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Blog-Archiv für May 2008

Veranstaltung zum informellen E-Learning

von Matthias Rohs - 29. May 2008

Am Montag hat das E-Learning Center der Universität Zürich eine Veranstaltung zum informellen E-Learning durchgeführt. Ziel war es, die Diskussion zum informellen E-Learning im Hochschulkontext anzustossen. Die offizielle Dokumentation der Veranstaltung steht hier zur Verfügung, die inoffizielle hier.

(direkter Link zu den Folien von Sandra Schaffert)

Veröffentlicht unter E-Learning

Mehr verdienen mit informellem Lernen

von Matthias Rohs - 25. May 2008

“Weiterbildung lohnt sich”, so steht es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Weiterbildung”. Nach einer Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer bei 11.000 Weiterbildungsabsolventen gaben zwei Drittel an, dass sich ihre Weiterbildung positiv auf auf ihre berufliche Entwicklung augewirkt hat. (S. 50)

Angesprochen ist damit die formale Weiterbildung. Aber wie sieht es mit informeller Weiterbildung aus? Eine Antwort auf diese Frage bietet eine Untersuchung von Pfeiffer & Reize (2000) vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, die den Zusammenhang zwischen formeller/informeller Weiterbildung und die Auswirkungen auf den individuellen Arbeitsverdienst untersucht haben.

Pfeiffer und Reize haben die Gruppe der Arbeitnehmer und der Selbständigen gegenübergestellt. Dabei zeigte sich:

“26,3 % der Arbeitnehmer und 25,8 % der Selbständigen in der Stichprobe haben in den letzten fünf Jahren seit 1987 an formaler Weiterbildung teilgenommen. (…) Im Unterschied zur formellen Weiterbildung ist die Weiterbildungsbeteiligung der Selbständigen an informellen Veranstaltungen wesentlich höher als bei Arbeitnehmern. Fast 45 % der Selbständigen nehmen an Fachmessen, Fachvorträgen, etc. teil, im Vergleich zu 30 % der Arbeitnehmer. Die Beteiligung an formalen Weiterbildungskursen schließt eine Beteiligung an informellen Kursen nicht aus. 81 % der Selbständigen und 63 % der Arbeitnehmer, die sich an formaler Weiterbildung beteiligten, nahmen zusätzlich auch informelle Weiterbildungsmöglichkeiten wahr.” (S. 2)

Und dann zum Wesentlichen:

“Die Schätzergebnisse zeigen, daß sich die Bestimmungsgründe des Verdienstes im Falle der Teilnahme an formeller oder informeller Weiterbildung deutlich von denjenigen ohne Teilnahme unterscheiden.
Die Bedeutung der Ausbildungsvariable und der Senioritätsentlohnung geht im Falle der Weiterbildung zurück. Die Schätzungen zeigen, daß die Verdienstdifferentiale mit dem Grad der Formalisierung der Weiterbildung zunehmen und daß auch informelle Weiterbildung positive Effekte hat.
” (S. 3)

Zwar wäre damit das formelle Lernen bessere Weg zu einem höhere Einkommen, aber überraschender Weise lässt sich auch mit informeller (nicht zertifizierten) Weiterbildung mehr Geld verdienen.

Quelle:

Pfeiffer, Friedhelm und Frank Reize (2000). Formelle und informelle berufliche Weiterbildung und Verdienst bei Arbeitnehmern und Selbständigen, ZEW Discussion Paper No. 00-01, Mannheim Im Internet: http://madoc.bib.uni-mannheim.de/madoc/frontdoor.php?source_opus=580

Veröffentlicht unter Berufssbildung, Untersuchungen, Veröffentlichungen, Weiterbildung

How to Create Knowledge via Formal and Informal Learning?

von Matthias Rohs - 23. May 2008

Gestern war ich auf dem 4. SCIL Kongess an der Universität St. Gallen. Dort hörte ich die Keynote von Erland Joergensen mit dem Titel “How to Create the Knowledge via Formal and Informal Learning?”. Ausgehend von den Anforderungen die die Globalisierung und die Alterspyramide an die Weiterbildung seines Konzerns stellen, hat er die Notwendigkeit zur Einführung eines neuen Lernkonzepts deutlich gemacht, dass im Wesentlichen durch folgende drei Punkte repräsentiert wird:

  • Workplace Learning
  • Ask-Learn-Share (Mitarbeiter stellen Fragen und teilen Wissen)
  • Supervisor Engagement (Einbindung der Vorgesetzten in die Weiterbildung der Mitarbeiter)

Die Umsetzung erfolgte unter anderem durch ein Unternehmens-Wiki, dass jedem Mitarbeiter offen steht und von mehreren Tausend Mitareitern genutzt wird. Darüber hinaus ist die Weiterbildung stark an realen Arbeitsaufgaben und -projekte gebunden, deren erfolgreiche Bewältigung als Gradmesser für die Weiterbildung gilt. Das Engagement und die Unterstützung der Weiterbildung durch den Vorgesetzten wurde dabei als wesentlicher Schlüssel zum Erfolg bezeichnet.

Neu sind diese Ideen zur Integration informellen Lernens in die Weiterbildungsstrategie eines Unternehmens nicht. Jedoch die konsequente Umsetzung dieser Prinzipien in einem großen Konzern zeigt deutlich die Veränderungen die sich im Weiterbildungsbereich abspielen, auch wenn diese Beispiele, von denen es auf dem Kongress mehrere gab, sicherlich auch eine Vorreiterrolle einnehmen.

Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veranstaltungen, Weiterbildung

Survey on Informal & Web 2.0 Learning Practices

von Matthias Rohs - 23. May 2008

Jay Cross führt eine Studie zum informellen Lernen und Web 2.0 in Unternehmen durch. Das ausfüllen des Fragebogens dauert drei Minuten und ist noch bis zum 5. Juni möglich. Als Teilnehmer bekommen sie die Resultate zugeschickt. Und hier können sie mitmachen.

Veröffentlicht unter Untersuchungen

„Informal Learning in betrieblichen Lernkulturen“

von Matthias Rohs - 22. May 2008

Der Titel von Regina Egetenmeyers Buch „Informal learning in betrieblichen Lernkulturen“ weist schon durch die Zweisprachigkeit auf den interkulturellen Blickwinkel hin, der für ihre Dissertation leitend war. In einer Vergleichstudie hat sie betriebliche Lernkulturen in Deutschland, Spanien und Großbritannien untersucht. Damit hat sie einen Themenbereich gewählt, der in der Bildungsforschung seit einigen Jahren Konjunktur hat, aber gerade im Zusammenhang mit dem informellen Lernen bisher kaum thematisiert wurde.

Es werden gerade mit der Lernkultur die Rahmenbedingungen informellen Lernens angesprochen und so die wesentliche Möglichkeit, informelles Lernen (in betrieblichen Kontexten) zu unterstützen. Dieser Zusammenhang ist scheinbar so offensichtlich, dass in den Grundlagenkapiteln zwar umfangreich zu den Begriffen des informellen Lernens und der Lernkultur Stellung genommen wird, der Zusammenhang beider Konzepte aber kaum thematisiert wurde.

Der zentralen Forschungsfrage, „Wie unterscheidet sich informal learning zwischen betrieblichen Lernkulturen in kulturellen Kontexten in Europa?“ ist Regina Egetenmeyer durch den Vergleich von drei Standorten eines Unternehmens in den genannten Destinationen nachgegangen. In Interviews mit Personalverantwortlichen und Führungskräften wurden die Unterschiede in den Lernkulturen nach den Kategorien „Lerngegenstände“, „Lernmotive“, „Lernwege“, „Ressourcen“ und „Informelle Lernkontrolle“ untersucht.

Beim Untersuchungsdesign der Studie stellen sich einige Fragen, die die Autorin selbst kritisch anspricht, die aber die Gültigkeit der Ergebnisse ihrer Meinung nach nicht beeinflussen. So ist zu fragen, wie stark die Lernkulturen der Unternehmen in Spanien und Großbritannien durch das Mutterunternehmen in Deutschland geprägt sind, ob durch die sprachlichen Hürden (die Interviews in Spanien wurden auf Englisch geführt) die Aussagen beeinflusst wurden und inwiefern durch Führungskräfte und Vorgesetzte ein realistisches Bild der Lernkultur wiedergegeben wird (S. 208f). Diese Fragen machen den hohen Anspruch des Forschungsvorhabens deutlich und weisen auf einen entsprechenden Forschungsbedarf hin.

Hervorzuheben sind die klaren und strukturiert aufbereiteten Ergebnisse der Studie, welche die lernkulturellen Unterschiede sehr deutlich machen. So dient beispielsweise das (informelle) Lernen im deutschen Unternehmen vor allem dem Erkenntnisgewinn, im britischen Unternehmen der konkreten Ausübung von Tätigkeiten und im spanischen Betrieb der Anpassung an Situationen (S. 203).

Offen blieb die Frage nach vergleichbaren Studien, sowohl zum informellen Lernen, als auch zu (lern)kulturellen Unterschieden und Bildungstraditionen in den gewählten Ländern, die zur Fundierung der Ergebnisse dienen könnten.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass das Buch „Informal Learning in betrieblichen Lernkulturen“ einen wesentlichen Zusammenhang für die Gestaltung informellen Lernens im betrieblichen Kontext thematisiert. Regina Egetenmeyer gibt durch ihre strukturierte Aufarbeitung des Themas einen guten Einstieg und weist den Weg für weitere Forschungsarbeiten. Sie macht auf die kulturellen Unterschiede als Rahmenbedingungen informellen Lernens aufmerksam, so dass das Buch insbesondere als Begleitlektüre für ländervergleichende Studien zum informellen Lernen geeignet ist.

Quelle:

Egetenmeyer, R. (2008). Informal learning in betrieblichen Lernkulturen. Hohengehren: Schneider.

Veröffentlicht unter Berufssbildung, Veröffentlichungen, Weiterbildung

“pedagogy and space” – Architekturen für informelles Lernen

von Matthias Rohs - 15. May 2008

Informelles Lernen wird in den meisten Definitionen als ein Lernen außerhalb von Bildungsinstitutionen beschrieben. Dabei stellt sich die Frage ob dies eine definitorische Setzung oder eine Folge der Rahmenbedingungen in Bildungsinstitutionen ist. In dieser Hinsicht würde ich eher den Ansatz der informal education vertreten, d. h. dass auch in Bildungsinstitutionen Rahmenbedingungen für informelles Lernen geschaffen werden können.

In diesem Zusammenhang bin ich (via flux) auf zwei spannende Beiträge gestoßen, die den Zusammenhang von neuen Lernanforderungen und Lernumgebungen thematisieren. Dazu heißt es in einem Beitrag der American Architectural Foundation:

“Unlike the designs for schools and classrooms, which have changed little since the 1950s, advances in digital technologies have revolutionized the way we communicate and access information, solve problems, live, and learn. Today’s mobile digital devices, powerful computers, and the Internet have become indispensable tools in business, medicine, government, higher education, and research. These same technologies are also coming into our nation’s schools and classrooms, and in a select—but growing number of instances—technology is changing the way students learn and teachers teach.”

Wie stark die Einflüsse wirklich sind, mag ich an dieser Stelle nicht thematisieren und auch nicht allein auf die Medien fokussieren. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich der Blickwinkel auf Lernprozesse seit dem Bau vieler (wohl der meisten) Bildungseinrichtungen radikal verändert hat.
Lernen in Gruppen oder informelles Lernen erfordern aber eine andere räumliche Gestaltung, als dies viele Bildungseinrichtungen bieten. Dies ist nun wahrhaftig keine neue Erkenntnis, schaut man sich jedoch die Realität in Bildungseinrichtungen an, so wird in vielen schon durch die Architektur die Methodenvielfalt und auch das informelle Lernen limitiert.

Vorschläge zur Verbesserung verschiedener Lernsettings bietet Fisher (2005) (siehe Bild). Ich sehe diese Vorschläge noch nicht als Lösung an, aber als wichtige Anregung für die Diskussion, die im Kontext des informellen Lernens oft vernachlässigt wird.

Quellen:

American Architectural Foundation (2007). School Design and Student – Learning in the 21st Century. Im Internet:
http://www.archfoundation.org/aaf/documents/report.designforlearning.pdf

Fisher, K. (2005). Linking pedagogy and Space. Im Internet: http://www.sofweb.vic.edu.au/knowledgebank/pdfs//linking_pedagogy_and_space.pdf

Veröffentlicht unter Hochschule, Schule

“Informal Adult Learning – Shaping The Way Ahead”

von Matthias Rohs - 8. May 2008

Das “Department for Innovation, Universities and Skills” der britischen Regierung hat das informelle Lernen zu einem Interessenschwerpunkt gemacht und eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema angestoßen, “that will lead to a new vision for informal adult learning for the 21st century.” Grundlage für die Diskussion, die Forschung und Wirtschaft zusammenbringen soll, ist das Dokument “Informal Adult Learning – Shaping The Way Ahead“.

Darin werden folgende Themen behandelt:
Chapter 1 – gives a taste of the rich mix of informal adult learning: during the consultation we will commission a mapping of informal adult learning activity in order to identify gaps in what is available and/or accessible to different learner groups
Chapter 2 – sets out some of the exciting informal adult learning opportunities funded through a range of Government departments
Chapter 3 – describes our current adult education service in England: during the consultation we will open up the debate about its role for the future
Chapter 4 – reviews the issues about ensuring equality of access to learning
Chapter 5 – looks at the role of technology in informal adult learning: the consultation will ask what more can be done to ensure that learners can access cutting edge developments in technology and broadcasting
Chapter 6 – discussion points

Im Gegensatz zu anderen Consultations werden nicht nur Fragebögen eingesetzt – die nach eigener Aussage ohnehin nur die involvierten Organisationen und Personen erreichen – sondern Ziel ist es, die Diskussion in “specific groups” anzuregen. Der Aufruf zur Beteiligung geht somit an alle “who have an interest in informal adult learning, in whatever capacity or setting (…) so that we can pave the way towards a new offer for the 21st century and continue the tradition of improving adult lives through both formal and informal learning.”

Eine interessante Initiative, auf deren Ergebnisse ich sehr gespannt bin.

Weitere Informationen unter www.adultlearningconsultation.org.uk sowie Ergebnisse laufender Consultations hier.

Veröffentlicht unter Erwachsenenbildung

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