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Blog-Archiv für die Kategorie ‘Anerkennung’

Kompetenzbilanzierung in der Schweiz

von Matthias Rohs - 11. February 2010

Das Thema Kompetenzbilanzierung gewinnt der in der berufspädagogischen Diskussion zunehmend an Bedeutung. Auch wenn es schon viele Jahre in der Diskussion ist, scheint es mir, dass aktuell mehr zu diesem Thema publiziert wird (u.a. Severing & Münk 2009, Strauch 2008, BWP 1/2010). Die Bilanzierung informell erworbener Kompetenzen spielt dabei (natürlich) auch eine wichtige Rolle. Gestern bin ich in diesem Zusammenhang auf eine interessante Website dazu gestossen, die das Verfahren in der Schweiz (Kanton Zürich) aufzeigt.

Zum Vorgehen:
Bei der Kompetenzenbilanzierung handelt es sich um ein systematisches Verfahren zur Erfassung Ihrer Erfahrungen und Lernleistungen.

Schritt 1 – Biografie
Sie stellen Ihre Erfahrungen zusammen: «Was habe ich bis heute alles gemacht? Was hat mich geprägt?»

Schritt 2 – Analyse der Erfahrungen
Sie analysieren Ihre Erfahrungen: «Was habe ich gelernt?»

Schritt 3 – Aktuelle Kompetenzen
Sie ordnen Ihre aktuellen Kompetenzen. Zudem holen Sie Meinungen anderer Personen ein: «Wie sehen mich Bekannte, Arbeitskolleginnen, Freunde?»

Schritt 4 – Selbstbeurteilung
Sie beurteilen die formulierten Kompetenzen und vertreten Ihre Bewertung glaubwürdig: «Wie gut kann ich das, was ich tue? Wie begründe ich glaubhaft meine Beurteilung?»

Zwischenhalt – Kernkompetenzen
Sie wählen Ihre wichtigsten Kompetenzen aus: «Wo liegen meine ausgeprägten Stärken? Was zählt für mich besonders?»

Schritt 5 – Aktionsplan
Sie planen Ihr weiteres Vorgehen: «Welche Ziele setze ich mir? Wie erreiche ich sie?»

Schritt 6 – Reflexion
Im Rückblick machen Sie sich Gedanken zu den bisherigen Schritten: «Was habe ich über mich erfahren? Wie ist es mir dabei ergangen, und was ist mein Fazit?»

Die Bilanzierung wird abgeschlossen durch ein persönliches gespräch mit einer Fachperson aus der Berufs­, Studien­ und Laufbahnberatung. Sie erhalten Rückmel­dungen zum Erarbeiteten, können Fragen klären und planen Ihre weiteren Schritte.

(siehe Flyer Kompetenzbilanz)

Darüber hinaus gibt es auch ein Validierungsverfahren zur Anerkennung anerkannter Berufsabschlüsse: Fachfrau/Fachmann Betreuung, Fachangestellte/r Gesundheit und aktuell auch für Informatiker. Als Voraussetzung werden einige Jahren Berufserfahrung” sowie Deutschkenntnisse angegeben. Da die Dokumentation über eine Internetapplikation erfolgt, sind zudem entsprechende Kenntnisse im Umgang damit erforderlich. Das Validierungsverfahren dauert ca. ein bis drei Jahre, je nach Voraussetzung. Die Kosten hängen von der in Anspruch genommenen Unterstützung ab und werden mit ca. 400-4000 Euro angegeben.

Zum Ablauf:

1. Information und Beratung
Der obligatorische Informationsanlass ist die Grundlage für alle weiteren Phasen des Verfahrens. Nach dieser halbtägigen Veranstaltung kennen Sie das Validierungsverfahren und können die
nächsten Schritte planen.

2.Bilanzierung
In einem persönlichen Dossier dokumentieren Sie vorhandenes Wissen und Können – selbstständig oder mit unterstützung in Seminaren und coachings. Sie belegen, welche Kompetenzen des anvisierten Berufes Sie bereits besitzen.

3. Beurteilung
Fachexpertinnen und ­-experten prüfen Ihr Dossier und vergleichen es mit dem Kompetenzprofil des angestrebten Berufsabschlusses.

4. Anrechnung
Sie erhalten von der zuständigen Behörde eine Bestätigung, welche der Kompetenzen als gleich­wertig anerkannt und welche Teile Ihrer Berufserfahrung angerechnet werden. Diese Bestätigung zeigt auch auf, welche Kompetenzen fehlen und in der ergänzenden Bildung nachgeholt werden müssen bzw. wie viel Berufserfahrung Sie für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis noch benötigen.

Ergänzende Bildung
Sind in der Beurteilung Lücken erkennbar gewesen, können Sie diese in der ergänzenden Bildung schliessen. Ausgesuchte Berufsfachschulen bieten die passenden berufskundlichen
und allgemeinbildenden Kursmodule an.

5. Zertifizierung

Haben Sie die Module der ergänzenden Bildung absolviert und die noch fehlende Berufser­fahrung nachgeholt, reichen Sie die entsprechenden Bestätigungen zur Anerkennung ein. Erfüllen Sie nun alle Anforderungen des Berufsabschlusses, erhalten Sie das eidgenössische Fähigkeitszeugnis.

(siehe Flyer Validierungsverfahren)

Für die professionelle Begleitung des Anerkennungsverfahrens werden Personen eingesetzt, die über ein klar definiertes Kompetenzprofil verfügen, sowie an Schulungen teilnehmen müssen, die von verschiedenen Bildungsanbietern angeboten werden (z.B. Akademie für Erwachsenenbildung Schweiz)

Also ich muss schon sagen, dass ich auf den ersten Blick sehr begeistert bin. Weitere Informationen gibt es auf der eingangs erwähnten Website.

Quellen
Severing, e. & Münk, H. D. (2009). Theorie und Praxis der Kompetenzfeststellung im Betrieb – Status quo und Entwicklungsbedarf. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.
Strauch, A. (2008). Kompetenzbilanzierung im Betriebskontext: Eine Fallstudie. Hohengehren: Schneider Verlag

Veröffentlicht unter Anerkennung

European Guidelines for Validating Non-Formal and Informal Learning

von Matthias Rohs - 11. December 2009

Das CEDEFOP (The European Centre for the Development of Vocational Training (Cedefop) is the European Union’s reference centre for vocational education and training) hat Europäische Richtlinien zur Bewertung non-formallen und informellen Lernens veröffentlicht. Die Publikation beleuchtet die Bedeutung der Thematik europäischer, nationaler, organisationaler und individueller Ebene und versucht sowohl die aktuelle Diskussion zu konsolidieren, als auch Empfehlungen für die Umsetzung zu geben (u.a. Checklisten). Folgende Übersicht fand ich dazu noch sehr interessant.

CEDEFOP 2009, S. 19

Quelle
CEDEFOP (2009). European Guidelines for Validating Non-Formal and Informal Learning. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities. Online http://www.cedefop.europa.eu/etv/Upload/Information_resources/Bookshop/553/4054_en.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Bildungspolitik

Validation of Non-Formal and Informal Learning in Universities in France

von Matthias Rohs - 4. November 2009

Erst vor kurzem bin ich hier auf einen Artikel von Patrick Werquin zum Stand der Anerkennung informellen Lernen (in den OECD-Ländern) eingegangen. Nun gibt es eine schöne Ergänzung oder besser gesagt Spezialisierung dieses guten Artikels für die Anerkennung informellen bzw. non-formalen Lernens an Universitäten in Frankreich von Michel Feutrie, den ich kurz zusammenfassen möchte.

Zunächst beginnt Feutrie mit einer Begründung für die Notwendigkeit der Anerkennung informellen Lernens an Universitäten. Dabei bezieht er sich auf die zunehmende Bedeutung lebenslangen Lernens und dessen politische Verankerung in der europäischen Bildungspolitik und merkt an:

“The introduction of flexible learning offering opportunities to people engaged in professional life to come back to a university several times during their working life becomes necessitiy. As our activities at work or in socal life give us more and more opportunities to learn ‘return’ to an university programme requires now recognition and validation of what ’students’ learnt outside in non-formal and informal contexts.” (S. 187)

Weiter führt er aus:

“A survey (…) announces that in 58% of universities in Europe recognition of prior learning is available for entry to a course and in 52% for the award of a part of a diploma” (S. 187)

Nach der allgemeinen Einführung in das Thema widmet sich der Artikel der Beschreibung des Anerkennungssystems informellen Lernens in Frankreich. Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung ab 1985 wird der gesetzliche Rahmen abgesteckt, bevor das Vorgehen an sich beschrieben wird. Dabei macht Feutrie darauf aufmerksam, dass 15′000 Qualifikationen (festgehalten im Répertoire National des Certifications Professionelles) über informelles und non-formelles Lernen erreicht werden können (Ausnahme bilden der Gesundheits-, Verteidigungs- und Sicherheitsbereich). Im Zentrum des Anerkennungsprozesses steht eine Jury (zu einem Viertel bestehend aus Vertretern der Sozialpartner), die die Ergebnisse eine Dokumentation bzw. eines Assessments begutachten und entscheiden, ob der Kandidat den Abschluss erhält, bzw. welche weiteren “Module” er noch lernen muss.

2006 erhielten die Universitäten 3705 Dossiers zur Begutachtung von denen 94% durch eine Jury geprüft wurden. Die Hälfte der Kandidaten erhielt anschliessend den Qualifikationsnachweis. Aufgrund der Tatsache, dass sich 84 von 86 Universitäten an diesem Prozess beteiligen, kann das System als etabliert betrachtet werden. Die Hälfte der Anerkennungsverfahren werden allerdings von nur 15 Universitäten durchgeführt. Und noch weitere Zahlen führt Feutrie auf: 44% erreichen einen Abschluss auf Bachelor-Ebene, 40% auf Master-Ebene, 55% der Kandidaten sind männlich und zwei Drittel zwischen 30 und 45 Jahre alt.

Ein grundlegendes Problem der Anerkennung von Kompetenzen auf der Ebene von Universitätsabschlüssen – auf das Feutrie am Ende seines Beitrags aufmerksam macht – liegt in der Vergleichbarkeit.

“In France, university programmes are mainly described in terms of contents and are discipline based. This description is not unseful for validation. Validation starts from what is demonstrated in concrete activities. What is demonstrated is always a combination of knowledge, methodologies and skills mobilised to solve a concrete (repetitive, new crucial) problem. The work to do is to try to establish a connection, a link between competences verified as effective in a specific context, for a type of action and capacities which are expected from those who are awarded by classical ways.” (S. 195).

Ähnliche Probleme sind auch im Rahmen des IT-Weiterbildungssystems in Deutschland identifiziert und bearbeitet worden (Mucke & Grunwald 2002). Folgend wurde sich vor allem im Ankom-Projekt mit dieser Thematik auseinandergesetzt, in dessen Rahmen auch einige Publikationen erschienen sind (siehe Website).

Feutrie unterscheidet fünf Stufen des Status der Anerkennung informell und non-formal erworbener Kompetenzen, wobei Deutschland in der Gruppe derer ist, “where arrangements are emerging” (zur Erinnerung, Werquin ordnete Deutschland den Ländern mit “fragment practices” zu). Frankreich hingegen ist in der vierten Gruppe, “where arrangements are already there and demonstrating concrete practice.” (S. 189).

Soweit ich mitbekomme, ist dieses Thema auch in der Schweiz nicht gänzlich unbeachtet, auch wenn sich z.B. hier an der Universität Zürich noch niemand konkret damit beschäftigt. Falls jemand mehr weiss, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.

Quellen
Feutrie, Michel (2009). Validation of Non-Formal and Informal Learning in Universities in France, In Michaela Knust & Anke HAnft (Hrsg.), Weiterbildung im Elfenbeinturm!? (S. 187-197). Münster: Waxmann.
Mucke, Kerstin; Grunwald, Stefan (2002): Leistungs­punktsystem in der beruflichen Weiterbil­dung – Bereich IT. In: BMBF (Hrsg.) (2002): IT-Weiterbildung mit System. Neue Perspektiven für Fachkräfte und Unternehmen. Dokumen­tation. Bonn
Werquin, Patrick (2009). Recognition on Non-formal and Informal Learning in OECD Countries: an Overview of Some Key Issues. In report: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung. 32 (3). S. 11-23

Veröffentlicht unter Anerkennung, Hochschule

report 3/2009: Messverfahren und Benchmarks in der Weiterbildung

von Matthias Rohs - 12. October 2009

Nein, ich bekomme (noch) kein Geld dafür, dass ich auf die Zeitschrift report hinweise. Nachdem ich hier schon auf die letzte Ausgabe eingegangen bin, komme ich nicht umhin auch auf die aktuelle Ausgabe einzugehen, die sich mit Messverfahreung und Benchmarks in der Weiterbildung beschäftigt. In dieser Ausgabe gibt es zwei sehr interessante Artikel von Werquin und Severing, die sich kritisch mit dem Stand der Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen auseinandersetzen.

Zunächst der Artikel von Patrick Werquin, der einen Überblick über den Stand der Anerkennung informell erworbender Kompetenzen in den OECD-Ländern gibt. Der Artikel basiert auf den Ergebnissen eines (noch) unveröffentlichten Reports der OECD (2009). Aber auch darüber hinaus sind viele interessante Gedanken enthalten, die ich schlaglichtartig vorstellen möchte:

“The development of lifelong learning policies and practices in many countries has revealed that skills, knowledge and/or competences are also acquired outside formal educational contexts. It is often called experience. For formal education and training systems this observation deeply challenge their qualification monopoly and therefore may engender some resistance.” (S. 13)

Auch Severing geht in seinem Artikel auf die noch (viel zu) wenig thematisierten Motivationen und auch Konflikte ein, die sich aus einer Zertifizierung informell erworbender Kompetenzen bzw. Strukturen ergeben. Diese anzusprechen war auch Ziel der Ausgabe der (noch aktuellen) Online-Zeitschrift Bildungsforschung zu Motiven informellen Lernens. Dieses Thema scheint aber nicht wirklich auf der Agenda zu stehen, ist aber auch meiner Meinung nach zentral für die Etablierung entsprechender Angebote und Infrastrukturen zur Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen. In engem Zusammenhang damit stehen ökonomische Fragen. Nicht nur in Form von Konkurrenz für das bestehende Geschäft von Bildungsdienstleister, denn die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen kann auch die Kosten für die Qualifikation reduzieren – dadurch, dass nur noch geprüft wird bzw. der Anteil an Präsenzzeiten reduziert wird. “But the potential benefits go way beyond the economic argument” (S. 15). Allgemein bekommt so auch die Prüfung ein deutlich stärkeres Gewicht als der Lernprozess. Dies ist auch in der aktuellen Forschung, deutlicher aber noch in der politischen Diskussion zu beobachten.
Umhin kommt Werquin auch nicht, das unterschiedliche Verständnis informellen Lernens anzusprechen und den Wunsch der OECD, zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen. Damit wird auch noch mal deutlich, das der Ansatz aus dem Memorandum für Lebenslanges Lernen (EU-Komission 2000) sich nicht durchgesetzt hat. Der Vorschlag der OECD hält jedoch an der Dreiteilung fest und schlägt vor:

“the definition of non-formal learning, wich is historically situated somewhere between the other two, could vary to allow countries and regions to reflext their specific requirements.”

Obwohl die Einsicht eine Variabiliät des Begriffs zuzulassen sicherlich richtig ist, kann ich die Unterscheidnung nach Ländern oder Regionen (gemeint ist sicherlich auch die Kultur) nicht nachvollziehen. Meines Erachtens braucht es vielmehr eine kontextabhängige Variabilität, die mehr die auf die Lernsituation fokussiert (z.B. Berufsbildung, Medienbildung der Freizeitbildung). Diese können auch kulturelle Unterschiede mit berücksichtigen.

Angesichts der Bedeutung, die dem informellen Lernen und insbesondere der Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen allgemein zugeschrieben wird, erstaut es doch, dass der Entwicklungstatus in Deutschland noch relativ gering ist. Die Rangliste von Werquin wie folgt aus:

“Several countries have a quasi-system (Ireland, the Netherlands, Denmark, Norway for example); others have a consistent set of practices (Australia, Canada, South Africa, UK, Belgium (Flanders); while others still have fragment practices (Germany, Spain, Italy, Korea, Mexico, Iceland, Switzerland). Lastly, some are in the initial (Austria, Chile, Slovenia) or very initial (Hungary, Greece, Czech Republic) phase.”

Diese Einschätzung ist auch eine gute Überleitung zum Artikel von Eckart Severing, der gleich zu Beginn seines Beitrags konstaniert, dass das deutsche Zertifikats- und Anerkennungswesen dem Wandel der Arbeitswelt und des beruflichen Lernens wenig Rechnung trägt, eine weitgehende Zertifizierung des informellen Lernens im Sinne des Erwerbs von Berechtigungen im Bildungs- und Beschäftigungssystem nicht vorgesehen ist und die wenigen Möglichkeiten dazu kaum wahrgenommen werden. Eine traurige Bilanz. Doch Severing schlägt auch einen Ausweg vor, den er in einer stärkeren Verbindung der Strukturen formellen Lernens und der Anerkennung informeller Kommpetenzen sieht. Dies wäre die Antwort auf die bestehenden Probleme mit der aktuellen Praxis.

“Der Vorsatz, informell erworbene Kompetenzen mit Zertifikaten der formalen Bildung zu validieren, führt zwei Welten des Lernens zusammen, die sich in grundsätzlicher Weise unterscheiden (…) Bildungsgänge können auf den Erwerb von Prüfungswissen hin optimiert sein; das beruflich informelle Lernen ist es nicht.” (S. 38). “Zudem würden besondere Verfahren für die Zertifizierung informellen Lernens voraussichtlich minder wertvoll im Vergleich zu denen der formalisierten Bildung gelten.” (S.39)

Konkret schlägt er vor,

“Zugänge zu bestehenden Zertifizierungssystemen des formalen Lernens für Externe zu öffnen und die Gestaltung von Prüfungen und Nachweisen für sie so zu adaptieren, das sie für Berufspraktiker zu bewältigen sind.” (S. 39). (…) Die Zertifizierung informellen Lernen muss insofern eine neue zusätzliche Aufgabe der Bildungsinsitutionen werden.” (S.41).

Und noch zwei weitere Hinweise auf Verbesserungsbedarf finden sich in dem Aufsatz von Severin, denen ich gerne zustimme: Zum einen weist er darauf hin, dass die Chancen von EQR/DQR zur Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen nur dann genutzt werden können, wenn auch national “der Bedarf an einer besseren Dokumentation und einer verbindlicheren Zertifizierung informellen Lernens deutlich gemacht werden kann.” (S.42). Zum anderen weist er (zwischen den Zeilen) auf die Problematik hin, dass die deutschen Ansätze zur Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen nicht miteinander verzahnt sind und unterschiedlichen rechtlichen Regelungen und Zuständigkeiten unterliegen.

Fazit: Es gibt also noch viel zu tun, um die Anerkennung und Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen (in Deutschland) auf den richtigen Weg zu bringen. Die beiden vorliegenden Artikel arbeiten die Herausforderungen deutlich heraus und geben Empfehlungen für notwendige Schritte.

Quellen

OECD (2009). Recognition of Non-formal and Informal Learning: Islands of Good Practice, OECD, Paris. (forthcoming)
Severing, Eckart (2009). Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen, In report: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung. 32 (3). S. 35-45
Werquin, Patrick (2009). Recognition on Non-formal and Informal Learning in OECD Countries: an Overview of Some Key Issues. In report: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung. 32 (3). S. 11-23

Veröffentlicht unter Anerkennung, Veröffentlichungen

Stand der Anerkennung informellen Lernens in Australien und Europa

von Matthias Rohs - 7. July 2008

Die Anerkennung informellen Lernens ist ein zentrales Thema der europäischen Bildungsdiskussion. An dieser Stelle bin ich schon auf eine Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eingegangen, in der der aktuelle Stand der Diskussion und Entwicklung in Deutschland wiedergegeben wird.

Nun möchte ich noch auf zwei weitere Dokumente hinweisen, die sich dieser Thematik gewidmet haben. Zum einen ein Bericht des European Center for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) die in ihrem 50-Seiten-Report “Validation of non-formal and informal learning in Europe” einen kurzen Überblick über den Status der Anerkennung in Europa geben. In ihrer Zusammenfassung kommen sie zu dem Schluß:

“Whatever stage countries have reached in developing and implementing validation, the overall picture presented by this report, and the 2007 version of the European inventory, is that countries increasingly take lifelong learning seriously. Hardly any country argues against the importance and necessity of valuing as broad a scope of learning outcomes as possible.
In most cases, validation is linked to opening up national qualifications systems and frameworks to learning outside the formal education and training institutions. In this sense validation is seen as a bridge between different forms of learning outcomes and setting, a tool to strengthen the permeability of qualifications systems and coherent individual learning pathways. What differs between the various countries is their practical response to these challenges and the speed at which they are carrying out reforms. It is worth noting that very few – if any –countries explicitly argue against the relevance of validation of non-formal and informal learning.

A successful lifelong learning strategy implies that individuals have increased access to learning, be able to transfer and combine the outcomes of learning and to progress vertically as well as horizontally within systems. It is for these (individual) purposes validation of non-formal and informal learning is important.”

Der in der Zusammenfassung angesprochene “European inventory on validation of  informal an non-formal learning” bietet einen vertiefenden Blick zum Stand der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in eine Vielzahl europäischer Länder an.

Auch auf der anderen Seite der Erde beschäftigt man sich mit der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Dies ist nicht erstaunlich, sind doch das informelle Lernen und das Lernen im Arbeitsprozess Themen die durch die Diskussion in Australien immer wieder gewinnbringend angestossen, jedoch in Europa noch viel zu wenig rezipiert werden.

Im Report “The recognition of non-formal and informal learning in Australia“  bietet nicht nur einen Einblick in die Anerkennung informellen Lernens, sondern einleitend auch in das australische Bildungssystem.

“The specific purposes of the report are to:

  1. synthesise Australian research and analyse current policies and practices relating to the recognition of non-formal and informal learning;
  2. examine the impact of contextual factors on recognition systems;
  3. identify and describe existing institutional and technical arrangements for the recognition of non-formal and informal learning in Australia;
  4. collect evidence of the benefits, barriers, strengths and weaknesses with the current systems and data relating to recognition; and
  5. identify innovative and successful policy initiatives and practices.” (S. 1)

In der Zusammenfassung heißt es u. a.:

“Some of the current challenges in Australia are the need for more effective recording and data
storage and retrieval systems, greater acknowledgement of the costs associated with RPL (recogniton of prior learning), and for more rigorous and focused research to guide policy development and cost-effective implementation.”
(S. 2)

Quellen:

Center for the Development of Vocational Training (CEDEFOP) (2008). Validation of non-formal and informal learning in Europe. Luxembourg. Im Internet: http://www.elearningeuropa.info/out/?doc_id=15141&rsr_id=16060

Misko, J., Beddie, F. & Smith, L. (2007). The recognition on non-formal and informal learning in Australia. Australian Government Department of Education. Im Internet: http://www.voced.edu.au/docs/dest/TD_TNC_91_301.pdf

Otero, M. S., Hawley, J. & Nevala, A.-M. (2008): European Inventory on Validation of Informal and Non-formal Learning: A final report. Im Internet: http://www.ecotec.com/europeaninventory/publications/inventory/EuropeanInventory.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Veröffentlichungen

Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens in Deutschland

von Matthias Rohs - 5. June 2008

Die Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen ist ein Thema, dass durch die europäische Bildungspolitik immer wieder forciert und breit diskutiert wird. So hat dieses Thema auch lange Zeit die gesamte Diskussion zum informellen Lernen dominiert. Erst jetzt kommen zunehmend wieder Publikationen heraus, die sich auch mit den informellen Lernprozessen beschäftigen. Eine richtige Entwicklung, wie ich finde.

Aber was ist nun Ergebnis der Bemühungen zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. In einer neuen Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird der Stand zur Anerkennung non-formal und informell erworbenen Lernens in Deutschland zusammengefasst.

“Der Länderbericht für die Bundesrepublik Deutsch­land ist Teil einer OECD-Aktivität zur Anerken­nung non-formalen und informellen Lernens, das als ein zentraler Ansatz gesehen wird, Lebens­langes Lernen für alle zu einer gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Ziel des OECD-Vorha­bens ist es, Transparenz herzustellen, die Bedin­gungen zu klären, unter denen die Anerkennung non-formalen und informellen Lernens für alle einen Mehrwert erzielt, und politischen Funk­tionsträgern Hinweise für die Entwicklung von Systemen zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens zu liefern. Entsprechend zielt das Vorhaben sowohl auf eine Bestandsauf­nahme als auch auf Informationen dazu, welche gesellschaftlichen Gruppen von der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens profitie­ren und welche davon ausgegrenzt sind, welche der bestehenden Systeme funktionieren und welche nicht, und letztlich auf die Ermittlung von wirkungsvollen, nützlichen und gerechten Modellen.“

Die Broschüre bietet auch für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, einen grundlegenden Ein- und Überblick über die Thematik. Auf der methodischer Seite fehlte mir jedoch gelegentlich die Tiefe.

Quellen:

BMBF (2008) (Hrsg.). Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens in Deutschland. Im Internet: http://www.bmbf.de/pub/non-formales_u_informelles_lernen_ind_deutschland.pdf

BMBF (2008) (Ed.). Status of Recognition of non-formal and informal learning in Germany. Online: http://www.bmbf.de/pub/non-formal_and_informal_learning_in_germany.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Berufssbildung, Veröffentlichungen

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