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Validation of Non-Formal and Informal Learning in Universities in France

von Matthias Rohs - 4. November 2009

Erst vor kurzem bin ich hier auf einen Artikel von Patrick Werquin zum Stand der Anerkennung informellen Lernen (in den OECD-Ländern) eingegangen. Nun gibt es eine schöne Ergänzung oder besser gesagt Spezialisierung dieses guten Artikels für die Anerkennung informellen bzw. non-formalen Lernens an Universitäten in Frankreich von Michel Feutrie, den ich kurz zusammenfassen möchte.

Zunächst beginnt Feutrie mit einer Begründung für die Notwendigkeit der Anerkennung informellen Lernens an Universitäten. Dabei bezieht er sich auf die zunehmende Bedeutung lebenslangen Lernens und dessen politische Verankerung in der europäischen Bildungspolitik und merkt an:

“The introduction of flexible learning offering opportunities to people engaged in professional life to come back to a university several times during their working life becomes necessitiy. As our activities at work or in socal life give us more and more opportunities to learn ‘return’ to an university programme requires now recognition and validation of what ’students’ learnt outside in non-formal and informal contexts.” (S. 187)

Weiter führt er aus:

“A survey (…) announces that in 58% of universities in Europe recognition of prior learning is available for entry to a course and in 52% for the award of a part of a diploma” (S. 187)

Nach der allgemeinen Einführung in das Thema widmet sich der Artikel der Beschreibung des Anerkennungssystems informellen Lernens in Frankreich. Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung ab 1985 wird der gesetzliche Rahmen abgesteckt, bevor das Vorgehen an sich beschrieben wird. Dabei macht Feutrie darauf aufmerksam, dass 15′000 Qualifikationen (festgehalten im Répertoire National des Certifications Professionelles) über informelles und non-formelles Lernen erreicht werden können (Ausnahme bilden der Gesundheits-, Verteidigungs- und Sicherheitsbereich). Im Zentrum des Anerkennungsprozesses steht eine Jury (zu einem Viertel bestehend aus Vertretern der Sozialpartner), die die Ergebnisse eine Dokumentation bzw. eines Assessments begutachten und entscheiden, ob der Kandidat den Abschluss erhält, bzw. welche weiteren “Module” er noch lernen muss.

2006 erhielten die Universitäten 3705 Dossiers zur Begutachtung von denen 94% durch eine Jury geprüft wurden. Die Hälfte der Kandidaten erhielt anschliessend den Qualifikationsnachweis. Aufgrund der Tatsache, dass sich 84 von 86 Universitäten an diesem Prozess beteiligen, kann das System als etabliert betrachtet werden. Die Hälfte der Anerkennungsverfahren werden allerdings von nur 15 Universitäten durchgeführt. Und noch weitere Zahlen führt Feutrie auf: 44% erreichen einen Abschluss auf Bachelor-Ebene, 40% auf Master-Ebene, 55% der Kandidaten sind männlich und zwei Drittel zwischen 30 und 45 Jahre alt.

Ein grundlegendes Problem der Anerkennung von Kompetenzen auf der Ebene von Universitätsabschlüssen – auf das Feutrie am Ende seines Beitrags aufmerksam macht – liegt in der Vergleichbarkeit.

“In France, university programmes are mainly described in terms of contents and are discipline based. This description is not unseful for validation. Validation starts from what is demonstrated in concrete activities. What is demonstrated is always a combination of knowledge, methodologies and skills mobilised to solve a concrete (repetitive, new crucial) problem. The work to do is to try to establish a connection, a link between competences verified as effective in a specific context, for a type of action and capacities which are expected from those who are awarded by classical ways.” (S. 195).

Ähnliche Probleme sind auch im Rahmen des IT-Weiterbildungssystems in Deutschland identifiziert und bearbeitet worden (Mucke & Grunwald 2002). Folgend wurde sich vor allem im Ankom-Projekt mit dieser Thematik auseinandergesetzt, in dessen Rahmen auch einige Publikationen erschienen sind (siehe Website).

Feutrie unterscheidet fünf Stufen des Status der Anerkennung informell und non-formal erworbener Kompetenzen, wobei Deutschland in der Gruppe derer ist, “where arrangements are emerging” (zur Erinnerung, Werquin ordnete Deutschland den Ländern mit “fragment practices” zu). Frankreich hingegen ist in der vierten Gruppe, “where arrangements are already there and demonstrating concrete practice.” (S. 189).

Soweit ich mitbekomme, ist dieses Thema auch in der Schweiz nicht gänzlich unbeachtet, auch wenn sich z.B. hier an der Universität Zürich noch niemand konkret damit beschäftigt. Falls jemand mehr weiss, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.

Quellen
Feutrie, Michel (2009). Validation of Non-Formal and Informal Learning in Universities in France, In Michaela Knust & Anke HAnft (Hrsg.), Weiterbildung im Elfenbeinturm!? (S. 187-197). Münster: Waxmann.
Mucke, Kerstin; Grunwald, Stefan (2002): Leistungs­punktsystem in der beruflichen Weiterbil­dung – Bereich IT. In: BMBF (Hrsg.) (2002): IT-Weiterbildung mit System. Neue Perspektiven für Fachkräfte und Unternehmen. Dokumen­tation. Bonn
Werquin, Patrick (2009). Recognition on Non-formal and Informal Learning in OECD Countries: an Overview of Some Key Issues. In report: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung. 32 (3). S. 11-23

Veröffentlicht unter Anerkennung, Hochschule

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