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Blog-Archiv für die Kategorie ‘Kindheit’

Informelles Lernen durch Comics

von Matthias Rohs - 6. March 2009

In der aktuellen Ausgabe 6 des Magazin erwachsenenbildung.at beschäftigen sich zwei Artikel mit dem informellen Lernen. Zum einen schreibt Olaf Dörner “Zum Verhältnis formeller und informeller Bildung Erwachsener in der Comiczeitschrift Mosaik” und zum anderen Eva Schmidhuber über “Freie Radios als informelle Bildungseinrichtungen”. Beide Artikel sind sehr unterschiedlich, da sich Dörner eher aus theoretischer Perspektive dem informellen Lernen nähert und Schmidhuber aus der Praxis.

Während der Begiff “Mosaik” im allgemeinen wohl eher mit “Wand- und Deckenpuzzle” assoziiert wird, war es für die Kinder und Jugend der DDR DAS! Comic (neben Atze, Frösi, Trommel und ABC-Zeitung).

Anhand einer Geschichte aus dem Mosaik stellt Dörner dar, wie durch die Charaktere formelles und informelles Lernen gegeübergestellt werden. Er nutzt dabei das Verfahren der dokumentarischen Methode (Bohnsack). Dabei geht es zunächst “um die Rekonstruktion dessen was offensichtlich ist, und dann um die Rekonstruktion des Nicht-Offensichtlichen, dass sich in den Handlungen und Äusserungen dokumentiert” (S. 04-4). Dazu beschreibt Dörner zunächst die Geschichte und geht dann in eine Interpretation der Bilder über. So analysiert er beispielsweise die Darstellung der Figuren in den Bildern zueinander. Dies ist methodisch sehr überzeugend, dennoch wirkt es an manchen Stellen überzogen. So kommt Dörner zu dem Schluss:

“Insgesamt wird planimetrisch die Genese vom Disput zum Konflikt, vom Lehrer-Schüler-Verhältnis in eine Experten-Konstellation sowie die Unvereinbarkeit zweiter Bildungswelten durch das Zusammenspiel Rundlichkeit und Eckigkeit sowie von Dynamik und Statik beschleunigt und dramatisiert.” (S. 04-10).

Das erinnert ein wenig an  Kunstunterricht und die nie bestätigte Vermutung, dass die Künstler wohl selbst ein wenig überrascht wären dies zu hören. Aber darum geht es ja vielleicht auch.

Die  (verborgene) Botschaft der Geschichte ist ein Konflikt zwischen formalem und informellem Lernen, darstellt durch zwei Charaktere. “Deutlich wird zum einen die formale Bildungswelt, die angreifbar ist und trotz insitutionell-legitimierten Wissen kein Wissensmonopol hat. Zum anderen erweist sich die in der Figut Babrax verkörperte informelle Bildungswelt als entmystifizierendes und monoplobrechendes Element.” (S. 04-6).

Medien informeller Bildung (wie Comics) machen in diesem Sinne für sich selbst Werbung.

Der Artikel vom Schmidhuber beschreibt, wie die Freien Radios in Österreicht informelles Lernen fördern. Dabei  geht sie in erster Linie auf die formalen Bildungsangebote ein. Zwar werden die Potentiale informellen Lernes deutlich, jedoch wenig reflektiert.

Quellen

Ralf Bohnsack  (2007): Die dokumentarische Methode in der Bild- und Fotointerpretation In: Bohnsack, R./Nentwig-Gesemann, I./Nohl, A.-M. (Hrsg.): Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis. Barbara Budrich, S. 67-89.

Olaf Dörner (2009): Bildungswelten im Comic. Zum Verhältnis formeller und informeller Bildung Erwachsener in der Comiczeitschrift “Mosaik”. In: MAGAZIN erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs, Ausgabe 6, 2009. Online im Internet: http://www.erwachsenenbildung.at/magazin/09-6/meb09-6.pdf. ISSN 1993-6818. Erscheinungsort: Wien. Veröffentlicht Februar 2009.

Eva Schmidhuber (2009): Freie Radios als informelle Bildungseinrichtungen. Das Projekt “Radiodialoge – Stimmen der Vielfalt”. In: MAGAZIN erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs, Ausgabe 6, 2009. Online im Internet: http://www.erwachsenenbildung.at/magazin/09-6/meb09-6.pdf. ISSN 1993-6818. Erscheinungsort: Wien. Veröffentlicht Februar 2009.

Veröffentlicht unter Jugendalter, Kindheit, Veröffentlichungen

Spielend lernen?

von Matthias Rohs - 13. February 2009

 Infornelles Lernen beim Spielen. Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr Aspekte fallen mir dazu ein. Dabei wollte ich eigentlich nur auf einen Artikel in der Zeitschrift Computer & Unterricht aufmerksam machen, der sich mit Computerspiele befasst. Aber der Reihe nach.

Als ich mit Mitte der 90er Jahre intensiver mit der Rolle von Medien in der Bildung auseinandergesetzt habe, waren Computerspiele vor allem potenziell gefährlich. Sowohl für die Spielenden selbst, als auch für die Umwelt – wurden Computerspiele doch immer in Verbindung mit realen Gewalttaten und Suchtverhalten gebracht.  Als Gegenargumentation zum negativen Einfluss entwickelte sich das Edutainment, als gefällige “pädagogisierte” Mischung zwischen Spass und (erzieherischer) Pflichterfüllung. Angesichts der elterlichen Unsicherheit im Umgang mit dem noch neuen Medium war es der sichere Weg, sich bei Thomas Feibel über angebrachte Unterhaltung zu informieren.

Schau ich mir nun die Ausgabe 72 der Zeitschrift Computer + Unterricht zum Thema Jugend und Medien an (Inhaltsverzeichnis), so stelle ich erstmal fest, dass sich die Diskussion immer noch um die gleichen Themen rankt: “Wirkung gewalttätiger Bildschirmspiele”, “Droge Computerspiel?” und “Spielend lernen?”. Das soll nun nicht heissen dass sich in den letzten Jahren nichts getan hat. Eine wesentliche Veränderung ist meines Erachtens der Ansatz, Spiele nicht (nur) zu pädagogisieren, sondern ihren informellen Lerngehalt zu thematisieren.  Dies ist mir in den letzten Jahren zunehmend aufgefallen, vor allem durch amerikanische Publikationen – wie zuletzt auch hier angesprochen.

Ähnlich wie im Artikel von Greenfield (2008) wird  von Arne Busse  in oben erwähnter Zeitschrift  auch darauf hingewiesen, dass Computerspiele zur “(veränderten) Medienökologie des 21. Jahrhunderts” gehören und daher nicht als Konkurrenz betrachtet werden sollten, sondern als Potential. Diese Sichtweise verlässt der Autor dann aber schnell wieder und argumentiert mit Charakteristika guter (=lernförderlicher) Computerspiele und weist auch auf das Verdrängungsverhältnis informeller und formellen Lernprozesse hin.

So richtig eine Diskussion der “Chancen und Grenzen” informellen Lernens mit Computerspielen ist, so wichtig ist es das Drumherum nicht aus den Augen zu verlieren, d. h. in welchem (sozialen) Kontext steht die (individuelle/gemeinschaftliche) Nutzung von Computerspielen. Wer spielt mit wem und warum? Dabei muss sich die Frage der kompensatorischen Funktion von Computerspielen gestellt werden, ohne ins bewahrpädagogische Zeitalter zurückzufallen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch mal auf das Themenheft der Zeitschrift Medienpädagogik zum Thema “Computerspiele und Videogames informellen und informellen Bildungskontexten” hinweisen. Der Status ist seit einiger Zeit “in Arbeit” …. vielleicht sitzen die Autoren und Herausgeber ja noch am Computer und spielen ein wenig ;)

Wie anfangs erwähnt ist das Themenspektrum informelles Lernen und Spielen sehr breit und mit dem Spielen am Computer längst nicht erschöpft. Dies ist die Gelegenheit auch mal auf Wolfgang Helmeth und die Denzlinger Cleverle hinzuweisen, die mich nun schon einige Zeit begleiten. Hier bauen sich Kinder ihr Spielzeug selbst und  lernen dabei auch noch eine Menge.

Veröffentlicht unter Jugendalter, Kindheit, Veröffentlichungen

Educational Toys And Games For Early Learning

von Matthias Rohs - 15. February 2008

Es ist immer wieder erstaunlich, in welchen Bereichen überall das informelle Lernen thematisiert wird: So auch beim Spielen. Was bei Lernspielzeug von Maria Montessori angefangen hat, endetet dann irgendwann bei Physikus und seinen Nachfolgern. Mittlerweile bekommen die Kinder Dr. Kawashimas Gehirnjogging zu Weihnachten und es stellt sich die Frage, was das alles noch mit Spielen zu tun hat – das ja eigentlich nur Spaß machen sollte.

Ganz so negativ, wie es sich jetzt vielleicht anhört, ist es dann aber doch nicht und gegen den Gedanken, Lernen durch Spiele attraktiv(er) zu machen, ist auch nichts einzuwenden.

Allen Barker hat in seinem Blog das Thema “Lernspiele für Kinder” aufgegriffen und schreibt:

“Both the reasoning power and emotional abilities of children can be developed during plays, using the right games and toys.”

Wie findet man denn aber nun die richtigen Spielsachen? Dazu schreibt Barker:

“the individual personality of children should be considered, before deciding on the appropriate educational toys and games for learning or simply, playing purposes.”

Hier wird es dann spannend, doch leider wird nicht näher auf die Hintergründe eingegangen. Dafür wird dann aber noch das Spielverhalten Erwachsener thematisiert und da wären wir fast wieder bei Dr. Kawashima, der wohl oft als Vorwand genommen wird, sich auch jenseits der Pubertät noch einen Nintendo DS zuzulegen … um dann doch das ein oder andere Adventure zu spielen ;-) .

Aber nun doch noch ein wenig ernster: Wenn Lernen nicht der einzige Zweck des Spielens ist, sondern sich informell dabei ergibt, steckt dahinter ein großes Potential. Ziel ist es dabei, wie schon bei Maria Montessori, mit Spielen eine (lern)anregende Umgebung zu schaffen. Und das ist ja auch einer der grundlegenden Ansätze zur allgemeinen Förderung informellen Lernens.

Veröffentlicht unter Kindheit

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