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Blog-Archiv für February 2010

Bloggen zum informellen Lernen – Resümee und Adieu

von Matthias Rohs - 27. February 2010

Seit über zwei Jahre blogge ich jetzt zum informellen Lernen und habe knapp 150 Beiträge geschrieben, am häufigsten gelesen wurde der Beitrag “Informationen zum informellen E-Learning von der GMW 2008” . Aktuell habe ich über 100 Besucher am Tag, die 53 Kommentare hinterlassen haben. Am häufigsten kommentiert wurde der Beitrag “Wer spricht noch vom informellen Lernen?” (4). Im Blogranking ist der Blog auf Platz 67 (Wissenschaftliche Blogs) und irgendwann hat es der Blog auch mal in die Top 10 der Deutschen Weiterbildungsblogs geschafft. Wenn man bei Google (de) Informelles Lernen eingibt, erscheint der Blog auf Platz 2 und wenn man “informelles-lernen.de/blog” sucht, erhält man 3.340 Treffer. Soweit ein erstes Resümee in Zahlen.

Der informelle Blog verfolgt den Anspruch, “wissenschaftlich” zu sein. In diesem Fall bedeutet dies über wissenschaftliche Forschung zum informellen Lernen zu schreiben – d.h. in erster Linie. Inhaltlich sehe ich viele Überschneidungen zu anderen “Wissenschaftsblogs”. Es geht um die Ankündigung von Tagungen, Call for Papers, Rezensionen – weniger oder garnicht um die Diskussion von Theorien, Modelle oder Forschungsergebnissen. Wissenschaftsblogs haben damit einen eigenen Charakter und unterscheiden sich von anderen Blogs – sonst wären es ja auch keine Wissenschaftsblogs. Aber welche Konsequenzen hat dies nun?

Ich hatte hier als Reaktion auf die Bloganalyse von Schulmeister schon mal kurz resümiert; “Wenig Kommentare, wenig Diskussion, wenig neue Erkenntnisse – ausser vielleicht aus der Selbstreflexion.” In der Tat ist es so, dass der Blog mehr oder weniger eine Einbahnstrassen-Kommunikation war. Dies würde ich allerdings nicht nur negativ interpretieren, auch wenn sich die Frage stellt, ob es dem Anspruch eines Blogs gerecht wird.

Aber was könnten mögliche Ursachen für die geringe wechselseitige Kommunikation sein?

a) Stil: Provokante Beiträge bringen sicherlich mehr Feedback als ausgewogene Betrachtungen. Passen aber “Wissenschaftlichkeit” und Provokation zusammen? Oder geht es nicht vielmehr um ausgewogene Darstellungen? Ich habe in einem Beitrag angezweifelt, dass die in vielen Publikationen verwendete Aussage “80% der Lernens ist informell” viel zu kurz greift. Eine Behauptung, die sicherlich nicht der allgemeinen Überzeugung entspricht. Aber auch hier gab es wenig Reaktion.
b) Community: Dies könnte daran liegen, dass Weblogs eher das Hobby einer kleinen Wissenschaftscommunity sind. Die grosse Fachcommunity – beschäftigt sie sich gerade nicht auch inhaltlich mit dem Internet – kommuniziert in der Regel noch auf klassisches Weg: Offline. D.h., es fehlt unter Umständen noch die kritische Masse für eine Diskussion im Netz.
c) Inhalt: Die Beiträge sind eher “nüchtern”, ausgewogen, durchdacht und reflektiert oder einfach “nur” Informationen. Es erfordert entweder Zeit sich in das Thema einzuarbeiten um einen entsprechenden Kommentar zu schreiben, oder es beadrf keines Kommentars.

Allgemein wächst in mir die Erkenntnis, dass wissenschaftliches Bloggen in der hier praktizierten Form nicht in erster Linie dem Zweck des Austauschs, sondern der Information dient. Dies bedeutet nicht, dass Feedback nicht erwünscht ist, aber das Bloggen scheint nicht die richtige Form zu sein, um mit der Fachcommunity zu diskutieren. Ob dies nun am Blog liegt und daran, dass dieser öffentlich ist, oder am Medium Internet allgemein, kann ich noch nicht sagen.

Kommunikation findet aber auch nicht nur öffentlich über das Web statt. Ich bekomme regelmässig Mails von Personen, die Abschlussarbeiten schreiben und nach Literatur oder Forschungsergebnisse fragen.

Neben dem Informationscharakter für die Community hat so ein Blog auch eine persönliche Funktion als Wissensspeicher und Reflexionsinstrument. Ohne den Blog hätte ich mir über viele Themen weniger Gedanken gemacht. Gleichzeitig kostet das Bloggen auch viel Zeit, die für Lesen oder andere Publikationen fehlen. Gerade für die persönliche Karriere bringt daher ein Blog wenig (siehe auch hier). Auch wenn es vielleicht eine Wahrnehmung des “Informellen Blogs” in der Community gibt, habe ich nicht den Eindruck, dass dies dort relevant für die Wahrnehmung meiner Person ist. Eine gehörige Portion Enthusiasmus gehört beim Wissenschaftsbloggen also dazu.

Für mich wird dieses “Experiment” nun ein Ende finden. Ich werde im Headz Blog zwar weiter (und auch zum informellen Lernen) bloggen, aber den informellen Blog nicht weiterführen. Wir sind momentan dabei uns zu überlegen, wie wir insgesamt das Thema “informelles Lernen” neu im Netz präsentieren. Leider – und auch dies ist für uns ein Zeichen des mangelnden Interesses der Community an dieser Form der Kommunikation – gab es niemanden, der sich ernsthaft für eine Mitarbeit interessiert hat. Gerade vor dem Hintergrund, dass in GB das Learning Revolution-Netzwerk viel Beachtung findet, wundere ich mich darüber schon.

Alles in allem war das Wissenschaftsbloggen über informelles Lernen eine interessante Erfahrung, die ja vielleicht auch irgendwo ihre Fortsetzung findet. Die Erwartungen, auch dass kann man resümieren, wurden sicherlich nicht in allen Belangen erfüllt. Aber vielleicht ist es noch zu früh, ein abschliessendes Urteil über das Wissenschaftsbloggen an sich zu fällen. Warten wir es ab.

Veröffentlicht unter Allgemein

Ausserschulische Lernorte – Symposium auf der Didactica

von Matthias Rohs - 26. February 2010

Gerne möchte ich auf eine Veranstaltung von Autostadt hinweisen, die am 19. März auf der Didactica stattfindet:

„Kinder müssen Erfahrungen machen”, sagt der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther, der im Rahmen des Symposiums gemeinsam mit dem Journalisten und Filmemacher Reinhard Kahl, der Freizeitwissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Freericks, dem Autoren und Leiter des renommierten Schweizer Instituts Beatenberg Andreas Müller und anderen Experten diskutieren wird, wie außerschulische Lernorte hierbei unterstützen können.

Die Teilnehmer haben zudem die Möglichkeit, in Arbeitsgruppen mehr über Best-Practice-Beispiele zu erfahren und Fragen der Vernetzung von schulischer und außerschulischer Bildung zu diskutieren.

Autostadt-Symposium „Außerschulische Lernorte – Partner der Schule”

Freitag, 19. März 2010, 10 bis 16 Uhr,

Auf der didacta 2010 in Köln

Koelnmesse, Congress-Centrum Ost, Offenbachsaal

Eintritt frei, Anmeldung erbetenWeitere Informationen zu dem Symposium entnehmen Sie bitte der angehängten Datei. Leiten sie diese gern auch an andere Interessierte weiter.

Konnten wir Ihr Interesse an unserem Symposium wecken? Dann melden Sie sich am besten gleich an unter Tel. 05361 – 40-1412 oder per Mail unter didacta@autostadt.de. Anmeldeschluss ist Mittwoch, der 17. März 2010. Die Plätze sind begrenzt.

Veröffentlicht unter Freizeitforschung, Veranstaltungen

Kompetenzbilanzierung in der Schweiz

von Matthias Rohs - 11. February 2010

Das Thema Kompetenzbilanzierung gewinnt der in der berufspädagogischen Diskussion zunehmend an Bedeutung. Auch wenn es schon viele Jahre in der Diskussion ist, scheint es mir, dass aktuell mehr zu diesem Thema publiziert wird (u.a. Severing & Münk 2009, Strauch 2008, BWP 1/2010). Die Bilanzierung informell erworbener Kompetenzen spielt dabei (natürlich) auch eine wichtige Rolle. Gestern bin ich in diesem Zusammenhang auf eine interessante Website dazu gestossen, die das Verfahren in der Schweiz (Kanton Zürich) aufzeigt.

Zum Vorgehen:
Bei der Kompetenzenbilanzierung handelt es sich um ein systematisches Verfahren zur Erfassung Ihrer Erfahrungen und Lernleistungen.

Schritt 1 – Biografie
Sie stellen Ihre Erfahrungen zusammen: «Was habe ich bis heute alles gemacht? Was hat mich geprägt?»

Schritt 2 – Analyse der Erfahrungen
Sie analysieren Ihre Erfahrungen: «Was habe ich gelernt?»

Schritt 3 – Aktuelle Kompetenzen
Sie ordnen Ihre aktuellen Kompetenzen. Zudem holen Sie Meinungen anderer Personen ein: «Wie sehen mich Bekannte, Arbeitskolleginnen, Freunde?»

Schritt 4 – Selbstbeurteilung
Sie beurteilen die formulierten Kompetenzen und vertreten Ihre Bewertung glaubwürdig: «Wie gut kann ich das, was ich tue? Wie begründe ich glaubhaft meine Beurteilung?»

Zwischenhalt – Kernkompetenzen
Sie wählen Ihre wichtigsten Kompetenzen aus: «Wo liegen meine ausgeprägten Stärken? Was zählt für mich besonders?»

Schritt 5 – Aktionsplan
Sie planen Ihr weiteres Vorgehen: «Welche Ziele setze ich mir? Wie erreiche ich sie?»

Schritt 6 – Reflexion
Im Rückblick machen Sie sich Gedanken zu den bisherigen Schritten: «Was habe ich über mich erfahren? Wie ist es mir dabei ergangen, und was ist mein Fazit?»

Die Bilanzierung wird abgeschlossen durch ein persönliches gespräch mit einer Fachperson aus der Berufs­, Studien­ und Laufbahnberatung. Sie erhalten Rückmel­dungen zum Erarbeiteten, können Fragen klären und planen Ihre weiteren Schritte.

(siehe Flyer Kompetenzbilanz)

Darüber hinaus gibt es auch ein Validierungsverfahren zur Anerkennung anerkannter Berufsabschlüsse: Fachfrau/Fachmann Betreuung, Fachangestellte/r Gesundheit und aktuell auch für Informatiker. Als Voraussetzung werden einige Jahren Berufserfahrung” sowie Deutschkenntnisse angegeben. Da die Dokumentation über eine Internetapplikation erfolgt, sind zudem entsprechende Kenntnisse im Umgang damit erforderlich. Das Validierungsverfahren dauert ca. ein bis drei Jahre, je nach Voraussetzung. Die Kosten hängen von der in Anspruch genommenen Unterstützung ab und werden mit ca. 400-4000 Euro angegeben.

Zum Ablauf:

1. Information und Beratung
Der obligatorische Informationsanlass ist die Grundlage für alle weiteren Phasen des Verfahrens. Nach dieser halbtägigen Veranstaltung kennen Sie das Validierungsverfahren und können die
nächsten Schritte planen.

2.Bilanzierung
In einem persönlichen Dossier dokumentieren Sie vorhandenes Wissen und Können – selbstständig oder mit unterstützung in Seminaren und coachings. Sie belegen, welche Kompetenzen des anvisierten Berufes Sie bereits besitzen.

3. Beurteilung
Fachexpertinnen und ­-experten prüfen Ihr Dossier und vergleichen es mit dem Kompetenzprofil des angestrebten Berufsabschlusses.

4. Anrechnung
Sie erhalten von der zuständigen Behörde eine Bestätigung, welche der Kompetenzen als gleich­wertig anerkannt und welche Teile Ihrer Berufserfahrung angerechnet werden. Diese Bestätigung zeigt auch auf, welche Kompetenzen fehlen und in der ergänzenden Bildung nachgeholt werden müssen bzw. wie viel Berufserfahrung Sie für das eidgenössische Fähigkeitszeugnis noch benötigen.

Ergänzende Bildung
Sind in der Beurteilung Lücken erkennbar gewesen, können Sie diese in der ergänzenden Bildung schliessen. Ausgesuchte Berufsfachschulen bieten die passenden berufskundlichen
und allgemeinbildenden Kursmodule an.

5. Zertifizierung

Haben Sie die Module der ergänzenden Bildung absolviert und die noch fehlende Berufser­fahrung nachgeholt, reichen Sie die entsprechenden Bestätigungen zur Anerkennung ein. Erfüllen Sie nun alle Anforderungen des Berufsabschlusses, erhalten Sie das eidgenössische Fähigkeitszeugnis.

(siehe Flyer Validierungsverfahren)

Für die professionelle Begleitung des Anerkennungsverfahrens werden Personen eingesetzt, die über ein klar definiertes Kompetenzprofil verfügen, sowie an Schulungen teilnehmen müssen, die von verschiedenen Bildungsanbietern angeboten werden (z.B. Akademie für Erwachsenenbildung Schweiz)

Also ich muss schon sagen, dass ich auf den ersten Blick sehr begeistert bin. Weitere Informationen gibt es auf der eingangs erwähnten Website.

Quellen
Severing, e. & Münk, H. D. (2009). Theorie und Praxis der Kompetenzfeststellung im Betrieb – Status quo und Entwicklungsbedarf. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.
Strauch, A. (2008). Kompetenzbilanzierung im Betriebskontext: Eine Fallstudie. Hohengehren: Schneider Verlag

Veröffentlicht unter Anerkennung

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