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Blog-Archiv für December 2008

Emotions in Nonformal Educational Setting

von Matthias Rohs - 18. December 2008

An dieser Stelle möchte ich auf die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift New Directions for Adult and Continuing Education aufmerksam machen. Sie widmet sich den Gefühlen/Emotionen beim Lernen. Ein Aspekt, der gerade auch für das informelle Lernen von Interesse ist, wie die Arbeiten vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. – ISF München um Fritz Böhle und der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung – GAB München aufgezeigt haben. 

Edward W. Taylor schreibt in seinem Artikel mit dem Titel Teaching and emotions in a nonformal educational setting

“Emotions play a key role in teaching in nonformal educational settings. Developing an awareness of learner emotions and their relationship to nonformal learning experiences is an essential practice for the nonformal educator.” (S. 79)

Man könnte sogar noch etwas weitergehen und sagen, dass gerade in der Betonung von Gefühlen/Emotionen ein zentraler Vorteil informellen Lernens gegenüber dem formalem Lernen liegt. Dabei ist es nicht nur das Handwerk, das ein hohes Mass an Gefühl für das Produkt bedarf, sondern auch in komplexen Arbeitszusammenhängen, wie der Informationstechnologie, spielt bei schwierigen Entscheidungen oft das Gefühl oder die Intuition eine wichtige Rolle.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch schon mal auf Andreas Zeuch hinweisen, der  sich mit der Bedeutung von Intuition und Nicht-Wissen für das Management beschäftigt. Dazu wird er im Januar hier einen Gastbeitrag schreiben.

Quellen:
John M. Dirkx (Hrsg.) (2008). New Directions for Adult and Continuing Education, Adult Learning and the Emotional Self, 120. Wiley Periodicals, Inc. Published online in Wiley InterScience http://www3.interscience.wiley.com/journal/86011352/home

Hans G. Bauer, Fritz Böhle, Claudia Munz Sabine Pfeiffer, Peter Woicke (2006). Hightech-Gespür – Erfahrungsgeleitetes Arbeiten und Lernen in hochtechnisierten Arbeitsbereichen. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Veröffentlicht unter Veröffentlichungen

Informelles auf der Learntec 2009

von Matthias Rohs - 16. December 2008

Learntec Logo“Walk your talk” ist das Motto der Learntec 2009, also so viel wie “lebe das was du sagst” oder “auf Worte auch Taten folgen lassen”. In der Tat ist mein Eindruck, dass das Thema E-Learning und vor allem die Konferenzen lange von der Phantasie des Möglichen gelebt haben. Darunter waren viele schöne Ideen, die es dann letztlich doch nicht in die Praxis geschafft haben. Und so ist es wohl Zeit, die Dinge etwas realistischer zu betrachten.

Im Nachhinhein ist man natürlich immer schlauer und so könnte man sagen, dass die Entwicklung des E-Learning in Unternehmen vom Buzzword zum Buh-Wort vorhersehbar war. Viel zu oft stand das (technisch) Mögliche vor dem Sinnvollen. Das ist nun keine neue Erkenntnis und dennoch finde ich es bemerkenswert, dass nun auch eine der grossen deutschen E-Learning-Konferenzen in seinem Motto auch diesen “Weg der Erkenntnis” geht und statt auf Worte auf Taten oder zumindest das Machbare fokussiert.

Und dieser Weg beginnt in der Praxis, bei den Bedürfnissen der Schüler, Studierenden und Mitarbeiter. Und hier hat sich mit dem Web 2.0 gezeigt, wie sich Abseits des formalen E-Learning eine (Lern)Umgebung entwickeln kann, die den Bedürfnissen nach Kommunikation und Austausch gerecht wird. Und es kann sich die Frage gestellt werden, ob es nicht sinnvoller wäre und ist, sich bei den Überlegungen zur Zukunft des E-Learning an diesen informellen Lernstrukturen zu orientieren oder zumindest Schnittstellen und Links zwischen formellem und informellem Lernen zu finden.

Unter den Begriffen des Enterprise 2.0 und der University 2.0 werden solche Szenarien entwickelt und erprobt, wobei noch nicht absehbar ist, ob es Unternehmen wie Universitäten grundlegend verändern wird. Nicht selten wird dabei die neue “Net”-Generation der Studierenden als Argument ins Feld geführt, die den gewohnten Umgang mit neuen Technologien in die Bildungseinrichtungen und Universitäten bringen wird. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass das Fundament dieser Hoffnungen und Erwartungen nicht allzu fest ist.

Die Net-Generation erweist sich zwar als medienaffin, aber nicht in jedem Fall auch medienkompetent. Ob sie wirklich dem E-Learning an Hochschulen zum Durchbruch verhelfen werden ist fraglich – da sie oft auch nicht gefragt werden. So ist der Veränderungsdruck auch auszuhalten und es taucht auch schon mal die Frage auf, ob das informelle (e-)Lernen überhaupt einen Platz an einer Bildungseinrichtung hat. Oder werden wir mit den zunehmenden Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, mit Wikipedia und Open Educational Resources zwei “Lernwelten” haben? Die formelle Lernwelt in der Universität und die informelle Lernwelt ausserhalb?

Ganz wird die Hochschule wohl den Entwicklungen nicht entgehen könen. Bei einem Vortrag in dieser Woche erzählte ein Teilnehmer (Hochschuldozent), welche Auswirkungen das Web auf seinen Unterricht hat: Wenn er eine Jahreszahl nur ungefähr eingrenzen kann, haben die Studierenden in Null-Komma-Nichts die genaue! Jahreszahl aus dem Netz gefischt. Nicht nur Ungenauigkeiten werden so schnell bestraft, sondern das Web wird als Argumentationsgegner der Dozierenden in den Hörsaal geholt. Die Folgen sind bisher noch nicht absehbar.

Und danach gehen die Studierenden in die Unternehmen und mit ihr zumindest teilweise auch jene, die als Digital Natives bezeichnet werden können. Fast zwangsläufig werden sie sich in wissensintensiven Dienstleistungsbereichen wiederfinden, wo nicht nur der Bedarf am schnellen Durchsatz der Informationen gross ist, sondern auch eine entsprechende Arbeitskultur zu finden ist, die die Freiräume für technologische Experimente und freie Zeiteinteilung zulassen.  Dabei kann nicht davon ausgegangen werden, dass  Unternehmen eine grosse informelle “Lernwiese” werden. Der always onlearn – äh online-Status  der Mitarbeiter wird nicht ohne Zugeständnisse an Handlungsspielräume und vielleicht auch Macht möglich sein.

In meinem Vortrag auf der Learntec mit dem Titel “Informelles E-Learning und die neue Freiheit für das Lernen in Hochschulen und Unternehmen” werde ich die hier aufgezeigten Zusammenhänge unter die Lupe nehmen und das eine oder andere kritisch hinterfragen. Damit werde ich dann hoffentlich auch einen Beitrag zur Erdung des E-Learning leisten, wenn auch vielleicht mit einem Thema, dass sonst auf dem Kongress – bis auf den Vortrag von Meinrad Rombach zum Thema  “Networking – the informal break” – wenig Erwähnung findet.

Nachtrag: Fast hätte ich übersehen, dass auch Jay Cross auf der Learntec ist und in einem Workshop über Chancen und Risiken virtueller Teams diskutiert. In diesem Zusammenhang wird er sicherlich auch was zum informellen Lernen sagen. Und wer ihn noch nicht auf der EduMedia oder der Online-Educa gesehen hat, erhält hier dann die Möglichkeit für ein Gespräch mit dem “Champion of Informal Learning”.

Veröffentlicht unter Veranstaltungen

Reminder: “Warum informell Lernen? Argumente und Motive”

von Matthias Rohs - 9. December 2008

Ja, was ist dran, am informellen Lernen? Warum wird es von PädagogInnen gefordert, von der Politik unterstützt und Unternehmen begrüsst? Welche Interessen und Motive liegen dahinter? Diesen und anderen Fragen sollen in der Frühjahrsausgabe 2009 der Online-Zeitschrift Bildungsforschung behandelt werden. Noch bis Ende Januar werden Beiträge entgegengenommen. Bei Fragen können Sie sich direkt an die Herausgeber Bernhard Schmidt und Matthias Rohs wenden.

zum Call: http://bildungsforschung.org/bildungsforschung/vorschau/cfp-2009-01

Veröffentlicht unter Calls

Informelles Lernen für Nachhaltigkeit – Die Entwicklung von Nachhaltigkeitsformaten in den audio-visuellen Medien

von Matthias Rohs - 9. December 2008

Ulrike Devers-Kanoglu hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es im aktuellen BNE-Journal einen Artikel von Gesa Lürecke zum Thema Informelles Lernen für Nachhaltigkeit gibt. Gesa Lüdecke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg. Der Artikel zeigt auf, was das informelle Lernen über (Massen)Medien im Kontext der Bildung für Nachhaltige Entwicklung leisten kann:

“Es wurde jahrelang durch Katastrophenszenarien und Weltuntergangsstimmung in den Medien geprägt, was dazu führte, dass sich ein Ohnmachtsgefühl gegenüber der Umweltzerstörung auf Seiten der Bevölkerung einstellte. Dieses erschwerte jegliche Lernprozesse und unterband viele Formen des Handelns. Diese Art der Kommunikation wirkte und wirkt wenig sensibilisierend für eine intrinsisch motivierte Auseinandersetzung mit Umweltproblemen. Die neuerliche Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsthemen in den Medien versucht aus dieser Erfahrung zu lernen und sich in der gegenwärtigen Kommunikation anderer Stilmittel zu bedienen. Das Informelle Lernen als Ansatz außerschulischer Kompetenzbildung leistet hier einen entscheidenden Beitrag.”

Interessant war für mich vor allem der Zusammenhang zwischen informellen Lernen und Reflexion. Informelles Lernen ist ja zumindest in Teilen ein unreflektiertes Lernen aber gerade “Nachhaltigkeitsthemen verlangen eben diese bewusste Reflexion, die eine Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungsweisen voraussetzt.” Dies, so die Autoren, erfolgt vor allem durch den sozialen Austausch, der z. B. Medienberichterstattungen angeregt wird. Fernsehen ist also nicht nur Zerstreuung, sondern auch Anlass zur kritischen Reflexion des eigenen Verhaltens. Aber, so die Autorin, es kommt eben darauf an, wie die Medienpräsenz des Themas gestaltet wird und z. B. an konkrete Problemlagen anknüpft.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht und die Probleme liegen wohl auch Abseits der  Sendeformate. So stellt Lüdecke abschliessend die Frage, “über welches Medium zukünftige Generationen am ehesten erreicht” wird. Vielleicht mal ein YouTube-Video einstellen oder eine Gruppe in SchülerVZ gründen?
 
Quelle:

Lüdecke, G. (2008). Informelles Lernen für Nachhaltigkeit -   Die Entwicklung von Nachhaltigkeitsformaten in den audio-visuellen Medien.  5. Im Internet: http://62.50.45.117/coremedia/generator/pm/de/Ausgabe__005/01__Beitr_C3_A4ge/L_C3_BCdecke_3A_20Informelles_20Lernen_20f_C3_BCr_20Nachhaltigkeit.html

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