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Blog-Archiv für December 2009

Rezension: Schleicher (2009). Lernen im Leben und für das Leben

von Matthias Rohs - 28. December 2009

Klaus Schleicher, emeritierter Professor für Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, hat nach der Monographie “Zur Biographie Europas: Identität durch Alltagshandeln” (2007) mit “Lernen im Leben und für das Leben” ein zweites Buch im Krämer Verlag veröffentlicht, dass sich nun systematischer mit dem informellen Lernen beschäftigt.
Das Buch gliedert sich neben Einleitung und Ausblick in sieben Kapitel: (1) Wahrnehmung des informellen Lernens, (2) Eingrenzungen und Potentiale des informellen Lernens, (3) Historische und internationale Entwicklung, (4) Bedeutung von Werteinstellungen, (5) Zertifizierung von informellem Lernen, (6) Vernetzung von Lernkontexten, (7) Bildungspolitische und didaktische Herausforderungen. Jeweils zu Beginn jedes Kapitels werden grundlegende Fragen an das Kapitel formuliert.
Schleicher nennt als Ziel seines Buches “Anregungen zur theoretischen und praktischen Folgerungen für eine Steigerung individueller Kompetenzen und Selbststeuerungen, aber auch für ein erweitertes gesellschaftliches und europäisches Bildungsengagement zu bieten.” (S. 17).
Das Buch bietet eine fundierte Einordnung der Bedeutung informellen Lernens, sowohl aus einer historischen, pädagogisch-normativen als auch methodischen Perspektive. Auf der Grundlage breiten fachlichen Sachverstands stellt Schleicher zahlreiche Bezüge zwischen dem informellen Lernen und anderen pädagogischen und didaktischen Diskussionen her. Dies ist für einen Überblick zur Einordnung informellen Lernens sehr wertvoll, teilweise fehlt dem Buch trotz vieler Zusammenfassungen jedoch die Systematik und Darstellung, die bei der Erschliessung dieser vielfältigen Beziehungen und Gedanken hilft.
Schleicher fokussiert sich bei der Darstellung vor allem auf den Bereich der Berufsbildung und dem Lernen mit Medien. Während er den ersten Bereich sehr fundiert auch im internationalen Vergleich darstellt, fehlt mir bei der Behandlung des Medienthemas die fachliche Tiefe der Diskussion. Dies kann auch nicht Anspruch dieser Überblicksdarstellung sein, als Schwerpunkt des Buches fällt es jedoch hinter anderen Themen (z.B. Zertfizierung) zurück.
Positiv fällt die breite (auch englischsprachige) Rezeption der Literatur zum Thema auf, die sich zudem duch hohe Aktualität auszeichnet. Zur Darstellung der Grundlagen bezieht sich Schleicher dabei stark auf zwei Diplomarbeiten (Wurm 2007 und Stegemann 2008), deren Qualität ich nicht einschätzen kann.
Kritisch anzumerken ist in erster Linie die Umsetzung des Buches. Sowohl für Text (Schreibfehler, uneinheitliche Formatierungen) als auch Grafiken (unleserlich, überkomplex) wäre ein Lektorat hilfreich gewesen. Das Buch verliert dadurch sehr am professionellen Eindruck.
Ohne Frage handelt es sich bei “Lernen im Leben und für das Leben” um ein Buch, das neue Impulse für die wissenschafliche als auch bildungspolitische Diskussion zum informellen Lernen gibt. Schleicher erdet die Auseinandersetzung zum informellen Lernen in Deutschland sowohl historisch, als auch im internationalen Vergleich. Damit leistet er einen wesentlichen Beitrag, die Auseinandersetzung zum informellen Lernen auf eine sachliche Ebene zurückzuholen und Chancen, Risiken und Potentiale richtig einzuschätzen.
Aufgrund der zahlreichen Facetten des informellen Lernens, die in diesem Buch angesprochen werden, hält es für jeden Leser etwas bereit. Gleichzeitig überfordert es dadurch aber auch teilweise, weil die Darstellung der inhaltlichen Dichte und Komplexität nicht entspricht. Das Buch geht damit einen sehr problematischen Spagat, da es auf der einen Seite für die Wissenschaft zwar interessant ist, aber in den Spezialbereichen dann doch nicht tief genug geht. Auf der anderen Seite verschenkt es aus den genannten Gründen das hohe Potential als Buch für den Einstieg und Überblick zum informellen Lernen. Dennoch sei es aufgrund des hohen inhaltlichen Niveaus allen Interessierten sehr empfohlen.

Quellen
Schleicher, K. (2009). Leben im Leben und für das Leben: Informelles Lernen als Zukunftsaufgabe. Hamburg: Krämer Verlag.
Schleicher, K. (2007). Zur Biographie Europas: Identität durch Alltagshandeln. Hamburg. Krämer Verlag.
Stegemann, A. (2008). Informelles Lernen. Identifizierung, Bewertung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen. Hamburg: Diplomica.
Wurm, S. (2007). Informelles Lernen: Ein Überblick. Hamburg: Diplomica.

Veröffentlicht unter Berufssbildung, Bildungspolitik, Veröffentlichungen

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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch

von Matthias Rohs - 23. December 2009

Allen Leserinnen und Lesern, Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Bekannten ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Matthias Rohs

Veröffentlicht unter Allgemein

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Aktuelle Informationen zum informellen Lernen

von Matthias Rohs - 11. December 2009

Nicht alle Informationen zum informellen Lernen lassen sich hier in diesem Blog einbringen. Daher habe ich noch zwei Hinweise:

Zum einen twitter ich regelmässig kleine Informationen, für die sich ein Blogbeitrag nicht lohnt, unter diesem Account http://twitter.com/2_headz

Zum anderen habe ich eine öffentliche Netvibes-Seite eingerichtet, mit ein paar Feeds zum informellen Lernen (Literatur, Blogbeiträge etc. http://www.netvibes.com/mrohs

Viel Spass dabei

Veröffentlicht unter Allgemein

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European Guidelines for Validating Non-Formal and Informal Learning

von Matthias Rohs - 11. December 2009

Das CEDEFOP (The European Centre for the Development of Vocational Training (Cedefop) is the European Union’s reference centre for vocational education and training) hat Europäische Richtlinien zur Bewertung non-formallen und informellen Lernens veröffentlicht. Die Publikation beleuchtet die Bedeutung der Thematik europäischer, nationaler, organisationaler und individueller Ebene und versucht sowohl die aktuelle Diskussion zu konsolidieren, als auch Empfehlungen für die Umsetzung zu geben (u.a. Checklisten). Folgende Übersicht fand ich dazu noch sehr interessant.

CEDEFOP 2009, S. 19

Quelle
CEDEFOP (2009). European Guidelines for Validating Non-Formal and Informal Learning. Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities. Online http://www.cedefop.europa.eu/etv/Upload/Information_resources/Bookshop/553/4054_en.pdf

Veröffentlicht unter Anerkennung, Bildungspolitik

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Arbeits- und Lernaufgaben für die Weiterbildung

von Matthias Rohs - 6. December 2009

Ohne dass es Intention gewesen wäre, häufen sich in letzter Zeit die Renzensionen in diesem Blog. Ob dies nun als Hinweis auf eine Zunahme der Publikationen im Bereich des informellen Lernens zu werten ist oder andere Gründe hat, kann ich nicht sagen. Nachdem ich hier nun auf die letzte von drei Publikationen aus der Reihe “Berufsbildung, Arbeit und Innovationen” des W.Bertelsmann Verlags eingehe, muss ich feststellen, dass schon wieder drei Bücher auf meinem Tisch liegen: Klaus Schleicher “Lernen und Leben für das Lernen”, Berhard Schmidt “Weiterbildung und informelles Lernen älterer Arbeitnehmer” sowie der Herausgeberband “Theorie und Praxis der Kompetenzfeststellung” von Dieter Münk und Eckart Severing. Aber nun zunächst zur Dissertation von Thomas Schröder, für deren Vorstellung hier ähnliches gilt wie bereits an dieser Stelle geschrieben.

***
Zu einer der aktuell größten Herausforderungen der beruflichen Bildung gehört der Umgang mit der hohen Dynamik beruflich relevanten Wissens. Dies trifft für die Weiterbildung mehr zu als für die Ausbildung und ist in den wissens- und forschungsintensiven Diensleistungs- und Produktionsbereichen mehr spürbar als im Handwerk. Gänzlich unbetroffen von dieser Entwicklung ist jedoch kein Berufsfeld. Als Lösungsansatz wird vor allem eine stärkere Verbindung von Lernen und Arbeiten gesehen, die in den letzten Jahren zu einer Renaissance von Methoden und Konzepten für das Lernen im Prozess der Arbeit geführt hat. Der Entwicklung inhärent ist die Gefahr einer zu stark funktionalen Ausrichtung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Daher muss die Qualität von entsprechenden Methoden für das Lernen im Arbeitsprozess auch daran gemessen werden, inwieweit sie konkreten Praxisbezug und nachhaltige Kompetenzentwicklung miteinander verbinden.
Die Dissertation von Thomas Schröder thematisiert mit Arbeits- und Lernaufgaben eine zentrale Lernform für das Lernen im Prozess der Arbeit. Arbeits- und Lernaufgaben zählen zu den aufgabenbezogenen Lernformen und verbinden gezielt konkretes Arbeitshandeln mit der Reflexion der Arbeitsgestaltung und -organisation (S. 231). Definitorisch grenzen sich Arbeits- und Lernaufgaben von den Lern- und Arbeitsaufgaben dadurch ab, dass Arbeits- und Lernaufgaben auf die betriebliche Arbeit und das informelle Lernen fokussieren, während bei Lern- und Arbeitsaufgaben das Lernen zentral ist und die Arbeit entsprechend gestaltet wird. Beide Lernformen haben jedoch zum Ziel formelles und informelles Lernen an der Schnittstelle zwischen Arbeiten und Lernen zu verbinden (S. 153).
Die zentralen Fragestellungen der Arbeit richten sich auf die theoretische Konzeption, sowie die Entwicklung, Implementierung und den Einsatz von Arbeits- und Lernaufgaben in der Praxis beruflich-betrieblicher Weiterbildung. Dazu werden zunächst Entwicklungstendenzen der beruflich-betrieblichen Weiterbildung aufgezeigt (Kapitel 2), bevor näher auf die Theorie und Praxis aufgabenbezogener Lernformen in der Berufsbildung eingegangen wird. Dabei werden zum einen vorliegende konzeptionelle Ansätze rezipiert und Unterschiede herausgearbeitet, als auch aufgabenbezogene Lernformen in Modellversuchen analysiert (Kapitel 3). Hervorzuheben ist dabei eine kritische Würdigung von Konzepten in der beruflichen Erstausbildung in der DDR – ein Bereich, der im Blickfeld vieler Wissenschaftler der Berufsbildung oft ausgeblendet ist.
Das 4. Kapitel behandelt als zentralen Untersuchungsgegenstand die Entwicklung und Erprobung einer Arbeits- und Lernaufgabenkonzeption im Entwicklungs- und Forschungsprojekt ITAQU – Informationstechnologie und arbeitsprozessorientierte Qualifizierung – und stellt die empirischen Ergebnisse des Projekts vor.
ITAQU ist in einer Reihe von Projekten zu sehen, die sich mit der Umsetzung und methodischen Ausgestaltung des IT-Weiterbildungssystems nach dem Ansatz der Arbeitsprozessorientierten Weiterbildung (APO) gewidmet haben. Die IT-Weiterbildung stellt aufgrund der rasanten technischen Entwicklung ein Bereich dar, der hohe Anforderungen an die Aktualität und die Praxisrelevanz der Weiterbildungsinhalte stellt, gleichzeitig aber auch grundlegendes Rüstzeug für den stetigen Wandel vermitteln muss. Die Verbindung formellen und informellen Lernens ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.
Im folgenden Kapitel wird als Ergebnis der Forschungsarbeit der konzeptionelle Ansatz von Arbeits- und Lernaufgaben für die beruflich-betriebliche Weiterbildung vorgestellt, wobei sowohl die theoretische Basis gelegt, als auch auf Aspekte der praktischen Umsetzung eingegangen wird.
Im abschließenden Kapitel werden Wirkpotenziale, als auch mögliche Defizite von Arbeits- und Lernaufgaben besprochen, sowie auf Forschungsperspektiven und –desiderate eingegangen.
Die Bedeutung der Arbeit von Schröder liegt in der systematischen Aufbereitung des Status Quo aufgabenbezogener Lernkonzepte und der anforderungsbezogenen Weiterentwicklung als Arbeits- und Lernaufgabe vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Berufsbildung und Erkenntnissen der Berufsbildungsforschung. Dabei bietet die Publikation sowohl eine gute Übersicht für Experten, als auch einen guten Einstieg in die Thematik für Personen mit strategischer oder konzeptioneller Verantwortung im Bereich der Berufsbildung. Das Buch bietet aber auch eine für Dissertationen eher untypische Konkretisierung der praktischen Umsetzung und Einbettung der entwickelten Methode.
Für die Forschung zum informellen Lernen hat die Arbeit vor allem einen praktischen Wert. Arbeits- und Lernaufgaben verbinden formelles und informelles Lernen, indem sie dem informellen Lernen eine (aufgabenbezogene) Struktur geben, sowie die Reflexion praktischer Erfahrungen anregen und unterstützen. Sie fördern darüber hinaus die Explikation des informellen Lernerfolgs und die Herstellung von Bezügen zwischen praktisch und theoretisch erworbenem Wissen. Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus die intendierte Wirkung der Arbeits- und Lernaufgaben auf die Verbesserung der Lernförderlichkeit des Arbeitsplatzes, was zu einer nachhaltigen Förderung informeller Lernprozesse auch über die konkrete Maßnahme der Aus- bzw. Weiterbildung beiträgt.
Neben den im Abschlusskapitel genannten Desidertaten, wie der Erforschung von Arbeits- und Lernaufgabensystemen oder der Wechselwirkungen mit anderen Lernformen und Qualifizierungselementen wäre meines Erachtens für eine bessere Einschätzung des Potenzials der Methode ein breiter Erfahrungshintergrund außerhalb der IT-Branche wünschenswert. Auch die Erprobung außerhalb der Rahmenbedingungen geförderter Modellversuche wäre für Rückschlüsse auf die praktische Relevanz des Ansatzes von Interesse. Dies liegt jedoch in der weiteren Rezeption des Arbeits- und Lernaufgaben durch Praxis und Forschung.

Quelle
Schröder, Thomas (2009). Arbeits. und Lernaufgaben für die Weiterbildung. Eine Lernform für das Lernen im Prozess der Arbeit. Reihe Berufsbidlung, Arbeit und Innovation. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Veröffentlicht unter Veröffentlichungen, Weiterbildung

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