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Blog-Archiv für March 2008
von Matthias Rohs - 10. March 2008
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik (ZEP) widmet sich dem Thema “Informelles Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Dabei werden folgende Themenschwerpunkte aufgegriffen:
- Informelles Lernen in der beruflichen Bildung im Vergleich zwischen Europa und Afrika
- Die Entwicklung einer am Leitbild der Nachhaltigkeit ausgerichteten Lehr-, Lern- und Lebenskultur am Beispiel der Universität Lüneburg
- Informelles Lernen in kommunaler Partnerschaft zwischen Nord und Süd
- Lernpotentiale im Kontext des freiwilligen Engagements
- Interventionen in (Bildungs-)Systeme durch die Entwicklungszusammenarbeit
Die Beiträge beleuchten punktuell die Bedeutung informellen Lernens für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung und bereiten damit einen Sammelband zur Thematik vor, der noch in diesem Jahr von der Arbeitsgruppe “Informelles Lernen” der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung erscheinen soll.
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von Matthias Rohs - 9. March 2008
Heute habe ich einen Bericht zum informellen E-Learning gelesen (Sheperd), in dem erwähnt wurde, dass Wissensarbeiter 15-30% ihrer Arbeitszeit zur aktiven Informationssuche benutzen, aber nur 50% davon erfolgreich ist. Auch ein Anhaltspunkt für erfolgreiche oder weniger erfolgreiche informelle Lernanstrengungen. Bei der Studie handelt sich vermutlich um die IDC-Untersuchung “Quantifying Enterprise Search” (2002). In einer aktuellere Studie von IDC (2006), die ebenfalls auf die Zeitverwendung von Wissensarbeiter eingeht, wurde festgestellt:
“About 50% of workers’ time is dedicated to successfully searching for and analyzing information, while unsuccessful search activity takes up 9% of the time, which can cause a second distortion, namely re- writing existing material from scratch (8%).”
Diese Ergebnisse lassen allerdings kaum Rückschlüsse darauf zu, wie viel Suchanfragen erfolglos sind, sondern nur welche Zeit darauf verwendet wird. Aber ein interessanter Ansatz, der das informelle Lernen mal von einer anderen Seite beleuchtet – solange es nicht einseitig aus der Nützlichkeitsperspektive geschieht, wie im eingangs erwähnte Bericht.
Quellen:
IDC (2002). Quantifying Enterprise Search: How Much Are Knowledge Workers Searching, and What Are Their Technology Buying Intentions?
IDC (2006). Quality and value in the management of unstructured information: tools based on semantic analysis.
Sheperd, C. Creating the Spark – Der zündende Funke, der das informelle Lernen in Gang bringt. (zu beziehen unter http://www.skillsoft.de/Aktuell/Informelles_Lernen/regform.asp)
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von Matthias Rohs - 8. March 2008
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Education Permanente” gibt Andrè Schläfli einen Überblick über die Entwicklung und den Stand zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in der Schweiz. “Die bestehenden Ansätze”, so Schläfli, “setzen unterschiedliche Akzente, orientieren sich aber alle an einem 4-Ebenen-Modell, wobei die vier Ebenen zugleich vier Phasen eines Prozesses sind (vgl. Abb.). Da sich die frühen Modelle vor allem auf die Ebenen der Information und Bilanzierung konzentriert haben, hinkt die Entwicklung im Bereich der Anerkennung etwas hinterher. Erst mit der Einführung des neuen Berufsbildungsgesetzes 2004 war es auch möglich Komptenzen unabhängig vom Lernweg anzuerkennen.
Wichtigstes Instrument für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im Bereich der Berufsbildung ist der vom Bundesamt für Berufsbildung und Technology (BBT) entwickelte “Nationale Leitfaden” der von 2007-2009 in der Erprobundphase ist. Schläfli macht aber darauf aufmerksam, dass es in der Phase auch einige Probleme gibt:
- Der Fokus liegt in der Pilotphase auf der Grundausbildung, womit Fragen aus dem Bereich der Weiterbildung kaum beachtet werden.
- Übergänge zwischen Grundbildung und Weiterbildung werden nichtberücksichtigt.
- Es ist unklar, wie Organisationen, die bereits mit anderen Validierungsinstrumenten arbeiten, während der Pilotphase vorgehen sollen.

Weiter Informationen zur Validierung von informell erworbenen Kompetenzen in der Schweiz im Bereich der Berufsbildung sind hier zu finden.
Quellen:
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) (2007). Validierung von Bildungsleistungen: Der Erfahrung einen Wert verleihen. Nationaler Leitfaden. Bern.
Schläfli, A. (2008). Du kannst was! Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in der Schweiz, In Education Permanente, Heft 1, S. 36-38.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 8. March 2008
Joches Robes hat mich auf einen interessanten Vortrag von Georg Simens aufmerksam gemacht, in der die Utopie einer Welt ohne Kurse thematisiert wird – nicht als Überzeugung, vielmehr als ein Ansatz zu neuen Überlegungen.
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von Matthias Rohs - 7. March 2008
 Second Life wird zunehmend für das Lernen entdeckt – aber nicht nur organisiertes, sondern auch informelles E-Learning. L. V. Bleacher and S. A. Stockman gehen in ihrem Artikel “SECOND LIFE: A VENUE FOR INFORMAL EDUCATION AND PARTICIPATORY EXPLORATION” der Hypothese nach, dass besonders die junge Generation der 25 – 34jährigen über Second Life erreicht werden kann. Das Problem besteht darin, dass sich diese Gruppe nur sehr schwer für ihre Ziele der Weltraumerforschung und Missionen zu Mars und Mond begeistern können:
“68% describe themselves asvisual and positional frame of reference in relation to “Neutral” or “Not excited or interested” in human missions to the Moon and 80% are “Neutral” or “Not excited or interested” in human missions to Mars.”
In Second Life (SL) bieten sich viele Möglichkeiten genau diese Zielgruppe über Themen der NASA zu informieren.
“It provides opportunities for distance, social, collaborative, and self-paced learning, in both formal and informal contexts, with around the clock access to learning tools and resources. SL is an effective means by which to communicate with, engage, and educate the general public world-wide. Museums and exhibits within SL are especially conducive venues for informal education due to their ability to provide a gathering and meeting place for residents with common interests to socialize, collaborate, and learn together. SL provides NASA with an opportunity to engage the public, particularly the 18-35 year old demographic, in its education and exploration efforts.”
Quelle:
L. V. Bleacher & S. A. Stockman (2008). Second Life: A Venue for Informal Education and Participatory Exploration. Im Internet: www.lpi.usra.edu/meetings/lpsc2008/pdf/1167.pdf
Veröffentlicht unter E-Learning, Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 7. March 2008
Über den Flux-Blog bin ich auf die “Teaching Outside the Classroom” Initiative aufmerksam geworden. Die Initiative setzt dich dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler auch außerhalb der Schule Erfahrungen sammeln. Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer soll dazu auch in “non-school education sites” stattfinden. Hinter der Initiative steht unter anderem das Ministerium für Kinder, Schule und Familien. In ihrer Presseerklärung heißt es:
“The minister welcomed the launch of Teaching Outside the Classroom, a new national programme which will encourage providers of teacher training to offer their students placements in a diverse range of educational settings, including field studies centres, galleries, museums, sports centres and young offenders institutions. These placements will complement their existing teaching practices in schools, developing their knowledge and skills about how to work with partners to bring teaching outside the classroom and will complement the Learning Outside the Classroom Manifesto.”
Das hört sich schon wie eine kleine Revoluation in der Lehrerbildung an. Und wie es sich für eine richtige Revolution gehört, gibt es auch ein Manifest (Learning Outside the Classroom Manifesto). Die Kurzfassung lautet wie folgt:
Every young person should experience the world beyond the classroom as an essential part of learning and personal development, whatever their age, ability or circumstances.
These, often the most memorable learning experiences, help us to make sense of the world around us by making links between feelings and learning. They stay with us into adulthood and affect our behaviour, lifestyle and work. They influence our values and the decisions we make. They allow us to transfer learning experienced outside to the classroom and vice versa.
Learning outside the classroom is about raising achievement through an organised, powerful approach to learning in which direct experience is of prime importance. This is not only about what we learn but importantly how and where we learn.
These experiences can take place in the school grounds; local nature reserves and wild places; city farms and parks; streetscapes; field study centres; farms and the countryside; remote wild and adventurous places; heritage and cultural sites; zoos and botanic gardens; places of worship; museums, theatres, galleries and music venues; and on cultural, language and fieldwork visits abroad.
The Manifesto can involve everyone who sees the benefits to young people, such as Government, Head teachers, governors, teachers and support staff, parents, local authorities, community and voluntary organisations, curriculum subject bodies, businesses and all those agencies that provide external support to schools.
Therefore, if you also recognise the value of learning outside the classroom and support the Manifesto vision, endorse and champion the Manifesto by becoming a signatory. As the role of the Manifesto is to make a difference, you are encouraged to pledge your support by making public the actions you intend to take.
Fraglich bleibt, wie diese Initiative zu bewerten ist. Als x-te Reform oder als nachhaltige Veränderung eines Verständnisses von den Zielen schulischer Bildung? Da ich mich in dem Bereich wenig auskenne, würde ich mich sehr über Kommentare zur Situation im deutschsprachigen Raum freuen.
Veröffentlicht unter Berufssbildung, Initiativen, Schule
von Matthias Rohs - 7. March 2008
Wenn ich im Folgenden auf die Dissertation “Rahmungen informellen Lernens” von GABRIELE MOLZBERGER eingehe, so geschieht dies nicht ganz unvoreingenommen. Wir haben im gleichen Jahr am Lehrstuhl für Berufs- und Arbeitspädagogik der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg promoviert, und dies auch noch zum gleichen Themenbereich: Das informelle Lernen in der IT-Weiterbildung. Damit ist sowohl eine große Wertschätzung für die Autorin verbunden, als auch ein besonders kritischer Blick auf das Geschriebene.
Zentrales Anliegen der 262 Seiten umfassenden Dissertation ist es, “Merkmale, spezifische Kontexte, Bedingungsfaktoren und, zumindest in Ansätzen, Muster informellen Lernens auf einer empirischen Grundlage zu beschreiben. Es geht um das Verhältnis zwischen individuellem Lernhandeln und strukturierenden Bedingungen sowie deren wechselseitige Konstitution.” (S. 18). Mit anderen Worten: Es geht um eine sehr grundsätzliche Erforschung und theoretischen Fundierung informeller Lernprozesse und deren Rahmenbedingungen.
Im theoretischen Teil der Arbeit werden “pädagogische Perspektiven” auf das informelle Lernen als “neu entdeckte Weiterbildungswelt” vorgestellt. Dies geschieht sowohl aus dem Blickwinkel lebenslangen Lernens, als auch organisierter Weiterbildung. Dabei wird das “Erschütterungspotential” informellen Lernens in der Berufs- und Weiterbildungsforschung deutlich, dass auch als eine Gefahr für die Profilierung dieser noch jungen Disziplin gesehen werden kann (S. 51).
MOLZBERGER bringt mit ihrer analytischen Arbeit Struktur in die unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Theorieansätze zum informellen Lernen und schafft damit wichtige Orientierungspunkte für die aktuelle Diskussion. Sie kommt dabei zu einem erweiterten Verständnis informellen Lernens, dass sich am “Modell betrieblicher Lern- und Wissensarten” von DEHNBOSTEL (2001) orientiert (S. 82). Informelles Lernen zeichnet sich danach dadurch aus, dass es in Tätigkeiten und Handlungen eingebettet ist, eine professionelle pädagogische Einwirkung bzw. Lehr-Lernintention jedoch fehlt (S. 223). Formelles und informellen Lernen sind dabei als komplementäre Elemente der Kompetenzentwicklung zu sehen (S. 85).
Ausgehend von der analytischen Betrachtung bestehender Theorieansätze widmet sich MOLZBERGER im empirischen Teil ihrer Arbeit der Untersuchung informeller Lernens in kleinen und mittelständischen Betrieben der IT-Branche. Diese Arbeit baut auf die Untersuchungen von DEHNBOSTEL, MOLZBERGER & OVERWIEN (2003) auf. Dabei stehen Lernmöglichkeiten und Lernorganisationsformen in den Betrieben im Mittelpunkt. Aus qualitativen Betriebsfallstudien analysiert MOLZBERGER
- das Selbstverständnis von IT-Fachkräften (z. B. als “kreative Bastler”),
- Erscheinungsformen informellen Lernhandelns zur Bewältigung von Arbeitsaufgaben (z. B. Problemlösungsprozesse),
- Balanceanforderungen zwischen Erfahrungsoffenheit und Erfahrungsschließung (z. B. “zwanghaftes” und spielerisches Lernen) und
- Kooperatives Lernen als vermittelndes Handeln (z. B. Bedeutung von Sympathie und Vertrauen) (S. 198ff)
Bei der Betrachtung des Zusammenhangs von betrieblichen Strukturen und individuellem Lernhandeln stellt sie fest, dass in den untersuchten Betrieben “die Notwendigkeit einer Unterstützung von informellen Lernprozessen und des Aufbaus von Weiterbildungsstrukturen erkannt (wurde); allerdings erfolgt die betriebliche Organisation von Lernen und Weiterbildung intuitiv und ist weitgehend von Leitformeln getragen, wie “Wir schaffen das!” und “Aus der Not eine Tugend machen.” (S. 212). Formelles und informelles Lernen gehen dabei häufig ineinander über. Zeit und soziale Unterstützung haben sich darüber hinaus als wichtige Einflussfaktoren auf das informelle Lernen herausgestellt (S. 214f). Fehlende formelle Weiterbildungsstrukturen werden durch informelle Lernhandlungen kompensiert (S. 228).
MOLZBERGER liefert mit Ihrer Arbeit eine wichtige theoretische Aufarbeitung und Erweiterung des aktuellen Diskussionsstands zum informellen Lernen und leistet einen wesentlichen Beitrag, um der Praxis betrieblicher Weiterbildung auch in der theoretischen Durchdringung “auf den Fersen” zu bleiben. Dabei hat sie auch ein wesentliches Fundament für die weitere Auseianandersetzung mit dem informellen Lernen in der betrieblichen Weiterbildung geschaffen, dass für die weitere notwendige Forschungsarbeit wegweisend sein wird.
Quellen:
Dehnbostel, P. (2001). Perspektiven für das Lernen in der Arbeit. In: Arbeitsgemeinschaft betriebliche Weiterbildungsforschung (Hrsg.), Kompetenzentwicklung 2001 – Tätigsein – Lernen – Innovation. Münster: Waxmann.
Dehnbostel, P., Molzberger, G. & Overwien, B. (2003). Informelles Lernen in modernen Arbeitsprozessen – dargestellt am Beispiel von Klein- und Mittelbetrieben der IT-Branche. Berlin: BBJ-Verlag.
Molzberger, G. (2007). Rahmungen informellen Lernens – Zur Erschließung neuer Lern- und Weiterbildungsperspektiven. Wiesbaden: VS-Verlag.
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von Matthias Rohs - 6. March 2008
Giselle Ferreira hat heute in ihrem Blog eine kleine Literaturliste zum “Informellen Lernen” zusammengetragen. Sicherlich nicht umfassend, aber doch eine gute Auswahl englischsprachiger Literatur zum Thema, die für einen Einstieg gut geeignet ist. Durch die entsprechenden Links zu den Büchern kann man sich auch ein eigenes Bild machen.
Veröffentlicht unter Veröffentlichungen
von Matthias Rohs - 4. March 2008
Heute bin ich (hier) auf die Ankündigung einer Veranstaltung zum informellen Lernen gestossen, die – für mich überraschend – an der Faculty of Education and Psychology der Ferdowsi University of Mashhad im Iran stattfindet. Dabei werden eine Reihe von höchst interessanten Aspekten informellen Lernens behandelt, wie z. B. :
- Hidden curriculum in the Iranian schools
- Informal education in the formal educational system of Iran
- Evaluation of informal education provided by the formal education system
- Universities and informal education – The role of informal education in higher education
- u. a.
Der Hintergrund der Veranstaltung wird in der “Message from conference chair” wie folgt beschrieben:
“Twenty seven years ego the International Conference on Education which was held by UNESCO, UNICEF and the World Bank reiterated that all countries of the world must encourage education for all people (children, youth, and adults). This formed the movement of “Education for All”. Ten years later the resolution of the International Assembly of UNESCO in Dakarasked all countries to fulfill the six objectives of education by 2015.
One agenda in this conference was the need for increasing attention to informal aspects of education as an integral and significant part of the responsibilities by all countries. The resolution of the conference reiterates that, due to the lack of relevant studies on informal education, it is important to bring both formal and informal approaches to learning in order to meet the needs of all human beings in the 21st Century.”
Veröffentlicht unter Hochschule, Veranstaltungen
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