Als ich gestern durch die Gassen der Züricher Altstadt geschlendert bin, stöberte ich etwas in einer Kiste, die vor einem Antiquariat stand. Dabei fiel mir ein Heft zur “Validierung von Bildungsleistungen im Bereich Allgemeinbildung” in die Hand, die erste Ausgabe der Schriftenreihe des Eidgenössischen Hochschulistituts für Berufsbildung (EHB). Als Autor hört man nur sehr ungern davon, dass die mühsam erarbeiteten Seiten auf dem Grabbeltisch landen. In diesem Fall ist es jedoch wohl eine glückliche Fügung, da ich sonst kaum auf diese Literatur gestossen wäre.
Auf den gut 70 Seiten des Hefts wird eine “Panoramasicht über bestehende Verfahren und Projekte im Bereich der Validierung von Bildungsleistungen zur Allgemeinbildung unter Berücksichtigung der Aspekte Verfahren, Evaluation und Nachholbildung” in der Schweiz geboten. Die vorgestellten Projekte bewegen sich – wie beim EHB nicht anders zu erwarten – im Bereich der beruflichen Bildung und weisen einen sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand auf.
Die einzelnen Validierungsverfahren werden tabellarisch vorgestellt. Der Fokus liegt vor allem auf einer allgemeinen Einschätzung. Dabei werden verschiedene Probleme deutlich. So ist nicht geklärt, was eigentlich unter “Allgemeinbildung” zu verstehen ist. Die Verfahren weisen zudem eine inhaltliche Orientierung zur Ausbildung auf, womit sich die Autoren die Frage stellen, ob diese Kriterien für Anerkennungsverfahren im Bereich der Erwachsenenbildung überhaupt sinnvoll sind – Ist Allgemeinbildung von Jugendlichen und Erwachsenen gleich zu bewerten? Zudem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Anerkennung von Kompetenzen noch nicht ausreichend geklärt, was weitere Probleme bei der Einführung solcher Verfahren birgt.
Da viele Verfahren zudem schriftlich/sprachlich gebunden sind und damit einzelne Zielgruppen benachteiligen, empfehlen die Autoren “die Art des Nachweises an die Besonderheiten der jeweiligen Zielgruppe” anzupassen (S. 65). Sie schlagen so unter anderem vor, auch die Präsentation “persönlicher Arbeiten in Form von Projekten wie Bürgerinitiativen (Mitwirkung in Verbänden, Sportvereinen usw.) oder ein abgeschlossener Hausbau” mit einzubeziehen, sofern sich dadurch die erforderliche Kompetenzen nachweisen lassen.
Der Beitrag des Hefts zur Diskussion um die Validierung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen liegt vor allem darin, dass konkrete Besipiele beschrieben werden und ein guter Überblick über den Status quo in diesem Bereich in der Schweiz gegeben wird.
Lévesque, V., Lohner, B., Stoffel, B., Voit, J. & Weber Grusian, S. (2007). Validierung von Bildungsleistungen im Bereich der Allgemeinbildung. EHB-Schriftenreihe Nr. 1. Zollikofen: Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung.
PS: Wer sich einen Gesamtüberblick über Verfahren zur Validierng von Bildungsleistungen in der Schweiz verschaffen möchte, kann sich die Broschüre “Validierung von Bildungsleistungen – Erfahrungen einen Wert verleihen – Nationaler Leitfaden” des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie hier herunterladen.