungen durch US-amerikanische Gäste. Münster: Waxmann.
Schmidt, B. (2009). Weiterbildung und informelles Lernen älterer Arbeitnehmer: Bildungsverhalten. Bildungsinteressen. Bildungsmotive. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Tippelt, R., Schmidt, B., Schnurr, S., Sinner, S. & Theisen, C. (2009). Bildung Älterer – Herausforderungen des demografischen Wandels. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Untersuchungen, Veröffentlichungen, Weiterbildung
von Matthias Rohs - 28. December 2009
Klaus Schleicher, emeritierter Professor für Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, hat nach der Monographie “Zur Biographie Europas: Identität durch Alltagshandeln” (2007) mit “Lernen im Leben und für das Leben” ein zweites Buch im Krämer Verlag veröffentlicht, dass sich nun systematischer mit dem informellen Lernen beschäftigt.
Das Buch gliedert sich neben Einleitung und Ausblick in sieben Kapitel: (1) Wahrnehmung des informellen Lernens, (2) Eingrenzungen und Potentiale des informellen Lernens, (3) Historische und internationale Entwicklung, (4) Bedeutung von Werteinstellungen, (5) Zertifizierung von informellem Lernen, (6) Vernetzung von Lernkontexten, (7) Bildungspolitische und didaktische Herausforderungen. Jeweils zu Beginn jedes Kapitels werden grundlegende Fragen an das Kapitel formuliert.
Schleicher nennt als Ziel seines Buches “Anregungen zur theoretischen und praktischen Folgerungen für eine Steigerung individueller Kompetenzen und Selbststeuerungen, aber auch für ein erweitertes gesellschaftliches und europäisches Bildungsengagement zu bieten.” (S. 17).
Das Buch bietet eine fundierte Einordnung der Bedeutung informellen Lernens, sowohl aus einer historischen, pädagogisch-normativen als auch methodischen Perspektive. Auf der Grundlage breiten fachlichen Sachverstands stellt Schleicher zahlreiche Bezüge zwischen dem informellen Lernen und anderen pädagogischen und didaktischen Diskussionen her. Dies ist für einen Überblick zur Einordnung informellen Lernens sehr wertvoll, teilweise fehlt dem Buch trotz vieler Zusammenfassungen jedoch die Systematik und Darstellung, die bei der Erschliessung dieser vielfältigen Beziehungen und Gedanken hilft.
Schleicher fokussiert sich bei der Darstellung vor allem auf den Bereich der Berufsbildung und dem Lernen mit Medien. Während er den ersten Bereich sehr fundiert auch im internationalen Vergleich darstellt, fehlt mir bei der Behandlung des Medienthemas die fachliche Tiefe der Diskussion. Dies kann auch nicht Anspruch dieser Überblicksdarstellung sein, als Schwerpunkt des Buches fällt es jedoch hinter anderen Themen (z.B. Zertfizierung) zurück.
Positiv fällt die breite (auch englischsprachige) Rezeption der Literatur zum Thema auf, die sich zudem duch hohe Aktualität auszeichnet. Zur Darstellung der Grundlagen bezieht sich Schleicher dabei stark auf zwei Diplomarbeiten (Wurm 2007 und Stegemann 2008), deren Qualität ich nicht einschätzen kann.
Kritisch anzumerken ist in erster Linie die Umsetzung des Buches. Sowohl für Text (Schreibfehler, uneinheitliche Formatierungen) als auch Grafiken (unleserlich, überkomplex) wäre ein Lektorat hilfreich gewesen. Das Buch verliert dadurch sehr am professionellen Eindruck.
Ohne Frage handelt es sich bei “Lernen im Leben und für das Leben” um ein Buch, das neue Impulse für die wissenschafliche als auch bildungspolitische Diskussion zum informellen Lernen gibt. Schleicher erdet die Auseinandersetzung zum informellen Lernen in Deutschland sowohl historisch, als auch im internationalen Vergleich. Damit leistet er einen wesentlichen Beitrag, die Auseinandersetzung zum informellen Lernen auf eine sachliche Ebene zurückzuholen und Chancen, Risiken und Potentiale richtig einzuschätzen.
Aufgrund der zahlreichen Facetten des informellen Lernens, die in diesem Buch angesprochen werden, hält es für jeden Leser etwas bereit. Gleichzeitig überfordert es dadurch aber auch teilweise, weil die Darstellung der inhaltlichen Dichte und Komplexität nicht entspricht. Das Buch geht damit einen sehr problematischen Spagat, da es auf der einen Seite für die Wissenschaft zwar interessant ist, aber in den Spezialbereichen dann doch nicht tief genug geht. Auf der anderen Seite verschenkt es aus den genannten Gründen das hohe Potential als Buch für den Einstieg und Überblick zum informellen Lernen. Dennoch sei es aufgrund des hohen inhaltlichen Niveaus allen Interessierten sehr empfohlen.
Quellen
Schleicher, K. (2009). Leben im Leben und für das Leben: Informelles Lernen als Zukunftsaufgabe. Hamburg: Krämer Verlag.
Schleicher, K. (2007). Zur Biographie Europas: Identität durch Alltagshandeln. Hamburg. Krämer Verlag.
Stegemann, A. (2008). Informelles Lernen. Identifizierung, Bewertung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Hamburg: Diplomica.
Wurm, S. (2007). Informelles Lernen: Ein Überblick. Hamburg: Diplomica.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Bildungspolitik, Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 27. May 2009
Die Dezemberausgabe der bwp@ müsste ja eigentlich schon ein halbes Jahr draussen sein – und ist es wahrscheinlich auch. Dennoch bin ich erst jetzt durch mehrere Hinweise (u. a. dem Beitrag von Jochen Robes) auf einen Artikel von Thomas Reglin und Lutz Galiläer mit dem Titel “Neue elektronische Medien als Instrumente informellen Lernens von Wissensarbeitern” aufmerksam geworden.
Das hörte sich erstmal sehr spannend an – eine Formulierung die schon darauf hinweist, dass diese Erwartungen nur bedingt erfüllt wurden. Vielleicht das Positive vorweg: Das Thema verdient mehr Beachtung und scheint mir im Zuge der Diskussion um Enterprise 2.0 ein wenig an Kontakt zu den betriebspädagogischen Wurzeln zu verlieren, die hier von Reglin und Galiäer aufgegriffen werden. Dies geschieht – wie Jochen Robes erwähnt – systematisch. Für mich ist diese Systematik jedoch eher vordergründig und bei näherer Betrachtung nicht sehr aufschlussreich. Aber der Reihe nach und möglichst konstruktiv.
Vom Titel her ist es Anliegen, sich dem Zusammenhang von Neuen Medien, informellen Lernen und Wissensarbeit zu nähern. Begriffe – oder sollte man besser Buzzwords sagen – die die Welt bewegen, im Artikel aber nicht geklärt werden. So kam es bei mir zu einigen Verunsicherungen, wenn Foren als Neue (?) elektronische Medien dargestellt und informelles Lernen (scheinbar) synonym zum selbstgesteuerten Lernen verwendet wurde. Hier fehlte mir ein wenig Präzision/Definition aber auch Quellen – neben aktuellen Publikationen (z. B. Molzberger 2007, Fahr 2008) vor allem die englischsprachigen Dauerbrenner zum informellen Lernen in der Arbeit (von Marsick und Grarrick bis Cross). Darüber hinaus wurde die gesamte Diskussion zum Enterprise 2.0 mit vielen Schnittstellen zum informellen Lernen nicht tangiert (hier sei auf die Herausgeberbände von Back, Gronau & Tochermann 2008, Koch & Richter 2007 oder Buhse & Stamer hingewiesen). Das fand ich ein wenig schade.
Die Autoren nutzen dann das Konzept der vollständigen Handlung, um die Ansatzstellen für informelles Lernen im Arbeisprozess deutlich zu machen. Dieser Ansatz hinterlässt bei mir ein wenig Bauchschmerzen, da doch die vollständige Handlung eher den “didaktisierten Idealtypus”eines Arbeitsprozesses darstellt und damit wenig geeignet erscheint informelles Lernen zu analysieren – zumindest in meinen Augen.
Schlussendlich wird sehr anschaulich das informelle Lernen anhand eines Chat-Threads analysiert, aber dann kaum in Verbindung zu den Ergebnissen des Beitrags gebracht (auch der Zusammenhang zwischen dem Thread und Wissensarbeit erschien mir eher vage, da es um ein theoretisches Grundlagenproblem geht, dass ähnlich auch in einem Studium vorkommen könnte). So bleibt neben dem Nicken zu den Hypothesen der Autoren wenig Greifbares. Das ist dann auch der Grund, warum meine Erwartungen ein wenig enttäuscht wurden. Dennoch bietet der Aufsatz, wie hier gezeigt, viele Anknüpfungspunkte für die Diskussion zum informellen Lernen mit Neuen Medien (von Wissensarbeitern).
Quellen
Back, A., Gronau, N. & Tochtermann, K. (2008). Web 2.0 in der Unternehmenspraxis. Grundlagen, Fallstudien und Trends zum Einsatz von Social Software. München: Oldenbourg Verlag.
Buhse, W.; Stamer, S. (Hrsg.) (2008): Enterprise 2.0: Die Kunst, loszulassen. Berlin: Rhombos-Verlag.
Fahr, F. (2008). LernWerk – Lernen im Prozess der Arbeit am Beispiel der Automobilindustrie. Bielefeld: W. Bertelsmann.
Koch, M. & Richter, A. (2008). Enterprise 2.0: Planung, Einführung und erfolgreicher Einsatz von Social Software in Unternehmen. München: Oldenbourg Verlag.
Molzberger, G. (2007). Rahmungen informellen Lernens – Zur Erschließung neuer Lern- und Weiterbildungsperspektiven. Wiesbaden: VS-Verlag.
Reglin, T. & Galiläer, L. (2008) Neue elektronische Medien als Instrumente informellen Lernens von Wissensarbeitern. bwp@ 15 (Dezember 2008). Online: http://www.bwpat.de/ausgabe15/reglin_galilaeer_bwpat15.shtml
Veröffentlicht unter Berufssbildung, E-Learning, Veröffentlichungen, Weiterbildung
von Matthias Rohs - 5. June 2008
Die Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen ist ein Thema, dass durch die europäische Bildungspolitik immer wieder forciert und breit diskutiert wird. So hat dieses Thema auch lange Zeit die gesamte Diskussion zum informellen Lernen dominiert. Erst jetzt kommen zunehmend wieder Publikationen heraus, die sich auch mit den informellen Lernprozessen beschäftigen. Eine richtige Entwicklung, wie ich finde.
Aber was ist nun Ergebnis der Bemühungen zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. In einer neuen Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird der Stand zur Anerkennung non-formal und informell erworbenen Lernens in Deutschland zusammengefasst.
“Der Länderbericht für die Bundesrepublik Deutschland ist Teil einer OECD-Aktivität zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens, das als ein zentraler Ansatz gesehen wird, Lebenslanges Lernen für alle zu einer gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Ziel des OECD-Vorhabens ist es, Transparenz herzustellen, die Bedingungen zu klären, unter denen die Anerkennung non-formalen und informellen Lernens für alle einen Mehrwert erzielt, und politischen Funktionsträgern Hinweise für die Entwicklung von Systemen zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens zu liefern. Entsprechend zielt das Vorhaben sowohl auf eine Bestandsaufnahme als auch auf Informationen dazu, welche gesellschaftlichen Gruppen von der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens profitieren und welche davon ausgegrenzt sind, welche der bestehenden Systeme funktionieren und welche nicht, und letztlich auf die Ermittlung von wirkungsvollen, nützlichen und gerechten Modellen.“
Die Broschüre bietet auch für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, einen grundlegenden Ein- und Überblick über die Thematik. Auf der methodischer Seite fehlte mir jedoch gelegentlich die Tiefe.
Quellen:
BMBF (2008) (Hrsg.). Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens in Deutschland. Im Internet: http://www.bmbf.de/pub/non-formales_u_informelles_lernen_ind_deutschland.pdf
BMBF (2008) (Ed.). Status of Recognition of non-formal and informal learning in Germany. Online: http://www.bmbf.de/pub/non-formal_and_informal_learning_in_germany.pdf
Veröffentlicht unter Anerkennung, Berufssbildung, Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 25. May 2008
“Weiterbildung lohnt sich”, so steht es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Weiterbildung”. Nach einer Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer bei 11.000 Weiterbildungsabsolventen gaben zwei Drittel an, dass sich ihre Weiterbildung positiv auf auf ihre berufliche Entwicklung augewirkt hat. (S. 50)
Angesprochen ist damit die formale Weiterbildung. Aber wie sieht es mit informeller Weiterbildung aus? Eine Antwort auf diese Frage bietet eine Untersuchung von Pfeiffer & Reize (2000) vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, die den Zusammenhang zwischen formeller/informeller Weiterbildung und die Auswirkungen auf den individuellen Arbeitsverdienst untersucht haben.
Pfeiffer und Reize haben die Gruppe der Arbeitnehmer und der Selbständigen gegenübergestellt. Dabei zeigte sich:
“26,3 % der Arbeitnehmer und 25,8 % der Selbständigen in der Stichprobe haben in den letzten fünf Jahren seit 1987 an formaler Weiterbildung teilgenommen. (…) Im Unterschied zur formellen Weiterbildung ist die Weiterbildungsbeteiligung der Selbständigen an informellen Veranstaltungen wesentlich höher als bei Arbeitnehmern. Fast 45 % der Selbständigen nehmen an Fachmessen, Fachvorträgen, etc. teil, im Vergleich zu 30 % der Arbeitnehmer. Die Beteiligung an formalen Weiterbildungskursen schließt eine Beteiligung an informellen Kursen nicht aus. 81 % der Selbständigen und 63 % der Arbeitnehmer, die sich an formaler Weiterbildung beteiligten, nahmen zusätzlich auch informelle Weiterbildungsmöglichkeiten wahr.” (S. 2)
Und dann zum Wesentlichen:
“Die Schätzergebnisse zeigen, daß sich die Bestimmungsgründe des Verdienstes im Falle der Teilnahme an formeller oder informeller Weiterbildung deutlich von denjenigen ohne Teilnahme unterscheiden.
Die Bedeutung der Ausbildungsvariable und der Senioritätsentlohnung geht im Falle der Weiterbildung zurück. Die Schätzungen zeigen, daß die Verdienstdifferentiale mit dem Grad der Formalisierung der Weiterbildung zunehmen und daß auch informelle Weiterbildung positive Effekte hat.” (S. 3)
Zwar wäre damit das formelle Lernen bessere Weg zu einem höhere Einkommen, aber überraschender Weise lässt sich auch mit informeller (nicht zertifizierten) Weiterbildung mehr Geld verdienen.
Quelle:
Pfeiffer, Friedhelm und Frank Reize (2000). Formelle und informelle berufliche Weiterbildung und Verdienst bei Arbeitnehmern und Selbständigen, ZEW Discussion Paper No. 00-01, Mannheim Im Internet: http://madoc.bib.uni-mannheim.de/madoc/frontdoor.php?source_opus=580
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Untersuchungen, Veröffentlichungen, Weiterbildung
von Matthias Rohs - 23. May 2008
Gestern war ich auf dem 4. SCIL Kongess an der Universität St. Gallen. Dort hörte ich die Keynote von Erland Joergensen mit dem Titel “How to Create the Knowledge via Formal and Informal Learning?”. Ausgehend von den Anforderungen die die Globalisierung und die Alterspyramide an die Weiterbildung seines Konzerns stellen, hat er die Notwendigkeit zur Einführung eines neuen Lernkonzepts deutlich gemacht, dass im Wesentlichen durch folgende drei Punkte repräsentiert wird:
- Workplace Learning
- Ask-Learn-Share (Mitarbeiter stellen Fragen und teilen Wissen)
- Supervisor Engagement (Einbindung der Vorgesetzten in die Weiterbildung der Mitarbeiter)
Die Umsetzung erfolgte unter anderem durch ein Unternehmens-Wiki, dass jedem Mitarbeiter offen steht und von mehreren Tausend Mitareitern genutzt wird. Darüber hinaus ist die Weiterbildung stark an realen Arbeitsaufgaben und -projekte gebunden, deren erfolgreiche Bewältigung als Gradmesser für die Weiterbildung gilt. Das Engagement und die Unterstützung der Weiterbildung durch den Vorgesetzten wurde dabei als wesentlicher Schlüssel zum Erfolg bezeichnet.
Neu sind diese Ideen zur Integration informellen Lernens in die Weiterbildungsstrategie eines Unternehmens nicht. Jedoch die konsequente Umsetzung dieser Prinzipien in einem großen Konzern zeigt deutlich die Veränderungen die sich im Weiterbildungsbereich abspielen, auch wenn diese Beispiele, von denen es auf dem Kongress mehrere gab, sicherlich auch eine Vorreiterrolle einnehmen.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veranstaltungen, Weiterbildung
von Matthias Rohs - 22. May 2008
Der Titel von Regina Egetenmeyers Buch „Informal learning in betrieblichen Lernkulturen“ weist schon durch die Zweisprachigkeit auf den interkulturellen Blickwinkel hin, der für ihre Dissertation leitend war. In einer Vergleichstudie hat sie betriebliche Lernkulturen in Deutschland, Spanien und Großbritannien untersucht. Damit hat sie einen Themenbereich gewählt, der in der Bildungsforschung seit einigen Jahren Konjunktur hat, aber gerade im Zusammenhang mit dem informellen Lernen bisher kaum thematisiert wurde.
Es werden gerade mit der Lernkultur die Rahmenbedingungen informellen Lernens angesprochen und so die wesentliche Möglichkeit, informelles Lernen (in betrieblichen Kontexten) zu unterstützen. Dieser Zusammenhang ist scheinbar so offensichtlich, dass in den Grundlagenkapiteln zwar umfangreich zu den Begriffen des informellen Lernens und der Lernkultur Stellung genommen wird, der Zusammenhang beider Konzepte aber kaum thematisiert wurde.
Der zentralen Forschungsfrage, „Wie unterscheidet sich informal learning zwischen betrieblichen Lernkulturen in kulturellen Kontexten in Europa?“ ist Regina Egetenmeyer durch den Vergleich von drei Standorten eines Unternehmens in den genannten Destinationen nachgegangen. In Interviews mit Personalverantwortlichen und Führungskräften wurden die Unterschiede in den Lernkulturen nach den Kategorien „Lerngegenstände“, „Lernmotive“, „Lernwege“, „Ressourcen“ und „Informelle Lernkontrolle“ untersucht.
Beim Untersuchungsdesign der Studie stellen sich einige Fragen, die die Autorin selbst kritisch anspricht, die aber die Gültigkeit der Ergebnisse ihrer Meinung nach nicht beeinflussen. So ist zu fragen, wie stark die Lernkulturen der Unternehmen in Spanien und Großbritannien durch das Mutterunternehmen in Deutschland geprägt sind, ob durch die sprachlichen Hürden (die Interviews in Spanien wurden auf Englisch geführt) die Aussagen beeinflusst wurden und inwiefern durch Führungskräfte und Vorgesetzte ein realistisches Bild der Lernkultur wiedergegeben wird (S. 208f). Diese Fragen machen den hohen Anspruch des Forschungsvorhabens deutlich und weisen auf einen entsprechenden Forschungsbedarf hin.
Hervorzuheben sind die klaren und strukturiert aufbereiteten Ergebnisse der Studie, welche die lernkulturellen Unterschiede sehr deutlich machen. So dient beispielsweise das (informelle) Lernen im deutschen Unternehmen vor allem dem Erkenntnisgewinn, im britischen Unternehmen der konkreten Ausübung von Tätigkeiten und im spanischen Betrieb der Anpassung an Situationen (S. 203).
Offen blieb die Frage nach vergleichbaren Studien, sowohl zum informellen Lernen, als auch zu (lern)kulturellen Unterschieden und Bildungstraditionen in den gewählten Ländern, die zur Fundierung der Ergebnisse dienen könnten.
Als Fazit kann festgehalten werden, dass das Buch „Informal Learning in betrieblichen Lernkulturen“ einen wesentlichen Zusammenhang für die Gestaltung informellen Lernens im betrieblichen Kontext thematisiert. Regina Egetenmeyer gibt durch ihre strukturierte Aufarbeitung des Themas einen guten Einstieg und weist den Weg für weitere Forschungsarbeiten. Sie macht auf die kulturellen Unterschiede als Rahmenbedingungen informellen Lernens aufmerksam, so dass das Buch insbesondere als Begleitlektüre für ländervergleichende Studien zum informellen Lernen geeignet ist.
Quelle:
Egetenmeyer, R. (2008). Informal learning in betrieblichen Lernkulturen. Hohengehren: Schneider.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veröffentlichungen, Weiterbildung
von Matthias Rohs - 12. April 2008
Auf den Seiten des Institute for Research and Innovation in Social Service bin ich auf die Aufzeichnug eines Workshops zum Thema “Web 2.0 and informal learning” gestoßen. Dabei ging es um die Frage: “How can blogs, wikis, podcasting and other web 2.0 methods be harnessed to support learning for practice?” In der Beschreibung heißt es weiterhin:
“This workshop will enable participants to learn more about the “Web 2.0″ phenomenon, demonstrate some emerging educational applications, and consider the pros and cons of applying these methods in the context of learning for the social service workforce.”
Viel Spaß beim hören.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veranstaltungen
von Matthias Rohs - 10. April 2008
Jay Cross ist wirklich ein “Hans Dampf in allen Gassen”. Zumindest was das Thema informelles Lernen betrifft, kann man ihn nicht mehr ignorieren. Manchmal geht es mir ein wenig weit, wenn er schon als “Erfinder” des informellen Lernens beschrieben wird, aber an der aktuellen Diskussion hat er einen ziemlich grossen Anteil.
Aktuell habe ich ein Interview von Adobe mit ihm gefunden (hier), in dem er sehr grundlegend zum informellen Lernen Stellung nimmt und zu den Möglichkeiten der Unterstützung informellen Lernens eingeht.
Wer ihn mal life sehen will, hat dazu auf der EduMedia 2008 in Salzburg Gelegenheit.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Presse
von Matthias Rohs - 8. March 2008
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Education Permanente” gibt Andrè Schläfli einen Überblick über die Entwicklung und den Stand zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in der Schweiz. “Die bestehenden Ansätze”, so Schläfli, “setzen unterschiedliche Akzente, orientieren sich aber alle an einem 4-Ebenen-Modell, wobei die vier Ebenen zugleich vier Phasen eines Prozesses sind (vgl. Abb.). Da sich die frühen Modelle vor allem auf die Ebenen der Information und Bilanzierung konzentriert haben, hinkt die Entwicklung im Bereich der Anerkennung etwas hinterher. Erst mit der Einführung des neuen Berufsbildungsgesetzes 2004 war es auch möglich Komptenzen unabhängig vom Lernweg anzuerkennen.
Wichtigstes Instrument für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im Bereich der Berufsbildung ist der vom Bundesamt für Berufsbildung und Technology (BBT) entwickelte “Nationale Leitfaden” der von 2007-2009 in der Erprobundphase ist. Schläfli macht aber darauf aufmerksam, dass es in der Phase auch einige Probleme gibt:
- Der Fokus liegt in der Pilotphase auf der Grundausbildung, womit Fragen aus dem Bereich der Weiterbildung kaum beachtet werden.
- Übergänge zwischen Grundbildung und Weiterbildung werden nichtberücksichtigt.
- Es ist unklar, wie Organisationen, die bereits mit anderen Validierungsinstrumenten arbeiten, während der Pilotphase vorgehen sollen.

Weiter Informationen zur Validierung von informell erworbenen Kompetenzen in der Schweiz im Bereich der Berufsbildung sind hier zu finden.
Quellen:
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) (2007). Validierung von Bildungsleistungen: Der Erfahrung einen Wert verleihen. Nationaler Leitfaden. Bern.
Schläfli, A. (2008). Du kannst was! Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in der Schweiz, In Education Permanente, Heft 1, S. 36-38.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veröffentlichungen
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