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Blog-Archiv für June 2008

Informelles E-Learning an Hochschulen

von Matthias Rohs - 30. June 2008

Nicht jeder und jedem ist es möglich, berufliche und private Interessen miteinander zu verbinden. Zu einem gewissen Teil ist mir dies vergönnt, und so möchte ich an dieser Stelle auf den aktuellen Schwerpunkt des E-Learning-Podcast der Universtität Zürich hinweisen, in dem für das laufende Semester das informelle E-Learning an Hochschulen im Mittelpunkt steht.

Neben einigen Interviews (mit Gerd Schwabe, Gabi Reinmann, Jay Cross u. a.) sind dort auch die Ergebnisse einer Expertenbefragung zu finden, mit der wir uns dem Phänomen des informellen E-Learnings im Hochschulkontext genähert haben.

Veröffentlicht unter E-Learning, Hochschule

Kommunikation von (Nicht-)Wissen

von Matthias Rohs - 23. June 2008

DINKELAKER untersucht in seiner Dissertation “Kommunikation von (Nicht-)Wissen” hybride Lernsettings, worunter er Interaktionsarrangements versteht, in denen sich Lernen mit anderen sozialen Praktiken (die keiner Lernlogik folgen) verbindet (vgl. S. 15). Damit wendet sich DINKELAKER Strukturen des Lernens zu, die nicht von der Anwendung des Gelernten getrennt sind, also außerhalb formaler Lernkontexte stattfinden und damit dem informellen Lernen zuzurechnen sind. Doch wie ist das Lernen in diesen Strukturen von anderen sozialen Praktiken zu unterscheiden?
DINKELAKER untersucht anhand von zwei Fallbeispielen aus einem Unternehmen und einer Hilfeeinrichtung die „Kommunikation von (Nicht-)Wissen“, d. h. die Strukturen der Zuschreibung von Wissen oder Nicht-Wissen.
Diese zunächst fremd wirkende Sichtweise auf das informelle Lernen bedarf einer gewissen Ausdauer bei der Lektüre des Buches, bis sich nach und nach die Gedankenwelt des Autors offenbart. Erschwert wird dies durch eine Sprache, die zwar wissenschaftlich präzise, jedoch nicht leicht verständlich ist.
Die Arbeit teilt sich in acht Kapitel. Ausgehend von der Darstellung der methodischen und theoretischen Prämissen werden im zweiten Kapitel die vier untersuchten Settings portraitiert: in der Hilfeeinrichtung das Betreuungsgespräch und die Redaktionssitzung, im Unternehmen die Abteilungssitzung und das Mitarbeitergespräch. In den Kapiteln drei bis sieben werden dann die Formen thematisiert, unter denen sich Kommunikationen realisieren. Im fünften Kapitel wird das Lernen als bestimmter Typus dieser Kommunikation behandelt. Im sechsten Kapitel stehen hybride Settings im Mittelpunkt, in denen bestimmte Zuschreibungssequenzen Verbindungen miteinander eingehen. Vor dem Hintergrund der so erarbeiteten “Grammatik” werden im siebenten Kapitel „die unterschiedlichen Settings von Lernen als jeweils spezifische Formen der Verschränkung von Lernen mit anderen Formen des Umgangs mit (Nicht-)Wissen rekonstruieren, aufeinander bezogen und miteinander verglichen“ (S. 17).
Lernen als soziales Phänomen lässt sich nach DINKELAKER definieren als Markierung des Übergangs einer Person von Nicht-Wissen zum Wissen (vgl. S. 29). Die damit verbundenen kommunikativen Prozesse werden in diesem Buch unter die Lupe genommen und nachgezeichnet. DINKELAKER spürt in den Mitschnitten von Gesprächen Sequenzen heraus, die Personen Wissen bzw. Nicht-Wissen zuschreiben. Ob es nun der Sozialarbeiter ist, der dem Klienten das Wissen um „richtiges“ gewaltfreies Verhalten abspricht, oder die Führungskraft, die dem Mitarbeiter einer Sitzung Wissen über einen Sachverhalt zuspricht. DINKELAKER strukturiert diese unterschiedlichen Formen der Kommunikation von (Nicht-)Wissen über die gewählten kontrastierten Fälle. Er unterscheidet Diagnosen von Korrekturen und Evaluationen und vergleicht zeitliche Abfolgen der Kommunikation über (Nicht-)Wissenszuschreibungen.
Die Arbeit von DINKELAKER und seine Perspektive der Zuschreibung von (Nicht-)Wissen öffnet eine spannende Perspektive zur Erschließung von Lernprozessen. Für die Analyse und das Verständnis der Kommunikation von (Nicht-)Wissen hat er eine fundierte theoretische Grundlage mit großem Potenzial für weitere Forschungsarbeiten gelegt. Um mehr über das informelle Lernen zu erfahren wäre es nun wichtig, die Analyseinstrumente verstärkt auf den Prozess des Lernens an sich zu richten. Für Wissenschaftler/innen die sich für das informelle Lernen interessieren verbleibt die Arbeit sonst unter Umständen zu stark auf der Metaebene des Lernens.
Neben vielen Ausrufezeichen hinterlässt die Arbeit so für mich auch einige Fragezeichen, die sich aber vielleicht in Bezug zum Forschungsprojekt „Wissensgesellschaft. Umgang mit Wissen im Kontext zweier sozialer Welten vor dem Hintergrund der universellen Institutionalisierung des Pädagogischen“, in dem die Arbeit verankert ist, klären lassen.

Quelle:

Dinkelaker, Jörg (2008). Kommunikation von (Nicht-)Wissen: Eine Fallstudie zum Lernen Erwachsener in hybriden Settings. VS-Verlag. Wiesbaden.

Veröffentlicht unter Veröffentlichungen

Qualitätssicherung für informelles Lernen

von Matthias Rohs - 16. June 2008

Qualitätssicherung und informelles Lernen schließen sich für mich auf den ersten Blick aus. Qualitätssicherung bedeutet Messung und Formalisierung und steht dem informellen Lernen entgegen. Auf den ersten Blick. Und dazu muss ich sagen, dass ich mich allenfalls oberflächlich mit Konzepten zur Qualitätssicherung auseinandergesetzt habe. Nun ist mir aber ein Papier in die Hände gefallen, das den Titel “Quality Guide to the Non-Formal and Informal Learning Processes” trägt und vom SEEQUEL-Projekt (Sustainable Environment for the Evaluation of Quality in E-Learning) herausgegeben wurde.

Am Anfang der Broschüre steht die Feststellung:

“Certainly much of what is learnt in community centres, in the workplace or by individual study is very far from formalised and documented processes that are found in Total Quality Management approaches. However these processes are generating and providing learning that should not be excluded by the recognition and certification schemes or considered less important than the learning, that takes place in formal settings.”

Daher stellt sich die Frage; ob und wie Total-Quality-Management (TQM) und informelles Lernen zusammenpasst und was Qualitätsmanagement für das informelle Lernen bringt? Auch wenn sich für mich dieser Zusammenhang noch nicht aufgedrängt hat, ist er doch nicht neu. Schon WATKINS & MARSICK haben 1992 (S. 288) geschrieben:

“A key component of a new way of working with employees is continuous learning for continuous improvement , which is part of a constellation of new practices associated with Total Quality Management (TQM).”

Das Ziel der SEEQUEL-Broschüre ist es, für Anbieter (!) von informellem Lernen und E-Learning einen Ansatz für Qualitätsmanagement an die Hand zu geben. Dazu wird zunächst in TQM eingeführt und das Verständnis informellen Lernens dargelegt. Schließlich werden eine Reihe von Checklisten angeboten, deren Qualität ich nicht beurteilen kann. Sie beruhen auf drei wesentliche Bereiche, die sich auf die Qualität von Lernen auswirken:

a) Lernresourcen
b) Lernprozesse
c) Lernkontexte

Sowohl diese Aufteilung leuchtet mir ein und gibt mir eine Idee, wie auch die Qualität informeller Lernprozesse “gesichert” werden kann, als auch der folgende Satz, der für mich den Kern eines Verständnisses von Qualitätsmanagement informellen Lernens sein könnte, wenn nicht sein sollte:

“The key issue is not to measure oneself against a best performer but to start to reflect on which action can be taken in order to introduce quality elements in the informal and non-formal supply.”

In diesem Sinne vielleicht eine Anregung für eine weitere Reflexion über dieses Thema.

Quellen:

SEEQUEL (2004). Quality Guide to the Non-Formal and Informal Learning Processes. Im Internet: http://www.education-observatories.net/seequel/SEEQUEL-TQM_Guide_for_informal_learning.pdf

Watkins, K. E. & Marsick, V. J. (1992). Towards a Theory of Informal and Incidental Learning in Organizations. International Journal of Lifelong Education, 11 (4). S. 287-300.

Veröffentlicht unter Veröffentlichungen

Informelles Lernen im Krankenhaus

von Matthias Rohs - 16. June 2008

Durch einen Beitrag im Blog des Learning Center des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen wurde ich auf das Projekt eHospital aufmerksam gemacht. Darin heisst es:

“Patienten sind im Krankenhaus üblicherweise von der Möglichkeit des lebenslangen Lernens ausgeschlossen. Für junge PatientInnen gibt es jetzt in österreichischen Krankenhäusern Spitalsschulen, die ihnen eine Fortsetzung ihrer Schulausbildung ermöglichen. Informelle Lernaktivitäten während des Aufenthalts im Krankenhaus können sich sehr positiv auf PatientInnen auswirken und die Wiedereingliederung in das berufliche und soziale Leben erleichtern. Europaweit gibt es derzeit jedoch keine strukturierten Lernangebote für erwachsene Langzeitpatienten.
Das europäische Pilotprojekt eHospital soll diese Tatsache ändern und neue Bildungsmöglichkeiten im Spital eröffnen. Um die mögliche Vielfalt solche Lernangebote zu zeigen, wurden sieben verschiedene E-Learning-Angebote für unterschiedliche Patientengruppen entwickelt und durchgeführt.
Im Herbst werden die Resultate an einer Konferenz (Programm) präsentiert. Erste Resultate sind bereits jetzt über ein Handbuch zugänglich.”

Eine Dokumentation von 7 informellen E-Learning “Kursen” für Patienten ist hier zu finden.

Veröffentlicht unter Projekte

Informelles Lernen im 2. Nationalen Bildungsbericht 2008

von Matthias Rohs - 13. June 2008

Heute ist der 2. Nationale Bildungsbericht erschienen und mich hat natürlich interessiert, was zum informellen Lernen geschrieben wird. Gleich in der Einleitung heisst es:

“Mit dem zweiten nationalen, gemeinsam von Bund und Ländern in Auftrag gegebenen Bildungsbericht wird erneut eine umfassende empirische Bestandsaufnahme vorgelegt, die das deutsche Bildungswesen als Ganzes abbildet und von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis zu den verschiedenen Formen der Weiterbildung im Erwachsenenalter reicht. Sie schließt auch jene Bildungsprozesse ein, die sich mit den Begriffen non-formale Bildung und informelles Lernen beschreiben lassen. ” (S. V)

Tatsache ist, dass ausschliesslich das informelle Lernen im Erwachsenenalter thematisiert wird – in einem Unterkapitel im Bereich “Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter”. Wenn informelle Lernprozesse in die Betrachtung eingeschlossen werden sollen – so wie in der Einleitung angekündigt – so wäre es meines Erachtens notwendig dies auf allen Ebenen zu tun (frühkindliche, schulische, berufliche Aus- und Weiterbildung …).

Inhaltlich wird vor allem auf den Bereich der beruflich-betrieblichen Bildung eingangen. Zwar bin ich grundsätzlich skeptisch, was statistische Zahlen zum informellen Lernen betrifft, die differenziertere Darstellung der Unterschiede ist meines Erachtens aber eine positive Entwicklung weg von pauschalisierten Angaben über Umfang und Wirkungen informellen Lernens.

Zu den vorgestellten Ergebnissen:

  • “Zwischen 2003 und 2007 nimmt nicht nur insgesamt die Beteiligungsquote an informellem beruflichen Lernen um sieben Prozentpunkte zu, es steigen auch alle in der Individualbefragung des Berichtssystems Weiterbildung (BSW) erfassten Formen informellen Lernens in der Arbeit signifikant an.” Interessant ist vor allem die “Verdopplung des Anteils derjenigen Beschäftigten, die am Arbeitsplatz mithilfe von mediengestützten Selbstlernprogrammen ihre berufliche Kompetenz erhalten und erweitern.” (S. 146)
  • “Nach Schulbildung gibt es ein eindeutiges Gefälle von Abitur über mittlere bis zur niedrigen Schulbildung. Das Gefälle ist nach beruflicher Qualifi kation im Spektrum zwischen Hochschulabschluss und fehlendem beruflichen Abschluss noch größer. Nach Berufsstatus partizipieren Arbeiter deutlich weniger an informellen Lernformen als Angestellte, Beamte und Selbstständige.” (S. 147)
  • “Dass informelles Lernen stark von Gelegenheitsstrukturen abhängig ist, wird dadurch bestätigt, dass die von Unternehmen bereitgestellten Formen informellen Lernens stark nach Wirtschaftsbereichen variieren. Bei einem insgesamt hohen Durchschnittswert für informelle Lerngelegenheiten von 66% reicht die Streubreite zwischen den Wirtschaftsbereichen von 51% (Verkehr und Nachrichtenübermittlung u. a.) bis 98% (Kredit- und Versicherungsgewerbe). ” (S. 147) (siehe Abbildung)
  • “Neben der Branchenzugehörigkeit spielen Unternehmensgröße und Innovationsaktivitäten von Unternehmen eine Rolle bei der Verteilung von arbeitsbezogenen Gelegenheiten informellen Lernens. (…) Die kleineren Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte) weisen den niedrigsten, die Großunternehmen (mit mehr als 500 Beschäftigten) mit über 68% den höchsten Anteil auf.” (S.147)


Quelle:

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2008). Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer ANalyse zu Übergängen in Anschluss an den Sekundarbereich 1. Im Internet: http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf

Veröffentlicht unter Untersuchungen, Veröffentlichungen

Call-for-Papers: Warum informell lernen? Argumente und Motive

von Matthias Rohs - 9. June 2008

Die Online-Zeitschrift Bildungsforschung plant für die Ausgabe 1/2009 ein Themenheft zum informellen Lernen. Ich wurde eingeladen zusammen mit Bernhard Schmidt dieses “Heft” herauszugeben.

Aufgrund der vielen offen Fragen zum informellen Lernen, war die Entscheidung für einen Fokussierung des Themas schwer. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, hinter die Beweggründe zu schauen, die Individuuen zum informellem Lernen bewegen oder Forscher, Bildungsverantwortliche, Politiker u. a. für das informelle Lernen eintreten lassen. Diese Motive sind sehr verschieden und der erste Blick lässt kaum die unterschiedlichen Interessen dahinter erkennen.

Mit dem Themenheft erhoffen wir uns eine breite Diskussion über die Hintergründe des aktuellen Trends anzustossen.

“Analog zu organisierten Lehr-Lernformen stellt sich auch im Kontext informeller Lernprozesse die Frage nach den Motiven, Anlässen und Zielen, die Akteure mit ihren persönlichen Lernprozessen bzw. mit der Förderung von Lernaktivitäten verknüpfen. Damit sind unterschiedliche Ebenen und Betrachtungswinkel auf die Motivationslagen informellen Lernens angesprochen. Nicht nur Individuen sind hinsichtlich der Lernanlässe und -motive, die sie zu informellen Lernprojekten anregen, von Interesse. Ebenso ist nach den Motiven von Arbeitgebern, Bildungsinstitutionen und der Bildungspolitik zu fragen, wenn diese für Formen des informellen Lernens argumentieren.

Es lassen sich drei Ebenen differenzieren, für die jeweils nach der motivationalen Ausgangslage für informelle Lernprozesse gefragt werden kann:

  1. Auf der Ebene des Individuums wird das informelle Lernen vor allem mit der Lösung von Problemen in Verbindung gebracht. Informelles Lernen folgt hier keiner Lernintention, sondern ist in erster Linie mit anderen Zielsetzungen verbunden, wie zum Beispiel die Bewältigung von Arbeitsaufgaben. Informelles Lernen kann aber auch ein bewusster selbst gesteuerter Lernprozess sein, der außerhalb didaktischer Arrangements und Lernzielvorgaben stattfindet.
    Gerade zur Förderung informellen Lernens stellt sich die Frage, welche Zielsetzung Lernende mit ihren informellen Lernprojekten verbinden und welche Anlässe oder Stimuli sich identifizieren lassen. Von besonderem Interesse wäre die Bearbeitung dieser Fragen im Hinblick auf Motivationslagen in unterschiedlichen informellen Lernkontexten, wie zum Beispiel Arbeit, Urlaub, Familienphase, in Museen oder Naturschutzeinrichtungen.
  2. Auf der Ebene der Organisationen und Institutionen sind es u.a. ökonomische oder pädagogische Interessen, die die Haltung zum informellen Lernen prägen.
    Personal- und Bildungsverantwortliche in Unternehmen ebenso wie in Schulen, Hochschulen, außerschulische Bildungs- und Freizeiteinrichtungen oder NGOs haben in den letzten Jahren das informelle Lernen für sich entdeckt. Hier wäre zu fragen, welche Ziele und Hoffnungen – vielleicht auch Kalküle – in diesen Einrichtungen mit der Propagierung und Förderung des informellen Lernens verbunden werden.
    Organisationen sind aber selbst nicht nur Orte informellen Lernens, sondern können auch Dienstleistungen zur Unterstützung informellen Lernens anbieten. Auch hier stellt sich die Frage, welche Motive und Hoffnungen Grundlage für dieses Engagement sind, aber auch, was andererseits Institutionen und Organisationen hinsichtlich einer Öffnung hin zum informellen Lernen zurückhält.
  3. Auf einer bildungspolitischen Ebene steht informelles Lernen als wesentlicher Teil des Lebenslangen Lernens schon länger auf der Agenda (auf europäischer Ebene schon seit den 1970ern; in Deutschland seit Mitte der 1990er). Zahlreiche Papiere und Memoranden wurden hierzu verfasst, Expertisen in Auftrag gegeben und Projekte durchgeführt. Interessenvertreter der Wirtschaft, der Arbeitnehmer und der Forschung positionieren sich zum informellen Lernen. Welche Motivlagen und Zielsetzungen verbergen sich aber hinter ihren Argumentationen? Was versprechen sich Bildungspolitiker auf nationaler und internationaler Ebene von der Förderung informeller Lernprozesse und der Zertifizierung von deren Ergebnissen?

Wie sich hier andeutet, können sich die Motivationslagen für informelles Lernen auf sehr unterschiedlichen Ebenen bewegen. Dabei können gleichen Zielen auch widersprechende Motive und Interessen zugrunde liegen. Auch solche Divergenzen und Differenzen und mögliche Folgen gilt es zu eruieren und zu thematisieren.

Informelles Lernen wird dabei als ein Lernen verstanden, dass sich auf der einen Seite gegenüber organisiertem Lernen in didaktisch gestalteten Lernarrangements abgrenzen lässt, auf der anderen Seite aber auch zahlreiche Schnittstellen dazu aufweist. In diesem Sinne beziehen sich Motivationslagen für informelles Lernen auch auf die Verbindung(sstellen) formellen und informellen Lernens.”

Der Call ist hier zu finden und Hinweise zur Manuskriptgestaltung hier.

Beiträge werden bis zum 1. Dezember entgegengenommen. Bei Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Matthias Rohs (mail@matthias-rohs.de)

Bernhard Schmidt (b.schmidt@lmu.de)

Veröffentlicht unter Calls

Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens in Deutschland

von Matthias Rohs - 5. June 2008

Die Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen ist ein Thema, dass durch die europäische Bildungspolitik immer wieder forciert und breit diskutiert wird. So hat dieses Thema auch lange Zeit die gesamte Diskussion zum informellen Lernen dominiert. Erst jetzt kommen zunehmend wieder Publikationen heraus, die sich auch mit den informellen Lernprozessen beschäftigen. Eine richtige Entwicklung, wie ich finde.

Aber was ist nun Ergebnis der Bemühungen zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. In einer neuen Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird der Stand zur Anerkennung non-formal und informell erworbenen Lernens in Deutschland zusammengefasst.

“Der Länderbericht für die Bundesrepublik Deutsch­land ist Teil einer OECD-Aktivität zur Anerken­nung non-formalen und informellen Lernens, das als ein zentraler Ansatz gesehen wird, Lebens­langes Lernen für alle zu einer gesellschaftlichen Realität werden zu lassen. Ziel des OECD-Vorha­bens ist es, Transparenz herzustellen, die Bedin­gungen zu klären, unter denen die Anerkennung non-formalen und informellen Lernens für alle einen Mehrwert erzielt, und politischen Funk­tionsträgern Hinweise für die Entwicklung von Systemen zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens zu liefern. Entsprechend zielt das Vorhaben sowohl auf eine Bestandsauf­nahme als auch auf Informationen dazu, welche gesellschaftlichen Gruppen von der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens profitie­ren und welche davon ausgegrenzt sind, welche der bestehenden Systeme funktionieren und welche nicht, und letztlich auf die Ermittlung von wirkungsvollen, nützlichen und gerechten Modellen.“

Die Broschüre bietet auch für diejenigen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, einen grundlegenden Ein- und Überblick über die Thematik. Auf der methodischer Seite fehlte mir jedoch gelegentlich die Tiefe.

Quellen:

BMBF (2008) (Hrsg.). Stand der Anerkennung non-formalen und informellen Lernens in Deutschland. Im Internet: http://www.bmbf.de/pub/non-formales_u_informelles_lernen_ind_deutschland.pdf

BMBF (2008) (Ed.). Status of Recognition of non-formal and informal learning in Germany. Online: http://www.bmbf.de/pub/non-formal_and_informal_learning_in_germany.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Berufssbildung, Veröffentlichungen

Informelles aus Österreich

von Gast - 5. June 2008

Gastbeitrag von Reinhard Zürcher

An den österreichischen Universitäten ist informelles Lernen, bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Csanyi/Jerlich), nach wie vor kein Thema. So gibt es vor allem von zwei Dingen zu berichten: Vom Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) sowie von einigen Projekten.

Der NQR befindet sich in der Konsultationsphase, die von Januar bis Juni 2008 angesetzt ist (BMUKK). Die wesentlichen Papiere dazu sind das Konsultationspapier, die Anhänge dazu sowie die von einer Forscher/innen-Gruppe im Vorfeld des Konsultationsprozesses erstellten vertiefenden Analysen. Geplant ist, bis Ende 2010 alle formalen Qualifikationen dem NQR zuzuordnen und gleichzeitig „erste Schritte zur Darstellung von Qualifikationen im nicht-formalen und informellen Bereich“ zu unternehmen.
Während nun fraglos die besten Absichten hinter der Entwicklung des NQR stehen und im Zuge dieses Prozesses erstmals ernsthaft über den nicht-formalen und informellen Kompetenzerwerb nachgedacht wird, so sind doch einige Punkte nicht zu übersehen: Die „Nationale Steuerungsgruppe“ setzt sich vorwiegend aus Vertretungen des formalen Sektors zusammen; als zentrale Voraussetzung sollen „durch die Umsetzung des NQR keine aktuellen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für Qualifikationen verändert werden“; und die Zuordnung nicht-formal bzw. informell erworbener (Teil-)Qualifikationen soll erst im Anschluss an das formale Gerüst erfolgen. Damit lässt sich absehen, dass das „Konvergenzmodell“ (Laur-Ernst) vor der Tür steht und das außerhalb des formalen Bildungssystems Gelernte an dessen Standards gemessen wird.

Auf der Projektebene ist momentan die 3s Unternehmensberatung besonders aktiv, indem sie sich an einer Reihe von nationalen und EU-Projekten (ESO-CRS; ESO-CERT; OBSERVAL; CREDIVOC; VQTS II) beteiligt. Hier geht es um Vorhaben, die sich auf beruflicher Ebene mit der Standardisierung und Zertifizierung auch nicht-formal und informell erworbener Kompetenzen, mit der Ausarbeitung eines handhabbaren ECVET-Systems sowie mit der Zuordnung zu NQR bzw. zum EQR beschäftigen.

Ein Projekt in Oberösterreich mit dem Titel „DU kannst was!“ (Bauer) wurde im Juni 2007 genehmigt. Es versucht, Personen mit abgebrochener Lehre das Nachholen des Lehrabschlusses zu ermöglichen. Nach Beendigung des Projekts sollen für neun Berufe Verfahren zur Anerkennung und Validierung nicht-formal und informell erworbener Kompetenzen vorliegen.

Abschließend noch ein Hinweis auf das – bereits 2007 finalisierte – Projekt „SkillsNet Kärnten“, zu dem unter anderem die folgenden zwei Dokumente vorliegen: Schlögl/Neubauer geben einen Überblick zum nicht-formalen und informellen Lernen in diesem Bundesland, während Preißer die Methoden und Verfahren der Kompetenzbilanzierung im deutschsprachigen Raum übersichtlich zusammenfasst.

Quellen:

Bauer, Fritz:
DU kannst was! Perspektiven des oberösterreichischen Pilotprojekts zur Anerkennung informell und non-formal erworbener Kompetenzen für den Beruf; BMUKK/Medienpool, 2008 (11 S)
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/16313/nqr_konf08_bauer.pdf

BMUKK:
„Bildung ohne Sackgassen“. Die Entwicklung eines Nationalen Qualifikationsrahmens für Österreich; Wien, 2008
http://www.bmukk.gv.at/europa/bildung/nqr/nationaler_qualifikationsrah.xml

BMUKK / BMWF:
Konsultationspapier – Nationaler Qualifikationsrahmen für Österreich; Wien, 2008 (30 S)
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/15830/nqr_konpap_08.pdf

Anhänge zum Konsultationspapier – Nationaler Qualifikationsrahmen für Österreich; Wien, 2008 (31 S)
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/15832/nqr_konpap_ahang_08.pdf

Csanyi, Gottfried / Jerlich, Jutta:
Blackbox Lernprozess und informelle Lernszenarien; Vortrag bei der 12. Europäischen Jahrestagung “Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft”, Hamburg, 12.-14.09.2007 (11 S)
http://publik.tuwien.ac.at/files/pub-misc_436.pdf

Laur-Ernst, Ute:
Informelles und formalisiertes Lernen in der Wissensgesellschaft (S. 47-62); 2002
http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pr_pr-material_2002_fachkongress_forum3.pdf

Preißer, Rüdiger:
Methoden und Verfahren der Kompetenzbilanzierung im deutschsprachigen Raum; ÖIBF, Wien, August 2007 (39 S)
http://www.oeibf.at/_TCgi_Images/oeibf/20080212131347_oeibf_Kompetenzbilanzierung_2007_08_30.pdf

Schlögl, Peter / Neubauer, Barbara:
Lebenslanges Lernen in Kärnten. Sonderauswertung des Mikrozensus 2003 ad hoc Moduls LLL für das Bundesland Kärnten; ÖIBF, Wien, April 2007 (121 S)
http://www.oeibf.at/_TCgi_Images/oeibf/20080212131146_oeibf_LLL%20in%20Ktn.pdf

Schneeberger, Arthur / Lassnigg, Lorenz / Vogtenhuber,Stefan / Luomi-Messerer, Karin / Lengauer, Sonja / Markowitsch, Jörg / Schlögl, Peter / Neubauer, Barbara:
Entwicklung eines Nationalen Qualifikationsrahmens für Österreich – Vertiefende Analysen; Wien, Dezember 2007 (95 S)
http://www.bmukk.gv.at/medienpool/15833/nqr_analyse_08.pdf

Veröffentlicht unter Bildungspolitik, Projekte

Conference & Call “Popular Education”

von Matthias Rohs - 3. June 2008

In der letzten Woche hat mich eine Mail von Rick Flowers erreicht, in der er mich bat auf die Konferenz “Popular Education” hinzuweisen. Mit war zunächst unklar, welcher Zusammenhang zwischen dem informellen Lernen und der “Popular Education” besteht, da mir dieser Begriff nicht geläufig war. Zum Glück hat er – in weiser Voraussicht – ein Dokument zur näheren Erklärung des Begriffs “Popular Education” der Mail beigefügt.

 

ACHTUNG!!! TERMIN HAT SICH VERSCHOBEN. SOBALD ES NEUIGKEITEN GIBT, WERDE ICH SIE HIER BEKANNTGEBEN.

–
POPULAR EDUCATION IN THE GERMAN-SPEAKING WORLD
‘POPULAR EDUCATION’ IM DEUTSCH-SPRACHIGEN RAUM

Conference / Tagung
February 5th and 6th 2009
Universität Duisburg-Essen, Germany

FIRST CONFERENCE NOTICE
(deutsch-sprachige Version unten)

Popular education, and literal translations in German (Volksbildung?), is a term which has not been widely used in German-speaking contexts. Nevertheless, the idea of a ‘popular education, ie an education that is rooted in the interests, aspirations and struggles of ordinary people, is implicit in various forms of education that have rich histories in German-speaking contexts. These forms include:

• informal education and social pedagogy in youth and community work
• working class education initiatives, especially in the nineteenth and early twentieth centuries
• political education in the face of authoritarianism and for democratic renewal
• adult education for social action and active citizenship
• education for international development and solidarity
• arts and cultural action.

There is a considerable amount of research and writing in German language about each of these forms and traditions. The purpose of this conference is to create an opportunity for German scholars to present their research to an audience of international popular educators. And conversely, the conference will enable English-language scholars who have researched aspects of popular education in the German-speaking world to present their work to a German audience.

There is an international network of popular educators but, to date, there are few links with kindred spirits in the German-speaking world. We hope this conference will enable more links to be built. While English will be the main language at the conference and in planned publications, you can correspond in German with Rick Flowers who is the conference convenor. Rick is a popular educator at the University of Technology, Sydney and will be a Visiting Professor at the University of Duisburg-Essen in the 2008/9 winter semester.

ERTSE TAGUNGSMITTEILUNG

Der Begriff ‘popular education’ ist als solcher im deutsch-sprachigen Raum kaum bekannt. Dennoch ist die Idee ‘popular education’ implizit in unterschiedlichen deutschsprachigen Bildungsformen und –traditionen vertreten, wie z.B. in einer Bildung, die durch die Interessen, Zielstrebungen und Kämpfe des Basisvolkes untermauert ist. Diese Bildungstraditionen haben im deutschsprachigen Raum eine lange and inhaltsvolle Geschichte. Unter diese Bildungsformen und –traditionen zählen:

• informelle und außerschulische Bildung, Sozialpädagogik, Jugendarbeit und Gemeinwesenarbeit
• Initiativen der Arbeiterbildung besonders im neunzehnten und früh-zwanzigsten Jahrhundert
• Politische Bildung gegen autoritäre Herrschaftsordungen und für demokatische Wiederaufbau
• Erwachsenenbildung, Bürgerinitiativen und bürgerschaftliches Engagement
• Erwachsenbildung, Entwicklungsarbeit and internationale Solidarität
• Kulturarbeit und gemeinwesenorientierte Kunst

Über diese Formen und Traditionen ist auf deutsch viel geschrieben und geforscht worden. Mit dieser Tagung wollen wir eine Gelegenheit für deutsche Akademiker schaffen ihre Forschungsarbeiten ausländischen ‘popular education’ Kollegen zu präsentieren. Und umgekehrt wollen wir es ermöglichen, dass Englisch-sprachige Akademiker, die über deutsche Formen der ‘popular education’ geschrieben haben, ihre Forschung deutschen Kollegen präsentieren können.

Das internationale Popular Education Network hat bis heute leider weing Kontakte und Beziehungen mit deutsch-sprachige Kollegen angeknüpft. Wir hoffen, dass diese Tagung solche Beziehungen aufbuauen wird. Englisch wird in dieser Tagung die Hauptsprache sein und geplante Veröffentlichungen werden alle auf englisch erscheinen, aber Sie können mit Rick Flowers auf deutsch korrespondieren. Er ist der Tagungsleiter. Er ist ein ‘popular educator’ an der University of Technology, Sydney und wird Gastprofessur an der Universität Duisburg-Essen im Wintersemester 2008/9 sein.

EXPRESSIONS OF INTEREST
to Rick.Flowers@uts.edu.au by June 30th, 2008

These can be in German or English. The first stage of the conference planning will be to find out how much interest there is and what thematic areas will likely be represented. See below for a more extensive description and discussion of popular education as that may help you decide whether or how your theory and practice connects with popular educators in other parts of the world. Please write to Rick indicating whether you are interested to:

• attend only as a participant
• lead and facilitate a workshop
• prepare and present a paper
• prepare a paper for a post-conference publication.

Please briefly describe which particular forms and traditions of popular education you are interested in.

INTERESSE ANMELDEN
an Rick.Flowers@uts.edu.au bis Ende Juni, 2008

Sie können Interesse auf English oder Deutsch anmelden. Die erste Phase der Tagungsplanung ist es festzustellen wiewiel Interrese vorhanden ist und welche Themen Interessen Teilnehmer haben. Angehängt ist eine ausgedehnte Beschreibung und Diskussion über popular education. Dies dient für Sie als Hilfestellung einzuschätzen zu können inwiefern Ihre Theorie und Praxis eine Beziehung mit popular educators von anderen Ländern hat. Schreiben Sie bitte an Rick und teilen Sie ihm mit ob Sie Interesse hätten:

• lediglich als Tagunsteilnehmer mitzumachen
• ein Workshop zu leiten
• ein Referat vorzubereiten and vorzutragen
• ein ‘Paper’ nach der Tagung zu veröffentlichen.

Können Sie kurz beschreiben welche Bildungsformen und –traditionen der popular education Sie interessieren?

CALL FOR WORKSHOP PROPOSALS AND PAPERS
by October 30th, 2008

more details in future conference notices

FRISTTERMIN FÜR REFERAT UND WORKSHOP ANTRÄGE
bis Oktober 30, 2008

Einzelheiten folgen

Veröffentlicht unter Projekte

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