Der Titel von Regina Egetenmeyers Buch „Informal learning in betrieblichen Lernkulturen“ weist schon durch die Zweisprachigkeit auf den interkulturellen Blickwinkel hin, der für ihre Dissertation leitend war. In einer Vergleichstudie hat sie betriebliche Lernkulturen in Deutschland, Spanien und Großbritannien untersucht. Damit hat sie einen Themenbereich gewählt, der in der Bildungsforschung seit einigen Jahren Konjunktur hat, aber gerade im Zusammenhang mit dem informellen Lernen bisher kaum thematisiert wurde.
Es werden gerade mit der Lernkultur die Rahmenbedingungen informellen Lernens angesprochen und so die wesentliche Möglichkeit, informelles Lernen (in betrieblichen Kontexten) zu unterstützen. Dieser Zusammenhang ist scheinbar so offensichtlich, dass in den Grundlagenkapiteln zwar umfangreich zu den Begriffen des informellen Lernens und der Lernkultur Stellung genommen wird, der Zusammenhang beider Konzepte aber kaum thematisiert wurde.
Der zentralen Forschungsfrage, „Wie unterscheidet sich informal learning zwischen betrieblichen Lernkulturen in kulturellen Kontexten in Europa?“ ist Regina Egetenmeyer durch den Vergleich von drei Standorten eines Unternehmens in den genannten Destinationen nachgegangen. In Interviews mit Personalverantwortlichen und Führungskräften wurden die Unterschiede in den Lernkulturen nach den Kategorien „Lerngegenstände“, „Lernmotive“, „Lernwege“, „Ressourcen“ und „Informelle Lernkontrolle“ untersucht.
Beim Untersuchungsdesign der Studie stellen sich einige Fragen, die die Autorin selbst kritisch anspricht, die aber die Gültigkeit der Ergebnisse ihrer Meinung nach nicht beeinflussen. So ist zu fragen, wie stark die Lernkulturen der Unternehmen in Spanien und Großbritannien durch das Mutterunternehmen in Deutschland geprägt sind, ob durch die sprachlichen Hürden (die Interviews in Spanien wurden auf Englisch geführt) die Aussagen beeinflusst wurden und inwiefern durch Führungskräfte und Vorgesetzte ein realistisches Bild der Lernkultur wiedergegeben wird (S. 208f). Diese Fragen machen den hohen Anspruch des Forschungsvorhabens deutlich und weisen auf einen entsprechenden Forschungsbedarf hin.
Hervorzuheben sind die klaren und strukturiert aufbereiteten Ergebnisse der Studie, welche die lernkulturellen Unterschiede sehr deutlich machen. So dient beispielsweise das (informelle) Lernen im deutschen Unternehmen vor allem dem Erkenntnisgewinn, im britischen Unternehmen der konkreten Ausübung von Tätigkeiten und im spanischen Betrieb der Anpassung an Situationen (S. 203).
Offen blieb die Frage nach vergleichbaren Studien, sowohl zum informellen Lernen, als auch zu (lern)kulturellen Unterschieden und Bildungstraditionen in den gewählten Ländern, die zur Fundierung der Ergebnisse dienen könnten.
Als Fazit kann festgehalten werden, dass das Buch „Informal Learning in betrieblichen Lernkulturen“ einen wesentlichen Zusammenhang für die Gestaltung informellen Lernens im betrieblichen Kontext thematisiert. Regina Egetenmeyer gibt durch ihre strukturierte Aufarbeitung des Themas einen guten Einstieg und weist den Weg für weitere Forschungsarbeiten. Sie macht auf die kulturellen Unterschiede als Rahmenbedingungen informellen Lernens aufmerksam, so dass das Buch insbesondere als Begleitlektüre für ländervergleichende Studien zum informellen Lernen geeignet ist.
Quelle:
Egetenmeyer, R. (2008). Informal learning in betrieblichen Lernkulturen. Hohengehren: Schneider.