Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Österreich
von Matthias Rohs - 16. January 2008Kumpfmüller, B. & Morgan, H. (2007). Erkennen und Anerkennen: Informelle Komptenzen und lebenslanges Lernen. Linz: Edition pro mente.
Die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen ist ein europäisches Thema, auch wenn der Entwicklung in den einzelnen europäischen Staaten sehr unterschiedlich vorangeschritten ist. Während Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Finnland und die Schweiz als vorbildlich hervorgehoben werden, ist der Status in den anderen Ländern weitgehend unbekannt. Umso interessanter ist die Publikation von Kumpfmüller & Morgan, die einen Überblick über die Situation in Österreich gibt.
In ihrem Buch berichten sie über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das sich der Erhebung und Analyse österreichischer Modellprojekte zur Kompetenzerfassung- und anerkennung, der Rolle der Kompetenzerfassung für regionale Vereine, Studium und Beruf annimmt (S. 7).
Die Tatsache, dass zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Österreich bisher wenig bekannt war, lag nach Meinung der Autoren wohl daran, dass das Thema von Politik und Fachöffentlichkeit lange wenig beachtet wurde (S. 15). Erst im Rahmen der zunehmenden Bedeutung im Rahmen der europäischen Bildungspolitik kam es auch hier auf die bildungspolitische Agenda. In den Leitlinien einer kohärenten LLL-Strategie für Österreich bis 2010 heißt es, dass “nicht-formale bzw. informelle Kompetenzen voll anerkannt werden” müssen. So gehört die “Entwicklung von Kompetenzportfolioinstrumenten zur Anerkennung von insbesondere informell erworbenen Wissen und Fähigkeiten” zu den Eckpfeilern einer innovativen LLL-Politik in Österreich.
In der Praxis wird die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen u. a. durch das neue Fachhochstudienschulgesetz umgesetzt, nach dem die Zulassung zum Fachhochschulstudium auch ohne Reifeprüfung möglich sein soll. Darüber hinaus werden im Buch fünf verschiedene Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen vorgestellt:
Bei der Entwicklung der unterschiedlichen Verfahren wurde sich eng an den internationalen Erfahrungen orientiert, wobei Modelle aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland als Basis herangezogen wurden (S. 69).
Bei aller Unterschiedlichkeit der methodischen Vorgehensweisen zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Österreich “sind gewisse gemeinsame Prinzipien erkennbar. Dazu gehören etwa das Wechselspiel zwischen Eigenarbeit und Betreuung sowie der Weg von der Reflexion über die Bewusstwerdung hin zur Strukturierung und Dokumentation.” (S. 91). Trotz dieser Gemeinsamkeiten ist “ein gemeinsames Vorgehen, etwa in Richtung allgemeiner Standards oder eines öffentlichkeitswirksamen Netzwerks” bislang nicht in Sicht (S. 93).
Das Buch bietet eine schnelle Übersicht über den Stand zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen in Österreich. Da sich nach eigenem Bekunden eher an der internalen Diskussion orientieret wird, als eigene Wege zu gehen, ist jedoch für den Experten und die Expertin mit wenig Neuem zu rechnen. Dennoch läßt sich mit der Lektüre eine Lücke in der Betrachtung der europäischen Entwicklung in diesem Feld schließen.

