Informelles Lernen in der Lehrerbildung
von Matthias Rohs - 20. January 2008
Wie schon hier berichtet, gab es in der Ausgabe 4/07 der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften einen Beitrag von Maren Heise zum Thema Professionelles Lernen jenseits von Fortbildungsmaßnahmen.
In diesem Beitrag geht sie ausführlich auf das informelle Lernen von Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland ein. (Eine gekürzte Fassung dazu findet sich auf unserer Website hier.)
Von dieser Berufsgruppe wird, so Heise, eine “selbstgesteuerte Entwicklung ihrer Kompetenzen erwartet” (S. 514). Doch wie sieht es in der Praxis aus? Die Fachlitertur deutet auf eine eher mangelhaft ausgebildetet Selbstlernpraxis der Lehrerinnen und Lehrer und wenig Fortbildungsaktivitäten hin (S. 516).
In Ihrer Untersuchung hat Heise auf verschiedene Studien zurückgegriffen (Mikrozensus, Erwärbstätigenbefragungen des Bundseinstituts für Berufsbildung u. a.) und diese sekundäranalytisch ausgewertet. Dabei stellte sie das informelle Lernen der Lehrerinnen und Lehrer dem informellen Lernen anderer akademischer Berufsgruppen (Ärzte, Ingenieure, Juristen) gegenüber. Dabei zeigte sich, dass Ärzte und Lehrer deutlich stärker informell lernen als Juristen und Ingenieure, wobei insgesamt eine Zunahme des informellen Lernens in allen genannten Berufsgruppen deutlich wurde (S. 522).
Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Anteil informellen Lernen nicht nur von der individuellen Motivation und der beruflichen Notwendigkeit, sondern auch von den Rahmenbedingungen abhängt. In diesem Zusammenhang bin ich auf eine (etwas ältere) Arbeit von Margeret C. Lohmann gestoßen, die die Rahmenbedingungen informellen Lernens für Lehrerinnen und Lehrer in den USA untersucht hat. Dabei stellte sich vier Faktoren heraus, die besonderen Einfluss auf das informellen Lernen haben:
a) Lack of time for learning
b) Lack of proximity to learning resources
c) Lack of meaningful rewards for learning
d) Limited decision-making power in school management
Die Autorin weist ausdrücklich darauf hin, dass die Situation von Lehrerinnen und Lehrern in Europa andere sind und damit die Bedeutung der Faktoren sich auch unterscheiden können. Ungeachtet der individuellen Bedeutung halte ich diese Faktoren jedoch ingesamt für bedeutsam und einen Anhaltspunkt für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für informelles Lernen von Lehrkräften.
Heise, M. (2007a). Informelles Lernen von Lehrkräften. Im Internet: http://www.informelleslernen.
de/fileadmin/dateien/Informelles_Lernen/Texte/Heise_2007.pdf
Heise, M. (2007b). Professionelles Lernen jenseits von Fortbildungsmassnahmen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 10 (4), 513-531.
Lohmann, M. C. (2000). Environmental Inhabitors to Informal Learning in the Workplace: A Case Study of Public School Teachers, In Adult Education Quarterly, 50, Nr. 2, S. 83-101.


May 18th, 2009 at 2:29 pm
[...] ich immer wieder zum informellen Lernen von LehrerInnen angesprochen und ausser den Arbeiten von Maren Heise ist mir immer nicht so sehr viel eingefallen. Dies will ich mal zum Anlass nehmen, um auf eine [...]